«Wir wollen keine neuen Superlative schaffen», sagte Thomas Weber. Gar keine leichte Aufgabe, beim «Eidgenössischen» nicht neue Superlative zu schaffen, ist es doch selber ein Superlativ: Der alle drei Jahre stattfindende Anlass gilt als das grösste wiederkehrende Sportereignis der Schweiz. Wenn das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest (ESAF) in drei Jahren in Pratteln Halt macht, werden gegen 300 000 Menschen erwartet – mehr als die Einwohnerzahl des Kantons.

Das OK Schwingfest 2022 im Baselbiet informierte am Montag in Pratteln über den Stand der Vorbereitungen für den Grossanlass. Thomas Weber präsidiert als Baselbieter Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektor das OK. Die Zahlen, die er und Geschäftsführer Thomas Hubeli verkündeten, sind imposant. Das mobile Stadion bietet 47 000 Menschen Platz, es werden mindestens 12 000 Campingplätze bereitgestellt. Hinzu kommen die Aktiven mit Betreuerstaff, die rund 4000 Helfenden und nicht zuletzt 600 Medienschaffende. Sie stellen unter anderem die Fernsehbilder her, die gemäss Prognosen rund eine Million Menschen zu Hause am TV konsumieren. Das Gesamtbudget beträgt gemäss OK rund 30 Millionen Franken.

Wieder mit Hornussern

Im Gegensatz zum Schwingfest 2019, das diesen August in Zug durchgeführt wird, kommt es in Pratteln zu einem Revival. «Wir freuen uns sehr, die Hornusser wieder begrüssen zu dürfen», sagte Weber. Für die Hornusser ist der ESAF-Festperimeter extra erweitert worden. Sie absolvieren ihre Partien am Festwochenende vom 26. bis 28. August in der Prattler Nachbargemeinde Giebenach, im Gebiet Schuelland/Bodenacker.

Der entscheidende Punkt bei einem Eidgenössischen sind die Landeigentümer. Sie müssen ihr Einverständnis geben, sonst läuft nichts. An diesem Punkt scheiterten die früheren Pläne für ein ESAF in der Ebene zwischen Reinach und Aesch.

Laut OK befindet man mit den sieben betroffenen Landbewirtschaftern im Gebiet Leimen-Hülften bei den Verhandlungen für einen Nutzungsvertrag in der Endphase. Das Einverständnis der Landwirte liege bereits vor. «Die meisten Betroffenen sind nah am Schwingsport, das kommt uns entgegen», sagte Weber. «Viele sind sogar Mitglied im Schwingklub Pratteln.»

Die Herausforderungen bleiben gross. Das Festgelände misst rund 70 Hektar, es ist jedoch begrenzt von einer Strasse und der Bahnlinie Pratteln-Frenkendorf/Füllinsdorf. Hinzu kommt, dass es von einer Panzersperre und von einer Hochspannungs-Leitung durchquert wird.
Bei der Hochspannungsleitung sehen die Pläne einen Sicherheitskorridor vor. Die Sperrzone wird gegen 30 Meter breit und 300 Meter lang sein, umgeben von einem Zaun. Damit das Gelände nicht zweigeteilt wird, sind Tunnels für Besucher, aber auch für Helfer und Rettungskräfte vorgesehen.

Das Stadion kommt teilweise auf der Panzersperre aus dem Zweiten Weltkrieg zu stehen. Die Anlage gilt als militärhistorisch schützenswert. Laut OK müssen der Sperre lediglich einzelne Zähne «gezogen» werden.

Nur ein Bahnhof

Klar ist jetzt auch, dass der Prattler Bahnhof der einzige Festbahnhof wird. Mit den SBB laufen Abklärungen über temporäre bauliche Anpassungen. Im Fokus stehen Perronverlängerungen. Vorgesehen ist, dass rund 70 Prozent der Besucher mit Ticket mit dem öV anreisen. Standorte von Park & Ride-Anlagen sind noch nicht bestimmt.

Ende Januar weilte eine Delegation des OK beim Schwesterkomitee des ESAF in Zug, das vom 23. bis zum 25. August dauert. Nach dessen Ende geben die Baselbieter Organisatoren ihr Logo bekannt. Ein Motto hat das Prattler Fest bereits: «Gemeinsam mit Schwung und Herz». Beim OK sind gegenwärtig 88 Personen tätig, Zielgrösse sind 200 Personen. Dass die regionale Zusammenarbeit funktioniert, zeigt das OK gleich selber: Seine Träger sind der Basellandschaftliche Kantonal-Schwingerverband und der Schwingerverband Basel-Stadt.

Sponsorensuche läuft

Vom Gesamtbudget erhofft sich das OK, mindestens die Hälfte, also 15 Millionen Franken, über Sponsoren wieder einzunehmen. Ein weiterer grosser Brocken sollen die Ticketverkäufe ausmachen, ebenso die Einnahmen des Gastronomie-Angebots am Festwochenende. Der Kanton Baselland hat über den Swisslos-Sportfonds eine Million Franken gesprochen. Weitere Engagements des Kantons sind möglich, er hat das Patronat über den Anlass übernommen.

Doch auch beim Budget, betonte Weber, sei das Ziel, nachhaltig zu wirtschaften. «Auch hier sind ganz sicher keine neuen Superlative geplant.» Zum Vergleich: Das ESAF Zug budgetiert mit 35 Millionen Franken, in Estavayer 2016 waren es 30 Millionen.