Morgen um 11 Uhr wird das Kino Oris in Liestal ausverkauft sein. Der Kurzfilm «Usbrennt» feiert Premiere. Produziert wurde der 14-minütige Film vom Liestaler Schauspieler und jungen Filmproduzenten Reto Ziegler mit seiner Produktionsfirma ZIRED Films.

«Usbrennt» ist die erste Produktion des 32-jährigen Liestalers. Bisher war Ziegler vor allem in Theaterproduktionen, TV-Werbungen und im Fernsehen zu sehen: So moderiert er etwa eine Kindersendung auf Super RTL. «‹Usbrennt› handelt von dem viel zu vielen Vieltun», erklärt Ziegler sein Werk, «damit meine ich fachsprachlich den Vorläufer eines Burnouts.» Der von Ziegler selbst gespielte, stark überarbeitete junge Journalist Serge Kobelt wird einmal mehr von seinem Chef (Urs Bosshardt) gedrängt, einen neuen Artikel zu schreiben: Im Berner Oberland muss er sich in Bezug auf Adrenalinkicks mit einer grossen Hängebrücke auseinandersetzen.

Zum Denken anregen

Der Produzent sagt: «Doch schon die Reise dorthin stellt sich als grosses Desaster heraus. Serge vergisst seine Fahrkarte und ist auch sonst völlig durch den Wind.» In der Pension vor Ort merken die anderen Gäste dann auch ziemlich schnell, dass Kobelt mit seiner Arbeit völlig überfordert ist. Zumal der Chef auch immer wieder anruft und Druck ausübt. In der Folge wollen sie dem Überforderten helfen und bieten ihm Therapien zur Besserung seiner Situation an. «Allerdings beginnt erst die Natur seine inneren Wunden zu heilen», sagt Ziegler. Das Ende des Films sei dann jedoch offen gehalten – absichtlich. Ihm sei es wichtig gewesen, erklärt Ziegler, dass die Menschen nach dem Film über Burnout und Überforderung nachdenken würden.

«Für mich ist Burnout ein Modewort, das heute schnell als Entschuldigung gilt. Früher hiess es noch Depression und keiner wollte es zugeben, wenn man es hatte», sagt der Liestaler. Deshalb habe er in seiner ersten Produktion überhaupt diese Thematik auch behandeln wollen.

Ziegler produzierte den Film, spielt selber mit. Und wäre das nicht alles schon genug, schrieb er auch noch das Drehbuch. Bis dahin schrieb Ziegler erst Drehbücher für Theaterproduktionen. «Es gibt einen riesigen Unterschied zwischen Drehbüchern fürs Theater oder für einen Film», sagt er, «in Filmen kann man viel mehr mit Bildern arbeiten.» Ziegler erklärt es am Beispiel eines Telefons: Im Theater müsse man noch sagen, dass man das Telefon abnimmt, weil es nicht alle im Publikum sehen. Das Problem habe man bei Filmen nicht.

Hohes finanzielles Risiko

Finanziert hat Reto Ziegler den Film aus eigener Tasche und mit privaten Sponsoren – bisher sind insgesamt 15 000 Franken zusammengekommen. Schon eine Menge Geld, das aber längst noch nicht reicht, um alle Kosten für den Film zu decken. Wie bei vielen Filmen mit wenig Budget arbeitete auch der Liestaler mit Rückstellungsverträgen.

Das heisst, dass jeder Mitwirkende des Projekts eine Teilgage von 500 Franken erhalten hat und auf den Rest – zumindest vorläufig – verzichtet. «Die restliche Gage bekommen die Schauspieler allenfalls später», sagt Ziegler. Sie sei abhängig vom Erfolg des Films. «Natürlich kann das Ganze ein finanzielles Fiasko für mich werden, doch ich glaube an den Erfolg des Films», sagt Ziegler und grinst.

Morgen nach der ausverkauften Premiere wird das Abenteuer mit dem ersten selbst produzierten Film für Ziegler noch nicht beendet sein. Denn nun beginnt die Vermarktung des Films. Anschreiben von möglichen Käufern und Bewerben an Kurzfilmfestivals sind nur zwei Vorsätze.

Für den 32-jährigen Ziegler stehen zudem wieder verschiedene Theaterproduktionen und auch ein neues, eigenes Filmprojekt an. Ein Langspielfilm zum Thema Handwerkermangel mit den Schweizer Schauspielgrössen Walter Andreas Müller und Heidi Maria Glössner ist in Planung. Er soll auch ins Kino kommen. Denn eines ist für den ehrgeizigen Liestaler klar: «Ich möchte noch lange Zeit beim Film und Theater arbeiten.»