Langsam geraten die kantonalen Heimatschützer in Panik. Nichts weniger als die «schönste Turn- und Konzerthalle» des ganzen Kantons sei akut vom Abriss bedroht, warnt der Baselbieter Heimatschutz in einer Medienmitteilung.

Gemeint ist die Turn- und Konzerthalle an der Ecke Gartenstrasse/Turnerstrasse in Allschwil; in der Gemeinde schlicht «TuK» genannt. Der Bau gehört zum Schulhaus Gartenstrasse; das Ensemble wurde Mitte 1920 erstellt. Die Gemeinde will nun das Areal, auf dem die Halle steht, mit dem Kanton gegen ein anderes Stück Land abtauschen. Dafür muss sie die TuK aber zuerst abreissen.

Primarschule Gartenstrasse, rechts davon die Turn- und Konzerthalle.

Der Heimatschutz schreibt, bei Schulhaus und Halle im Heimatstil handle es sich um «Pionierbauten». Er wehre sich gegen den Abriss der Halle, denn er erfolge «zu leichtfertig aus rein wirtschaftlichen Gründen». Für die Vernichtung der historisch wertvollen Bausubstanz müsse der «Deckmantel der Verdichtung» herhalten.

In Kürze könnte Halle fallen

Die Zeit drängt. Der Allschwiler Einwohnerrat hatte an seiner Budgetsitzung vom 5. Dezember 2017 den Abrisskredit bewilligt, bei einer einzigen Enthaltung. Laut der Ausschreibung für den Rückbau beginnt der Auftrag bereits am 1. Februar.

Der Heimatschutz sieht aber noch einen letzten Rettungsanker, um die TuK zu retten: «Das Gesetz sieht vor, dass abbruchgefährdete schützenswerte Objekte vom Kanton im Bereich von Bauplanungen provisorisch geschützt werden können.» Verfügen müsste eine solche zeitlich befristete Massnahme die kantonale Fachstelle.

Am Donnerstag wird sich auch das Kantonsparlament mit der TuK beschäftigen. Landrat Matthias Häuptli, selber Allschwiler, reichte im September eine Interpellation zum drohenden Abriss ein. In seinem Vorstoss wollte der GLP-Politiker von der Regierung wissen, ob sie etwas unternehmen werde, um das Objekt vor dem Baggerzahn zu bewahren – doch davon will sie nichts wissen, das geht aus ihrer schriftlichen Antwort deutlich hervor: Die Gemeinde habe als Eigentümerin des Gebäudes auf eine kommunale Unterschutzstellung verzichtet, schreibt der Regierungsrat, Unterschutzstellungen würden in der Regel jedoch «nur mit dem Einverständnis des Eigentümers» erfolgen. Heisst: Will die Gemeinde nicht, will der Kanton auch nicht.

«Ausgesprochen festlicher Charakter» 

Wo der Heimatschutz aber Recht hat: Der Kanton erachtet die TuK in der Tat als wertvoll, das ist dem Bauinventar des Kantons Basel-Landschaft (BIB) 2004 zu entnehmen. Der Bericht zur TuK fällt schwärmerisch aus. Es ist von «reich verzierten Decken, Wänden und Eingangstüren im Art déco-Stil» die Rede, von einem Hallenraum mit «ausgesprochen festlichem und repräsentativem Charakter». Im Vergleich zu anderen historischen Turnhallen im Baselbiet sei diejenige an der Gartenstrasse «die bedeutendste». Der Bericht endet mit der Empfehlung: «kantonal zu schützen».

Die Gemeinde erfüllte diesen Wunsch nicht. In der jüngsten Allschwiler Zonenplan-Revision von 2008 ist die Halle nicht als kommunal geschützt aufgeführt.

Kein grosser Verlust?

Die Allschwiler Gemeindepräsidentin Nicole Nüssli (FDP) sagt auf Anfrage, der Gemeinderat sei nach einer Güterabwägung zum Fazit gekommen, dass man die TuK nicht sinnvoll nutzen könne. «Wir haben uns das lange angeschaut. Die Lösung, das Schulhaus stehen zu lassen und die Halle abzureissen, ist aus unserer Sicht die sinnvollste, und auch der Einwohnerrat stützt diese Strategie.» Die Halle sei lediglich eine Art Anbau des Schulhauses, ihr Rückbau sei kein grosser Verlust. «Mir ist aber klar», sagt Nüssli, «dass es bei Fragen wie dieser unterschiedliche Optiken gibt.»

In Allschwil wurde auch schon über einen Abriss des Schulhauses nachgedacht. Dabei war man zumindest früher mächtig stolz auf den Bau. Der Heimatschutz zitiert ein älteres Allschwiler Lesebuch, in dem das Schulhaus Gartenhof als «schönstes Schulhaus des Kantons» bezeichnet wird.

Die Frage bleibt aber, ob die dahinter liegende Halle zwingend mitgemeint war.