Fast drei Jahre ist das Familiendrama inzwischen her: Ein Vater wurde an Heiligabend 2010 beinahe seinem erwachsenen Sohn umgebracht. Gestern erledigte das Strafgericht den juristischen Teil der Geschichte: Es verordnete eine Suchttherapie, bei einem Abbruch droht dem Mann eine unbedingte Freiheitsstrafe.

Der heute 34-jährige Mann war zu Weihnachten 2010 bei seinen Eltern in Liestal auf Besuch. Bereits zu Beginn des Abends kippte die Stimmung, weil er als Geschenk dunkle Schokolade erhielt, die er gar nicht mochte.

Gegen Mitternacht kam es zu einem Streit über seinen Alkoholkonsum. Der Zwist eskalierte: Der Anfangdreissiger drückte seinen Vater auf den Boden und würgte ihn. Offenbar hatte der Vater kurz zuvor eine halb leere Whiskyflasche gefunden. «Du bist ein ganz dummer Bub. Ich könnte Dich klöpfen», hatte er gesagt.

Drei Promille intus

Champagner, Wein, Whisky und Kokain hatten die Stimmung zweifellos angeheizt, eine spätere Blutprobe ergab beim Sohn rund drei Promille. Der Angeklagte gab die Geschichte zu, konnte sich vor Gericht aber kaum mehr an Details erinnern.

Die Ärzte stellten beim Opfer später eine kreislaufwirksame Halskompression fest, worauf die Staatsanwaltschaft den Sohn wegen Gefährdung des Lebens anklagte. Da dies ein Offizialdelikt ist, nützte es auch nichts, dass der Vater später seinen Strafantrag ausdrücklich zurückzog.

Zweimal vor dem Richter

Der Mann stand wegen der Geschichte eigentlich bereits im Frühling in Liestal vor Gericht. Damals wollte man es bei einer bedingten Freiheitsstrafe bewenden lassen, zumal er sich freiwillig einem stationären Drogenentzug von drei Wochen unterzogen hatte und laut eigenen Angaben seither abstinent lebte.

Doch kurz vor der Verhandlung rasselte der Angeklagte mit 3,7 Promille Blutalkohol in eine Polizeikontrolle; Gerichtspräsident Philip Spitz beschloss damals, ein Gutachten einzuholen. Dieses lag gestern vor: Die Rückfallgefahr im Gewaltbereich sei eher niedrig, doch eine Therapie wäre auf jeden Fall hilfreich. Selbst der Verteidiger meinte gestern, der Mann unterschätze seine Sucht.

Therapie vor Gefängnis

Einzelrichter Spitz verurteilte den Mann daher wegen Gefährdung des Lebens sowie Drogenkonsums zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von zehn Monaten, schob diese aber zugunsten einer ambulanten Therapie mit engen Kontrollen auf. Damit muss der Verurteilte nicht ins Gefängnis, solange er die Therapie nicht abbricht. Er kann das Urteil noch weiterziehen. Staatsanwaltschaft wie Verteidiger hatten lediglich eine bedingte Strafe beantragt.

Die rund 3000 Franken Geldstrafe wegen der Autofahrt mit 3,7 Promille bezahlt der 34-Jährige noch in Monatsraten ab; er spart derzeit auch für ein psychologisches Gutachten, um seinen Fahrausweis zurückzuerhalten.