Wäsche aus über hundert Jahren, Design und Markengeschichte werden in einem dreijährigen Projekt in der Sammlung des Textilherstellers Hanro in Liestal erforscht. Der Schweizerische Nationalfonds finanziert das Vorhaben, mit dabei sind die Universität Basel, die Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) und der Kanton Baselland.

Die Marke ist weltbekannt: Ab 1884 stellte Hanro in Liestal vor allem modische Unterbekleidung her. 1991 übernahm die vorarlbergische Huber Tricot das Unternehmen, Sammlung und Archiv von Hanro blieben aber in Liestal auf dem ehemaligen Firmenareal. Nun werden sie Stoff für die Wissenschaft, wie an einer Medienkonferenz vom Mittwoch zu erfahren war.

Die Hanro-Sammlung umfasst rund 20'000 Musterstücke aus der Produktion von 1884 bis heute. Hinzu kommen Entwurfszeichnungen, Stoffproben, Kataloge, Werbematerial und das Verwaltungsarchiv der Firma. Der Baselbieter Kantonsarchäologe Reto Marti sprach von einem "Rohdiamanten", der nun im Rahmen eines interdisziplinären Projekts erforscht werden soll.

Forschungsobjekt Unterwäsche

Der Nationalfonds hat 414'000 Franken für ein dreijähriges Projekt bewilligt. Dafür zusammengetan haben sich das Seminar für Kulturwissenschaft und Europäische Ethnologie der Universität Basel, das Institut Design- und Kunstforschung der Hochschule für Gestaltung und Kunst FHNW Basel sowie die Hauptabteilung Archäologie und Museum Baselland im Baselbieter Amt für Kultur.

Erforscht werden die Entstehung und Entwicklung der Marke "Hanro of Switzerland" oder der Entwurfsprozess industrieller Textilien, deren Designer - anders als in der Haute Couture - anonym bleiben. Untersucht wird zudem die kulturelle Bedeutung von Wäsche für Alltag und Initimität - von den "Unaussprechlichen" alter Zeiten bis zum modernen "Hauch von Nichts".

Bereits seit 2013 ist die Hanro-Sammlung auch Grundlage eines von Uni Basel und Kanton Baselland gestarteten Studienschwerpunkts zur Kulturanthropologie der Kleidung. Im Gange ist zudem ihre Erschliessung und Inventarisierung. Diese soll bis Jahresende abgeschlossen sein, denn 2015 gelangt die Sammlung als Schenkung an den Kanton Baselland.