Das Gebiet Rüttenen-Lei, hoch über Reinach, ist ein kleines Paradies. Auf der Wiese, eingeklemmt zwischen zwei Wäldchen, wachsen Hochstammbäume. Doch die Idylle war in den letzten Wochen empfindlich gestört. Drohnenpiloten liessen ihre Renngeräte um die Baumkronen flitzen.

Der Gemeinderat wollte dem Treiben beim Leiwald nicht mehr tatenlos zusehen. Er sprach für das Gebiet Rüttenen-Lei kurzerhand eine generelle Flugverbotszone aus. Sie gilt seit gestern Mittwoch. Nach Ostern werden vor Ort Hinweisschilder aufgestellt.

Anders als übliche Drohnen sind die Rennversionen äusserst wendig und schnell. 100 Kilometer pro Stunde sind keine Ausnahme. Die heulenden Motoren erfreuen die Piloten – schreckten im Gebiet Rüttenen-Lei aber die Tierwelt auf. Dort fällt das ins Gewicht: Viele Parzellen gehören zur Landschaftsschutzzone, einzelne Flächen sind als Naturschutzobjekte eingetragen.

«Aus Untersuchungen und Beobachtungen ist bekannt, dass Drohnen das Brutgeschäft und die Nahrungssuche der Vögel stark stören», begründet die Gemeinde die Massnahme. Derartige Verbote sind ausserhalb des Siedlungsgebiets erst seit drei Jahren möglich: 2016 trat das revidierte kommunale Polizeireglement in Kraft, das sich neu auch Drohnen widmet.

Die Verbotszone befindet sich im Südwesten Reinachs und ist trichterförmig. Sie beginnt bei der Schützenstrasse, erstreckt sich entlang den Wäldern Lei und Rütenenfiechten und endet beim Schlatthof.

Gartenrotschwanz im Stress

«Aus biologischer Sicht sind die Renndrohnen Raubvögel», sagt Marc Bayard, Leiter Umwelt und Energie bei der Gemeinde Reinach. «Ist so ein Fluggerät in der Luft, löst das bei Wirbeltieren Stressreaktionen aus. Darunter leiden nicht nur Vögel, sondern auch andere scheue Wiesen- und Waldbewohner wie Hasen und Rehe.»

Im Gebiet Rüttenen-Lei ist seit über zehn Jahren ein Programm im Gang, das dem Erhalt der Obstbäume und Wiesen dient. Das kommt seltenen Vogelarten zugute – etwa dem Gartenrotschwanz, der beim Leiwald beim Brüten zu beobachten ist.

Der Vogel- und Naturschutzverein Reinach begrüsst das Verbot. Präsident Fabio Di Pietro sagt zur bz, die Rennflüge hätten bereits im vergangenen Jahr begonnen. «Ab Ende März wurde es extrem. Offenbar trainierten die Piloten auf eine Meisterschaft hin.»

Das Gebiet sei auf den ersten Blick gut geeignet als Trainingsgelände: Es liege fernab vom Siedlungsgebiet, auch würden sich selten Spaziergänger und Jogger dorthin verirren, die sich an den Drohnen stören könnten. «Aber an die Natur», sagt Di Pietro, «haben die Drohnenpiloten wohl nicht gedacht.»