Was für eine Wende: Nach Monaten der Verhandlungen hat der Baselbieter Bildungsrat gestern entschieden, die umstrittene erste Fassung der neuen Stundentafel Sekundarschule, die kommenden Sommer in Kraft treten soll, abzuändern und den Grossteil der Kritikpunkte zu berücksichtigen (siehe Kasten). Das führt dazu, dass sowohl die hängige Motion als auch die Volksinitiative zurückgezogen werden. Nun ist der Weg frei, die Stundentafel schrittweise beginnend mit den ersten Sekundarklassen auf das Schuljahr 2018/19 hin einzuführen.

Noch im Frühling hatte das 13-köpfige Gremium, das in Eigenkompetenz über die Stundentafel befinden kann, sämtliche von Parteien oder Verbänden in der Vernehmlassung vorgebrachten Änderungswünsche ignoriert. Dies sorgte nicht nur in der Politik für Unverständnis, sondern auch bei Schul- und Lehrerverbänden. Eine Motion wurde bereits vorsorglich im April eingereicht, im August folgte eine Volksinitiative der Starken Schule beider Basel (die bz berichtete).

Gschwind als Vermittlerin

«Lange habe ich gedacht, dass es nie zum Durchbruch kommen kann», sagt CVP-Landrat und Schulleiter Pascal Ryf, der die Motion mit der Unterstützung von SVP, FDP und Grünen-Unabhängigen eingereicht hatte. Diese fordert, dass Promotionsfächer, sofern sie in einem Schuljahr angeboten werden, mindestens zwei Lektionen pro Woche umfassen. Ziel ist eine Stärkung von Fächern wie Biologie, Chemie, Physik, aber auch Geschichte und Geografie.

Insgesamt benötigte es von Sommer bis Herbst drei intensive Krisensitzungen des Bildungsrats mit Vertretern der Motion und der Initiative sowie der Bildungsdirektion von Regierungs- und von Amtes wegen Bildungsrätin Monica Gschwind. «An der ersten Sitzung machte der Bildungsrat noch gar nicht den Eindruck, Kompromisse einzugehen», sagt Ryf. Er nimmt an, dass sich das Gremium vor den Kopf gestossen gefühlt habe, weil von Aussen in seinen Kompetenzbereich eingegriffen wurde. Doch mit der Zeit sei es zu einem Umdenken gekommen. Nicht nur für Ryf ist klar: «Ohne den Druck der Motion und der Initiative hätte der Bildungsrat nichts geändert.» Dieser Meinung ist auch Gschwind, wie sie gegenüber der bz sagt. Von einem Einknicken des Bildungsrates möchte sie aber nicht sprechen: «Schlussendlich ging es um das Wohl der Schule, nicht um Machtkämpfe zwischen Land- und Bildungsrat.»

Bildungsrat redet Resultat klein

Die Bildungsdirektorin wünscht sich für die Zukunft, dass Land- und Bildungsrat wieder näher zusammenrücken – und sieht sich dabei selbst als Vermittlerin. Eine Rolle, die ihr GU-Landrat und Starke-Schule-Vertreter Jürg Wiedemann hoch anrechnet: «Ich schreibe den Kompromiss auch ihr zu», sagt er. Gschwind habe alles darangesetzt, eine Planungsunsicherheit für die Schulen zu verhindern. Dies weil je nach Ausgang einer Volksabstimmung die vom Bildungsrat beschlossene Stundentafel bereits nach einem Jahr wieder hätte ersetzt werden müssen. Das nennt auch Bildungsrats-Vizepräsident Rolf Knechtli als wichtigsten Antrieb für den Meinungsumschwung. «Motion und Initiative standen nicht im Zentrum unserer Diskussionen», versucht er, deren Bedeutung zu relativieren. Überhaupt möchte er den Eindruck vermeiden, dass der Bildungsrat eingeknickt ist: «Unsere Entscheidungskompetenz war nicht infrage gestellt. Es handelt sich nur um punktuelle Anpassungen.» Grosse Gewinner sind die Fächer Biologie und Geschichte, die deutlich aufgestockt wurden.

Ein Wermutstropfen ist der Verzicht auf Geografie in der zweiten Sek. Doch Wiedemann sagt: «Irgendwo mussten Abstriche gemacht werden und Geschichte ist wichtiger als Geografie, da der Unterricht aufeinander aufbaut. Und das sage ich als Geo-Lehrer.»