Die FDP befindet sich schweizweit im Aufwärtstrend: Seit den letzten nationalen Wahlen im Herbst 2015 haben bisher 19 Kantone ihre Parlamente neu bestellt. Die Freisinnigen haben dabei total 34 Sitze hinzugewonnen – mehr als alle anderen Parteien. Diesen Schwung möchte die FDP auch in die Baselbieter Wahlen vom 31. März mitnehmen. 20 Landratssitze: Dieses ehrgeizige Wahlziel formulierte der mittlerweile abgetretene Kantonalparteipräsident Paul Hofer im Herbst 2017.

Aktuell verfügt die FDP-Fraktion im Baselbieter Parlament über 17 Sitze, das entspräche einem Plus von 3 Sitzen. Hofers Nachfolgerin Saskia Schenker hat dieses Ziel übernommen – es scheint durchaus realistisch. Bei den letzten Wahlen 2015 verfehlte die FDP in mehreren Wahlkreisen einen Sitzgewinn nur knapp.

Pratteln ist «Battleground state»

Im Wahlkreis Pratteln zum Beispiel verfügen die Freisinnigen trotz eines Wähleranteils von fast 20 Prozent nur über ein Mandat – jenes des wieder antretenden Wirtschaftskammer-Direktors Christoph Buser. Ein zusätzliches Mandat ist schon bei einer leichten Zunahme der Listenstimmen möglich.

Aussichtsreichster Kandidat auf der personell stark besetzten Liste ist neben dem Bisherigen Buser Prattelns Gemeindepräsident Stephan Burgunder, Aussenseiterchancen dürfen sich der Frenkendörfer Gemeinderat Roger Gradl sowie der bekannte Gewerbler Christoph Keigel ausrechnen. Allerdings sind auch andere Parteien – etwa die SVP – im Wahlkreis Pratteln sehr gut aufgestellt. Dieser wird damit zum «battleground state» der Landratswahlen vom 31. März.

Ähnlich ist die Situation im Wahlkreis Sissach: Auch hier hat die FDP derzeit nur einen Sitz, die SP verfügt mit bloss leicht höherem Wähleranteil über zwei Mandate. Dass die Freisinnigen der SP einen Sitz abluchsen können, ist möglich – in der Vergangenheit wanderte das zweite Mandat wiederholt zwischen den beiden Parteien. Die besten Chancen neben der bisherigen Landrätin und ad interim Kantonalpräsidentin Saskia Schenker hat wohl Björn Fankhauser, der omnipräsente Präsident des Gewerbevereins Sissach.

Sitzgewinn in Allschwil?

Ebenso spannend ist die Ausgangslage aus Sicht der Freisinnigen im Wahlkreis Muttenz/Birsfelden: Auch hier liegt der Gewinn eines zweiten Sitzes im Bereich des Möglichen. Neben dem wiederantretenden Birsfelder Gemeindepräsidenten Christof Hiltmann darf sich vor allem der Muttenzer Gemeinderat Alain Bai Wahlchancen ausrechnen. Und schliesslich liegt für die Freisinnigen auch im Wahlkreis Allschwil etwas drin: Dort hat die Partei 2015 den zweiten Sitz bloss um 300 Listenstimmen verfehlt.

Die Ausgangslage ist nach der Zersplitterung der SVP-Ortspartei im Zuge des Parteiausschlusses der Landräte Roman Klauser und Pascale Uccella unübersichtlich. Gewinnt die FDP einen zweiten Sitz, so hat neben Amtsinhaber Jürg Vogt wohl Gemeinderat Robert Vogt die besten Karten.

In mehreren weiteren Wahlkreisen lautet für die Freisinnigen «Halten» die Devise. Das gilt für Binningen/Bottmingen, wo die FDP mit einem Wähleranteil von knapp 25 Prozent 2015 die stärkste Kraft war. Im Baselbiet ist die FDP zudem nirgends stärker als in den beiden finanzstarken Agglo-Gemeinden. Die beiden profilierten Landräte Marc Schinzel und Sven Inäbnit dürften mit grosser Wahrscheinlichkeit wiedergewählt werden, dahinter lauert Binningens Gemeinderätin Eva Bonetti.

Ähnliches gilt für den Wahlkreis Münchenstein. Dass die FDP ihre beiden Sitze halten kann, ist so gut wie gesichert. Der wiederantretende Balz Stückelberger steht in der Pole Position, daneben hat auch die ehemalige Kantonalparteichefin Christine Frey sehr gute Wiederwahl-Chancen. Bedrängt werden die beiden auf einer hochkarätigen Liste vom Münchensteiner Gemeinderat David Meier, von Frauenrechtlerin Sibylle von Heydebrand und der vielseitig engagierten Arlesheimer Anwältin Brigitte Treyer-Spitz.

Auch im Wahlkreis Liestal werden die Freisinnigen vermutlich keinen Sitz hinzugewinnen – das Personal dazu wäre freilich vorhanden: neben den Bisherigen Thomas Eugster und Heinz Lerf, der bei einer Wiederwahl 2020 zum Landratspräsidenten und damit höchsten Baselbieter gekürt würde, empfehlen sich etwa Werner Fischer (Fraktionschef im Liestaler Einwohnerrat) Matthias Mundwiler (Gemeinderat in Bubendorf) oder die junge Seltisbergerin Naomi Reichlin (Vizepräsidentin der FDP Baselland).

Im Wahlkreis Oberwil ist das Halten der beiden Sitze das realistische Wahlziel und das Höchste der Gefühle zugleich. Die Bisherigen Andreas Dürr und Paul Hofer sind kaum gefährdet. Auch im Wahlkreis Reinach werden die beiden FDP-Sitze von zwei Bisherigen (Rolf Blatter und Jacqueline Bader) verteidigt. Beide haben gute Wiederwahlchancen, haben aber spannende Herausforderer im Nacken, zum Beispiel den Aescher FDP-Chef Cristian Manganiello oder den Aescher Gewerbler Stephan Hohl.

Offenes Rennen in Laufen

Daneben gibt es mehrere Wahlkreise, in denen die FDP nur über ein Mandat verfügt: Spannend ist die Ausgangslage vor allem in Laufen, wo sich nach dem wegen der Amtszeitbeschränkung abtretenden Langzeit-Landrat Rolf Richterich ein unverbrauchtes Sextett um den einen Sitz balgt. Wer das Rennen macht, ist schwierig zu prognostizieren, gute Chancen haben Martin Dätwyler, Direktor der Handelskammer beider Basel, oder der Laufner Stadtrat Simon Felix.

In Waldenburg wird Gemeindepräsidentin Andrea Kaufmann die Wiederwahl kaum streitig gemacht, darüber hinaus liegt für die FDP aber kaum etwas drin. Dasselbe gilt für den Wahlkreis Gelterkinden, wo der in der ablaufenden Legislatur nachgerückte Stefan Degen seinen Sitz verteidigen muss.