Mitte Juni stattet eine internationale Jury der 700-Seelen-Ortschaft Blauen einen Besuch ab. Während des Nachmittags im Laufental zeigen ihr die Gemeindeverantwortlichen, wie sie die Attraktivität des Dorfes steigern möchten. In den vergangenen Jahren rief man zahlreiche Projekte ins Leben, mit denen neue Einwohnerinnen und Einwohner angelockt werden sollen.

Für die Bemühungen wurde Blauen als Deutschschweizer Vertreter für den Europäischen Dorferneuerungspreis nominiert. Seit 1990 vergibt die Europäische Arbeitsgemeinschaft Landwirtschaft und Dorferneuerung diese Auszeichnung jedes zweite Jahr. «Die Teilnahmegemeinden sollen eine signifikante Entwicklung im Bereich der Lebensbedingungen, der Arbeitsplätze, der schonenden Nutzung der natürlichen Ressourcen, der Infrastrukturen sowie des Natur- und Heimatschutzes durchgemacht haben», äussert sich Petra Hellemann vom nominierenden Bundesamt für Landwirtschaft zu den Kriterien.

Neues Begegnungszentrum im Dorf

Der Sieger wird zwar kein Geld erhalten, dafür aber eine Trophäe in Form eines Hahnes und viel mediale Aufmerksamkeit. Die Teilnahme am Wettbewerb ist für Blauen ein weiterer Schritt einer sorgfältig geplanten Dorfentwicklung, die untrennbar mit Dieter Wissler verbunden ist. Der frühere weltweite Kommunikationschef von Novartis ist seit dem Jahr 2007 Gemeindepräsident von Blauen. «Als ich begann, hatten wir mit Finanzproblemen zu kämpfen, verfügten über das geringste Bevölkerungswachstum im Bezirk Laufen und mussten eine Überalterung der Einwohner feststellen», erinnert er sich. Um den drei Entwicklungen entgegenzuwirken, definierte man damals als langfristiges Ziel, Familien mit mittleren Einkommen nach Blauen zu holen. Gemeinsam mit der Bevölkerung wurde ein Dorfentwicklungsplan ausgearbeitet.

Nach und nach setzte man die Pläne in die Tat um. So wurden 2012 die ungenutzten Räume des ehemaligen Schulhauses zu Seniorenwohnungen umgebaut. Zwei Jahre später erhielt das Dorf von der Unicef das Label «Kinderfreundliche Gemeinde» verliehen. «Gleichzeitig etablierten wir als Kompensation für die teils mangelhaften Busverbindungen den Mitfahrdienst FahrMit, für den mittlerweile 80 Personen fahren», sagt der Gemeindepräsident. Krönendes Juwel der Dorfentwicklung sei ein Dorf- und Begegnungszentrum, das Mitte 2017 eröffnet wird. Darin befindet sich ein neuer Dorfladen, eine Kindertagesstätte und ein Dorfstübli, das als kommunaler Treffpunkt dienen soll. Die Mittel dafür stammen aus dem Baselbieter Finanzausgleich, an dessen Tropf Blauen hängt. «Ist das Zentrum realisiert, geht unsere Imagekampagne in die letzte Etappe», erklärt Kommunikationsprofi Wissler. Er werde seine Kontakte in die Branche nutzen, um bei Basler Pharmafirmen Blauen als attraktive Wohngemeinde vorzustellen.

Die Anstrengungen der letzten Jahre zeitigen erste Erfolge. «Wir haben in Blauen jährlich drei bis vier Neubauten», so der Gemeindepräsident. Von einem massenhaften Zuzug ist die Ortschaft aber noch weit entfernt. Ganz sicher würde sie einen weiteren Attraktivitätsschub erhalten, sollte Dieter Wissler im Spätsommer aus Ungarn mit einem Hahn zurückkehren.