2016 eine Explosion, bei der zwei Mitarbeiter verletzt wurden; und jetzt das Leck in einer Leitung, von dem die Behörden nichts erfuhren, obwohl es das Grundwasser verschmutzte:  Das sind zwei Zwischenfälle, mit denen die Prattler Chemiefirma Rohner AG für negative Schlagzeilen sorgte.

Nach dem jüngsten Störfall ist der Ärger über die Firma so gross, dass die Forderung laut wird, Rohner müsse ganz geschlossen werden. «Lieber heute als morgen» solle das der Fall sein, sagt der ehemalige Präsident der landrätlichen Umweltschutz- und Energiekommission, der Prattler Grüne Philipp Schoch.

«Im Wohngebiet so gefährliche Sachen zu produzieren, geht schon mal nicht; wenn dabei nicht für die Sicherheit gesorgt ist, erst recht nicht; und wenn man dann auch noch die hohle Hand macht beim Kanton, dann reichts endgültig.»

Schoch spricht damit den Sondermüll an, den Rohner nach der Explosion 2016 auf ihrem Areal stehen liess, aus Geldknappheit. Der Kanton musste schliesslich für die Entsorgung aufkommen. Nach der Explosion wollte Rohner die Feuerwehrkosten nicht zahlen. 2016 schrammte die Firma knapp am Konkurs vorbei. Die Abwasserreinigungsanlage Rhein nahm nur noch gegen Vorkasse Wasser von Rohner an, und die eigene Vorsorgestiftung betrieb Rohner wegen Mitzinsschulden.

Diese finanziellen Schwierigkeiten sieht der Prattler BDP-Einwohnerrat Marc Bürgi als Grund, warum Rohner den Betrieb beenden sollte. Als Vertriebsleiter einer internationalen Ingenieurunternehmung im Chemiebereich sagt er: «Das ganze bei Rohner noch vorhandene Geld geht in die Produktion und in die Löhne, investiert wird nichts mehr.» Darunter leide natürlich der Unterhalt der Infrastruktur.

«Wenn die Sicherheit und der Umweltschutz nicht gewährleistet sind, ist es Zeit zu schliessen», findet er. Seiner Meinung nach sehen das viele in der regionalen Chemiebranche so. Kanton, Gemeinde und Management müssten jetzt eine gemeinsame Lösung finden, fordert er, um einen Schlussstrich zu ziehen, inklusive Sozialplan.

Per Leserbrief fordert der Ex-Sprecher der Baselbieter Kantonspolizei Meinrad Stöcklin die Behörden auf, endlich zu handeln. «Bei aller Wirtschaftsfreundlichkeit und Toleranz: es reicht», schreibt er. Weil er als Polizeisprecher viel mit Rohner zu tun hatte, meint er zu wissen: «Ich gehe davon aus, dass das Ausmass noch weit dramatischer ist, als nun bekannt geworden ist.» Sein Fazit: «Die Firma gehört mit sofortiger Wirkung geschlossen.»

CABB macht es besser

Bereits am Dienstag hatte auch der Gemeinderat Pratteln gefordert, der Kanton solle die Schliessung der Firma prüfen, allerdings nur eine temporäre. «Unser Vertrauen in die Firma Rohner ist schwer angeschlagen», sagt Gemeindepräsident Stephan Burgunder (FDP).

Er macht auch klar, dass Rohner es besser machen könnte, nämlich wie die Firma CABB in Pratteln – und das, obwohl CABB für weit mehr Störfälle verantwortlich zeichnete (siehe Chronologie links). «Mit CABB stehe ich in einem regelmässigen Austausch», sagt er. «Ich besitze die Handynummern aller relevanten Leute dort und werde immer sofort informiert, wenn etwas vorgefallen ist.»

CABB hat zudem in den vergangenen Jahren 85 Millionen Franken in Sicherheit und Kommunikation investiert, wie sowohl Bürgi als auch Schoch lobend attestieren. Nur: CABB gehört einem potenten Konzern, der die Mittel für Investitionen hat. Rohner hingegen ist eine Einzelfirma. Und von einem Grossen übernommen wird Rohner nicht so bald, wie Branchenkenner Bürgi erklärt: «Die Produkte der Firma sind nicht zukunftsfähig.»

Doch auch mit einem Konkurs wären die Probleme mit Rohner nicht gelöst, ganz im Gegenteil. Nach fast hundert Jahren Produktion sind Gebäude und Boden in Pratteln verseucht. Für die Sanierung wäre die öffentliche Hand verantwortlich. Das Amt für Umweltschutz und Energie schätzte die Kosten vor zwei Jahren auf einen zweistelligen Millionenbetrag.