Alles spricht von Integration, nach dem verweigerten Händedruck von zwei Schülern in Therwil sowieso. Sie aber spricht nicht nur davon, sondern füllt die Worthülse mit Inhalt – und das mit einer Inbrunst und Ausdauer, die ihresgleichen suchen: Vivian Kiefer-Vargas (67) aus Bubendorf, mittlerweile Schweizerin, aber mit sehr starken philippinischen Wurzeln.

Hier ein paar Etappen auf Kiefers aktivem Integrationsweg: acht Jahre Mitglied der eidgenössischen Ausländerkommission, seit vier Jahren Mitglied der Liestaler Integrationskommission, 1993 den ersten schweizerisch-philippinischen Verein mitbegründet, 2014 den zweiten und nun morgen in der katholischen Kirche Liestal ab 13.30 Uhr im Rahmen eines öffentlichen Fests mit Gottesdienst, kulturellen Beiträgen und Verpflegung den dritten. Er heisst Philippine-Swiss Association und wird von Kiefer präsidiert.

Gerade die Situation dieser Vereine zeigt gut, wie Kiefer tickt: Als sie das Präsidium des ersten Vereins Maharlika Switzerland nach 15 Jahren aus gesundheitlichen Gründen abgab, verschwand der Verein weitgehend von der Bildfläche. Sein Zustand erinnerte an ein Auto, das ohne Motor weiterfahren sollte.

Zuvor gab es nicht nur die jährlichen philippinischen Traditionsfeste mit Tänzen und Essen, sondern der Verein bot Sprachkurse und Übersetzungshilfen zum Beispiel bei Behörden-Terminen an, war aber auch Anlaufstelle bei Problemen in Beruf und Familie. Zahlreiche Philippinas und Philippinos nutzten das Angebot.

Sie hatte mit 22 schweren Start

So soll nun auch der neuste Verein funktionieren. Angereichert wird dessen Angebot allerdings noch mit Computerkursen, Musikunterricht auf dem philippinischen Nationalinstrument Bandurria, eine Art Mandoline, und Unterricht im Hauptdialekt Tagalog vor allem für hier geborene Kinder mit philippinischem Hintergrund. Und auch den zweiten, 2014 gegründeten Verein hat Kiefer mit dieser Absicht mit aus der Taufe gehoben.

Weil sie sich aber bei der Prioritätensetzung dieses Vereins nicht durchsetzen konnte, sprang sie ab. Denn für Kiefer gilt: «Das Beherrschen der deutschen Sprache ist zentral für die Integration von philippinischen Menschen hier. Deshalb stehen für mich Sprachkurse zuoberst auf der Liste der Vereinsaktivitäten.» Ohne Sprachkenntnisse gebe es auch keine guten Stellen.

Was treibt die Frau, die inzwischen pensioniert ist und sich von ihren gesundheitlichen Problemen weitgehend erholt hat, seit Jahrzehnten an? Ein Stück weit sicher ihre eigenen Lebenserfahrungen: Kiefer kam als 22-jährige, ausgebildete medizinische Laborantin in die Schweiz. Dies auf Rat ihrer Freundin, die in Aarau bereits eine Stelle gefunden hatte. Und prompt konnte auch Kiefer beruflich sofort im Kantonsspital Liestal andocken. Doch Heimweh und Sprachprobleme machten der jungen Frau, die bei ihrer Ankunft in Liestal nur Englisch und Tagalog sprach, zu schaffen.

Deutschkurse und der spätere Nachzug von Schwester und Cousine erleichterten ihr dann das hiesige Leben, bis sie sich im Alter von 32 Jahren endgültig für die Schweiz entschied: Aus Vivian Vargas wurde Vivian Kiefer-Vargas und mit den Jahren eine dreifache Mutter und vierfache Grossmutter.

Heute sagt sie: «Meine Heimat ist dort, wo meine Familie ist.» Und das ist die Schweiz. Doch Kiefer hat die Bande zu den Philippinen nie abgebrochen, reist jährlich dorthin und finanziert nicht zuletzt mithilfe des Baselbieter Swisslos-Fonds gemeinnützige Projekte, so ein Gesundheitszentrum in der Nähe von Manila. Gerade in diesen Tagen weibelt sie wieder, um Geld für dessen Sanierung und Aufstockung zusammenzutreiben.

Von Schweizern geholt und einsam

Doch Kiefer treibt bei ihren unermüdlichen Integrationsbemühungen auch das Schicksal von andern Menschen aus ihrem ursprünglichen Heimatland an. Im Vordergrund stehen dabei weniger jene paar Dutzend Frauen und Männer mit Ausbildung vor allem im medizinischen Bereich, die jährlich aus beruflichen Gründen hierher kommen; sie müssen deutsche Grundkenntnisse vorweisen können und bleiben für maximal 18 Monate.

Nein, mehr Probleme beobachtet Kiefer bei jenen Philippinas, die von Schweizer Männern aus Südostasien hierher geholt wurden. Kiefer: «Nebst den Sprachproblemen sind ihre grössten Schwierigkeiten, dass sie keine Ahnung von der hiesigen Kultur haben und nicht wissen, wie mit den Schweizern umzugehen. Und sie sind oft recht einsam hier, weil sie keine Arbeitsstelle haben.»

Erspart bleibt Kiefer bei ihren Integrationsbemühungen aber das grösste Minenfeld – die Religion: Praktisch alle Philippinas und Philippinos, die in die Schweiz kommen, sind katholisch.