«Die Arbeit wird uns nicht ausgehen», sagt Adrian Härri. Als CEO einer Firma für molekularbiologische Untersuchungen meint man damit: Krankheitserreger wie das Ehec-Bakterium werden uns in Zukunft immer wieder auf Trab halten.

Kampf nicht zu Ende

Auch wenn der Erreger hauptsächlich in Deutschland Unheil anrichtete: Die Schweizer wollten offenbar auf der sicheren Seite sein. In den vergangenen Tagen wollten 20 Lebensmittelhändler ihre Verkaufsware auf den gefährlichen Bakterienstamm untersucht haben. Gurken, Auberginen und – seitdem bekannt ist, woher das Ehec tatsächlich stammt – vor allem Sprossen erreichten die Firma Biolytix aus Witterswil.

Auch wenn Härri in Zusammenhang mit dem Ehec von einem «Hype» spricht, wurde hier der potenziellen Gefahr mit grösster Vorsicht begegnet: Wer im Technologiezentrum im hinteren Leimental in den vergangenen Tagen Gemüse schälte, kam um einen Schutzanzug nicht herum.

Über Nacht wurde die Substanz schliesslich inkubiert, also spezifisch angereichert und dann getestet. In allen 20 Fällen hiess die frohe Botschaft ausschliesslich: Ehec-negativ.

Doch auch jetzt, wo der Ursprung des Ehec-Stamms geortet wurde, ist der Kampf gegen den Darmkrankheitserreger nicht zu Ende. Härri rechnet aber zumindest damit, dass die Zahl der Ansteckungen mit dem gefährlichen norddeutschen Bakterienstamm O104 zurückgehen wird. Doch auch er weiss: Eher früher als später werden sich die Laboranten in Witterswil wieder in Schutzanzüge werfen müssen: «Die Bakterien passen sich unter dem Selektionsdruck immer wieder an», sagt er. Damit sind die Antibiotika gemeint, die die Bakterien immer wieder zu neuen Lebensformen herausfordern.

«Nach dem 0104 wird es sicher einen nächsten Erreger geben – der heisst dann halt O167 oder O189», meint Härri. Dem Trend entgegenzuwirken, werde schwierig, sagt der Biolytix-Chef. Daher glaubt er, dass Labors mit Bakterien-Untersuchungen künftig noch wichtiger werden.

Noch nicht wie in Singapur

Auch wenn Biolytix das einzige private Labor der Region ist, das molekularbiologische Untersuchungen durchführt, findet Härri, dass die Schweizer vorsichtig mit neuen Krankheitserregern umgehen. Noch weit entfernt ist man aber von Verhältnissen in Singapur, die Härri als richtungsweisend einstuft: «Dort hat jedes Haus eine eigene Postleitzahl. Damit man medizinisch heikle Fälle sofort orten kann.» Und dass er sich mit den modernen Krankheiten eine goldene Nase verdient, davon will er nichts wissen: «Ein solcher Test kostet ja lediglich 80 Franken. Bei 20 Untersuchungen kommen
bei uns da keine Millionenbeiträge zusammen.»