Um satte 3,8 Prozent sollen die Krankenkassenprämien 2015 in der Schweiz durchschnittlich steigen. Nirgends wird der Aufschlag so hoch sein wie im Kanton Baselland: Um 239 Franken wird eine Prämie im Landkanton nächstes Jahr im Durchschnitt teurer – das sind fast 20 Franken pro Monat. In Basel-Stadt werden es 225 Franken sein. Dies geht aus einer vertraulichen Liste des Bundesamts für Gesundheit (BAG) hervor, die der «Sonntagsblick» publiziert hat. Zwar sind diese Zahlen noch nicht definitiv – das BAG hat die Prämien noch nicht bewilligt. Laut Experten dürften die nun publizierten Daten der Realität aber ziemlich nahe kommen.

Hohe Spitalbettendichte

Die von SVP-Regierungsrat Thomas Weber geführte Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion (VGD) nimmt den Prämienanstieg «mit Sorge zur Kenntnis», wie sie auf Anfrage der bz mitteilt. Doch wie erklärt man sich die unrühmliche Spitzenposition des Baselbiets? Da detaillierte und definitive Angaben zurzeit nicht vorliegen, könne nicht kommentiert werden, welche Krankenversicherer durch einen besonders hohen Prämienanstieg für das Wachstum gesorgt hätten, teilt das VGD mit. Auch der Zürcher Gesundheitsökonom Willy Oggier hütet sich vor eiligen Interpretationen. Die Situation in Baselland sei ohne Detailkenntnisse der Berechnungen der Krankenversicherer schwierig absehbar.

Felix Schneuwly, Krankenkassen-Experte des Internetvergleichsdienstes Comparis, hat hingegen eine Erklärung parat: Die hohe Spitalbettendichte und Dichte an Spezialärzten sei für den Prämienanstieg mitverantwortlich. Die Einführung der neuen Spitalfinanzierung per 2012 habe einen Kostenschub ausgelöst, den die Krankenkassen nun auf die Versicherten überwälzen müssen. Um den Prämienanstieg zu dämpfen, rät Schneuwly den Versicherten zweierlei: Erstens sei die integrierte medizinische Versorgung mit Telmed-, HMO- und Hausarztmodellen effizient und ohne Qualitätseinbussen kostengünstiger. Zweitens könne man mit Zweitmeinungen womöglich unnötige Operationen verhindern. Derweil sollten die Kantone nicht mit Spitalprotektionismus in den Wettbewerb eingreifen. «Die Überkapazitäten und Qualitätsmängel müssen die Einwohner bezahlen – wenn nicht via Krankenkassenprämien, so über ihre Steuern.»

Basel-Stadt am teuersten

Die Baselbieter Bevölkerung sorgt für die zweithöchsten Spitalkosten der Schweiz; teurer sind die stationären Behandlungen im Durchschnitt und pro Kopf nur in Basel-Stadt. Eine Rolle in der Debatte um steigende Spitalkosten spielen die Patientenströme – was zwar nicht für den Prämienanstieg, aber für die Kantonsfinanzen von Belang ist. Aufgrund des hohen ausserkantonalen Anteils an Leistungen, die Baselbieter Versicherte beziehen, sei die Kostenentwicklung stark geprägt durch Entwicklungen in Nachbarkantonen – speziell im Kanton Basel-Stadt, erklärt die VGD. Dieser Trend sei mit Einführung der Fallpauschalen 2012 und der vollen Freizügigkeit bei der Spitalwahl per 2014 verstärkt worden. Laut VGD soll Ende Oktober eine externe Expertise Aufschluss über die Kostenentwicklung im Spitalbereich geben.

Comparis-Experte Schneuwly kommentiert die Stellungnahme der VGD so: Wenn wie angeführt die ausserkantonalen Behandlungen massiv zugenommen hätten, so müsste ein grosser Teil dieses Wachstums innerkantonal durch eine Abnahme kompensiert werden. Dies war aber nicht der Fall. «Damit wären wir wieder bei den Überkapazitäten», sagt Schneuwly.