Tausende von jungen Flüchtlingen kommen Jahr für Jahr in die Schweiz. Unter ihnen hat es gescheite Köpfe, die der Arbeitsmarkt rasch aufsaugen würde – doch die meisten haben das Pech, dass sie nicht einmal an ein Praktikum heran kommen. Selbst dann nicht, wenn sie einen Betrieb gefunden hätten, der sie sofort als Lehrling einstellen würde.

So ist es Allahboban Hadjatmerza ergangen. «Abdullah», wie er genannt wird, absolvierte eine Schnupperwoche bei der Altermo AG in Liestal. Die Firma ist auf Elektroplanung und -installationen spezialisiert. Hadjatmerza würde sich gerne zum Elektroinstallateur ausbilden lassen, eine vierjährige Lehre, und der 26-Jährige wäre auch der Wunschkandidat der Altermo AG. Der Afghane hat in seinem Heimatland und im Iran als Elektriker gearbeitet.

Menschlich ist man beim KMU ebenfalls begeistert vom Asylsuchenden, der im Juni 2015 in die Schweiz kam. Geschäftsführer Marcel Portmann schwärmt: «Während der Schnupperwoche hat sich Hadjatmerza bewährt. Er kann sich gut auf Deutsch verständigen und macht Fortschritte. Aus unserer Sicht gibt es keinen Grund, der gegen ihn spricht. Er passt bestens ins Team.»

De facto ein Arbeitsverbot

Aber der Altermo AG ist es nicht möglich, ihrem Wunschlehrling ein Angebot zu machen, denn Hadjatmerza kann kein Praktikum absolvieren – dieses jedoch wäre die Voraussetzung für den Lehrvertrag. Der Afghane besitzt die Aufenthaltsbewilligung N. Das bedeutet, dass sein Asylantrag noch in Bearbeitung ist. Laut Staatssekretariat für Migration (SEM) dürften Inhaber der N-Bewilligung nach drei Monaten seit der Ankunft in der Schweiz «unter bestimmten Umständen» eine unselbstständige Erwerbstätigkeit ausüben.

In der Praxis sieht es hingegen für die Inhaber von N-Ausweisen nicht gut aus, denn für sie gilt faktisch ein Arbeitsverbot. Ein potenzieller Arbeitgeber müsste bei einem Praktikum, bei dem der Monatslohn 400 Franken übersteigt, nämlich nachweisen, dass er in der Schweiz niemand anderen finden konnte, der für die zu besetzende Stelle geeignet wäre. Es gilt der Inländer-Vorrang.

Die Altermo AG liess Vorabklärungen mit dem Baselbieter Amt für Industrie, Gewerbe und Arbeit (Kiga) treffen. Hätte die Firma das Praktikum Hadjatmerza vergeben wollen, dann hätte das für sie bedeutet: landesweite Ausschreibung des Praktikumsplatzes, plus der Nachweis, dass man nicht fündig geworden ist. Auch für die Lehrstelle bestehen grössere administrative Hürden beim N-Ausweis. «Man stelle sich das einmal vor», sagt Marcel Portmann. «Der Aufwand wäre viel zu gross, gerade für uns als kleines Unternehmen.»

Das Kiga bestätigt den Sachverhalt. Grundsätzlich sei es möglich, mit einem N-Ausweis einer unselbstständigen Erwerbsarbeit nachzugehen. Doch es würde der Inländervorrang gelten, das schliesse auch das von Altermo angebotene Praktikum mit ein. Zudem müsse sich der Bewerber für eine Lehrstelle im ordentlichen Asylverfahren befinden, ebenso seien genügend gute Deutschkenntnisse eine wichtige Voraussetzung. Jeder Fall werde individuell angeschaut und behandelt.

Lehrstelle bleibt wohl unbesetzt

Astrid Geistert kritisiert die Einschränkungen für arbeitswillige Flüchtlinge wie Hadjatmerza. Sie ist Stellenleiterin des Ökumenischen Seelsorgediensts für Asylsuchende in Basel. Beispiele wie Hadjatmerza gebe es viele, sagt Geistert. «Er lebt jetzt seit über zwei Jahren in der Schweiz. Er wohnt in einer fensterlosen Asylunterkunft und erhält 200 Franken Nothilfe pro Monat. Seine Motivation zu arbeiten ist jetzt noch sehr hoch.»

Könnte er das Praktikum und die Lehre absolvieren, wäre das laut Geistert eine Win-win-win-Situation: «Alle drei würden profitieren, nicht nur er und die Altermo AG, die einen fleissigen Lehrling hätte, sondern auch der Staat und die Zivilgesellschaft, da ein Flüchtling sein eigenes Geld verdienen würde.» Die Philosophie hinter dem Inländervorrang könne sie nachvollziehen, sagt Geistert. Gerade beim Beruf, den Hadjatmerza anstrebe, herrsche jedoch Fachkräftemangel.

Tatsächlich rangiert die Lehre zum Elektroinstallateur und zur Elektroinstallateurin im Baselbiet weit oben in der Liste der Lehrstellen, die nicht besetzt werden können. Laut den Angaben des kantonalen Amts für Berufsbildung und Berufsberatung (AFB) wurden in diesem Jahr 17 Elektro-Installateur-Lehrstellen als offen gemeldet. Wie viele Inhaber eines N-Ausweises eine Lehre absolvieren würden, das wird laut AFB nicht registriert. Die Zahl dürfte jedoch tief sein. In Basel-Stadt gibt es zwei Lehrlinge mit N-Bewilligung.

Hadjatmerza sagt, er würde sehr gerne sein eigenes Geld verdienen. «Zuerst wollte ich als Koch arbeiten, aber es ging nicht. Jetzt will ich eine Lehre machen, aber es geht wieder nicht. Ich will aber nicht den ganzen Tag zu Hause bleiben. Wie soll ich besser Deutsch lernen, wenn im Asylheim viele Landsleute sind?»

Kein Glück hat der 26-jährige Afghane derzeit auch bei seinem Verfahren. Er hat einen negativen Asylentscheid erhalten. Seine Beschwerde ist jedoch beim Bundesverwaltungsgericht hängig.