«Wieso ich Filme mache?», wiederholt Morris Samuel die Frage und verfällt für einige Sekunden in ein nachdenkliches Schweigen. «Um die Leute zu erreichen», erklärt er dann mit einem verlegenen Lächeln im Gesicht. Es ist ein Lächeln, das ihm oft über das Gesicht huscht, wenn er von seiner Karriere spricht. Die bewegt sich gerade in eine einzige Richtung: aufwärts. Letzten Sonntag hat Morris Samuel den Schweizer Jugendfilmpreis gewonnen, als Jüngster in seiner Kategorie. Ein Erfolg, mit dem er nie gerechnet hätte: «Zuerst hiess es nur, ich sei unter den Preisträgern. Das hat mich schon umgehauen. Als dann bekannt wurde, dass der erste Preis an mich gehen würde, konnte ich das kaum fassen.»

Dabei ist das nicht sein erster Erfolg. Vor zwei Jahren gewann er bereits den Basler Filmpreis, wobei er ebenfalls jünger war als sämtliche Konkurrenten. Zudem wurden seine Filme bereits an den Solothurner Filmtagen gezeigt. Trotz allem Erfolg scheint Samuel aber bescheiden: «Das ist doch nichts Besonderes. Ich mache einfach das, was mir Spass macht.» Und da ist es wieder, das verlegene Lächeln. Es ist diese ehrliche Bescheidenheit, die den jungen Künstler so sympathisch macht.

Nicht Fasnacht, sondern Samuel

Zum Film gekommen ist Morris Samuel, der mit richtigem Namen Morris Fasnacht heisst, durch seinen Vater. Der ist ebenfalls erfolgreicher Regisseur und betreibt eine eigene Produktionsfirma. Der Sohn betont jedoch, dass er als Regisseur eigenständig arbeitet und nicht etwa vom Papa unterstützt wird. Um nicht mit dem bekannten Vater in Verbindung gebracht zu werden, verwendet er daher als Künstlernamen seinen zweiten Vornamen Samuel.

Erste Erfahrungen als Filmemacher sammelte Samuel beim Dreh von kurzen Videoclips. Inhaltlich ging es dabei meist ums Skaten. «Ich bin selbst ein begeisterter Skater», meint Samuel. Sein erstes grösseres Projekt verwirklichte er im Rahmen einer selbstständigen Arbeit am Gymnasium Münchenstein. «14» heisst der Kurzfilm, der daraus entstanden ist. Wieder geht es um einen jungen Skater. Der Film wurde zum ersten grossen Erfolg für das Nachwuchstalent. Mit ihm gewann Samuel unter anderem den Basler Filmpreis. Von da an war für Samuel klar: «Ich will Filme machen.»

«Ich werde alles geben»

«Schritt für Schritt» heisst der Kurzfilm, mit dem Samuel am vergangenen Sonntag schliesslich die Jury des Schweizer Jugendfilmpreises überzeugt hat. Es handelt sich dabei um eine Dokumentation über eine alleinerziehende Mutter, deren Sohn nach einem Unfall an den Rollstuhl gebunden ist. Basierend auf einer wahren Geschichte hat Samuel einen mitfühlenden Film gedreht, der vor allem durch die Ausdruckskraft seiner Bilder überzeugt. Der Preis bedeute ihm sehr viel, sagt der Jungregisseur und liefert aber sogleich nach: «Die grösste Bestätigung erhalte ich jedoch durch die Reaktionen der Leute, die sich meine Filme ansehen. Es macht mich glücklich, wenn ich mit meiner Kunst die Leute berühren kann.»

Und wie sieht die Zukunft des 20-Jährigen aus, der nach bestandener Matur gegenwärtig Zivildienst leistet? «Ich werde mich im Ausland an einer Filmhochschule bewerben. Es ist enorm schwierig, an so einer Schule aufgenommen zu werden, aber ich werde alles geben. Filmen ist schliesslich meine Leidenschaft.»