Wer in Birsfelden wohnt, kann sich für etwas italienisches Lebensgefühl auf die Wiese beim Birsköpfli legen und sich an der Adria wähnen. Oder wenn es schnell gehen muss, eine köstliche Pizza beim Italiener um die Ecke geniessen. Noch authentischer ist es aber auf der Sportanlage der Roche beim Sternenfeld.

Dem Kugelspiel wird gefrönt

Dort tummeln sich rüstige Rentner und um nur wenige Jahre jüngere Spieler auf den vier überdachten Boccia-Bahnen. Sie machen Spässe und frönen dem Kugelspiel. Wer ein paar Brocken Italienisch spricht, eine Juve-Trainerjacke im Schrank hat und etwas Ballgefühl besitzt, kann sich unbesorgt unter die Gruppe mischen.

Nebst anderen Klubs trainiert hier der BC Birsfelden, der in diesem Jahr sein 60-Jahr-Jubiläum feiert und aus diesem Anlass ein Turnier veranstaltet. «Die Kameradschaft ist das Wichtigste», erklärt Paul Meier, nachdem alle Partien beendet sind.

Wie auf einer italienischen Piazza

Nun startet quasi die zweite Halbzeit. Salami, Käse, Brot, Wein: ein jeder scheint etwas mitgebracht zu haben. Während sich ein paar mit dem Herrichten beschäftigen, sind andere bereits in ein italienisches Kartenspiel vertieft. Ich fühle mich wie im Schatten eines alten Baumes auf einer italienischen Piazza.

Der Nachwuchs fehlt

Trotz der Gemütlichkeit plagen die Boccia-Spieler der Region Sorgen. Im Gegensatz zu anderen Klubs fehlt es an Nachwuchs und die Plätze in der Region werden immer weniger. Ideal wäre eine Boccia-Halle.

Währenddessen in Birsfelden wegen der Kälte drei Monate pausiert werden muss, kann in der geheizten Anlage von Möhlin das ganze Jahr hindurch trainiert werden. Ermes Mattanza vom Regionalverband Basel sagt, dass mit einer verbesserten Infrastruktur auch der Nachwuchs wieder kommen würde. In Zürich sei mittlerweile eine Top-Anlage vorhanden und ein Zürcher Spieler, gerade mal 21-jährig, wurde Vize-Weltmeister.

Auch mit 40 Jahren kann man noch anfangen

So jung muss der Nachwuchs nicht unbedingt sein, wenn es nach dem BC Birsfelden geht. Der technische Leiter, Peter Schmidlin, erzählt, wie er selbst mit Freunden, die zusammen bei den Veteranen von Birsfelden Fussball gespielt haben, einem Inserat gefolgt sei.

«Wir waren alle Fussball-Wracks, da war Boccia eine tolle Alternative.» Das war vor zwölf Jahren. Sechs der Ex-Fussballer sind noch immer dabei. Es ist also auch möglich, erst im Alter von 40 Jahren mit dem Spiel zu beginnen. «Wenn man etwas Ballgefühl mitbringt, kann man schnell mitspielen. Die Regeln kann man dann in einem zweiten Schritt lernen», sagt Schmidlin.

Italienisch ist keine Voraussetzung

Basel galt einmal als Boccia-Hochburg. Von ursprünglich 15 Vereinen existieren heute noch fünf. Grösster Nachteil im Vergleich mit Boule oder ähnlichen Sportarten: Boccia braucht zum Spielen eine Bahn. Eine gute Infrastruktur braucht nicht nur Platz, sondern auch Geld. Geld, das gut investiert wäre, wenn man sieht, wie viele ältere Semester hier einen Platz haben, um sich zu bewegen und gesellig zu sein.

Und Italienisch sei auch nicht unbedingt nötig, um den Anschluss zu finden, sagt Schmidlin. «Die meisten sind hier aufgewachsen und sprechen deutsch. Bestenfalls kommen sie aus dem Tessin.» Dem italienischen Lebensgefühl inmitten von Birsfelden tut dies keinen Abbruch.