Wer schon mal ein Möbelstück zusammengesetzt hat, weiss, wie schwer es sein kann, dass alle Schrauben genau auf alle Löcher passen. Man stelle sich nun vor, das eine Stück des Möbels ist 24 Meter lang, misst 1,60 Meter auf 1,60 Meter, wiegt über sechs Tonnen und muss genau zwischen zwei Stützen eingepasst werden, die mit je 20 Löchern für Schrauben versehen sind. Dann kann man sich auch ungefähr vorstellen, was in der Nacht von vergangenem Donnerstag auf Freitag auf der A18 bei Münchenstein los war, als dort ein riesiges Signalisations- und Leitungsportal über alle vier Spuren eingebaut wurde.

Bereits braust der Verkehr unter dem Kabelportal durch.

Bereits braust der Verkehr unter dem Kabelportal durch.

Kein Wunder war der Renner unter den anwesenden Arbeitern und Baufachmännern, während der Träger langsam zwischen den Stützen eingepasst wurde, der Witz: «Er passt nicht.» Das blieb zum Glück ein Scherz. So thront das Portal seit kurz nach 23 Uhr in der Nacht von vergangenem Donnerstag auf Freitag über der A18. Dessen Einbau war der grosse Höhepunkt zum Schluss der Arbeiten am Abschnitt Muttenz Süd bis Reinach Süd, die vor etwas mehr als einem Jahr begonnen haben und Ende Juli beendet sein sollen. Dann fehlt nur noch das kleine Stück bis Aesch, an dem anschliessend Sanierungsarbeiten durchgeführt werden. Im Oktober sollen die Bauarbeiten und damit auch Umleitungen und Stau Geschichte sein.

Vom Belag zum Entwässern

Eigentlich hätte bei den Arbeiten an der A18 nur der Belag erneuert werden sollen. «Daran wurde seit dem Bau der Strasse vor über 35 Jahren kaum etwas gemacht», erzählt Urs Hess vom Baselbieter Tiefbauamt. Man wollte zuwarten, bis der Bund die Strasse vom Kanton übernimmt. Als klar wurde, dass sich dies verzögern wird, war klar: Länger kann man mit der Sanierung des Belags, der normalerweise nach 25 Jahren ausgetauscht wird, nicht mehr warten. Zudem wollte man die Sanierung auch fertiggestellt haben, bevor der Bund mit den Arbeiten an der A18 beim Schänzli beginnt. «Damit der Verkehr nicht doppelt behindert wird.»

Baustelle A18 – eine Brücke wird gebaut.

Baustelle A18 – eine Brücke wird gebaut.

Diesem Motto ist auch geschuldet, dass es auf der A18 nicht bloss bei Belagsarbeiten blieb. «Wenn wir sowieso schon so grosse Arbeiten durchführen müssen, die den Verkehr behindern, schauen wir das umfassend an», so Hess. Das heisst, dass man den Strassenabschnitt gleich auch in anderen Belangen auf den neusten Stand bringt. So wurde er nun gleich noch an die neuen Lärmschutzbestimmungen angepasst, die 2018 umgesetzt sein müssen, die Leitplanke wurde gegen eine höhere Mittel-Leitmauer ausgetauscht und auch ein neues Entwässerungssystem wurde ausgeklügelt.

«Bisher wurde die A18 über einen Ölabscheider in die Birs entwässert», erklärt Wolf-Henrik von Loeben vom kantonalen Tiefbauamt. «Künftig muss das Wasser aber behandelt werden.» Dafür hat der Kanton eine günstige Lösung gefunden: Der Bund baut im Zusammenhang mit seinem Schänzli-Projekt eine Strassenabwasserbehandlungsanlage. Sobald diese steht, darf der Kanton das A18-Abwasser auch in diese Anlage leiten. Bis dahin fliesst das Wasser noch durch die bisherigen Entwässerungsrohre, die im Zuge der Bauarbeiten ebenfalls saniert werden, auf der leichtabfallenden Strasse Richtung Aesch. Ist die Anlage fertiggestellt, wird es mithilfe von Pumpen Richtung Schänzli befördert.

Verzögerung wegen Unfall

Neu ist auch, dass das Abwasser die Strasse in der Luft queren wird, nämlich über das Donnerstagnacht eingebaute Signalisations- und Kabelportal. Dort, wo die Baselstrasse in Münchenstein über die A18 führt und auch die BLT sowie die SBB jeweils eine Brücke haben, befinde sich eine «massive Barriere für Leitungen», erläutert von Loeb. Deshalb habe man sich entschieden, die Autobahn vor der Brücke mithilfe des Stahlportals zu queren – eine unkonventionelle Lösung, wie Hess verrät.

Der Einbau des Portals hat sich am Donnerstag ziemlich verzögert. Wegen des schweren Unfalls auf der A2 bei Muttenz (bz von Samstag) durften die Arbeiter die Strasse nicht so früh sperren, wie geplant. Statt um 20.20 Uhr begann das Spektakel deshalb über eine Stunde später. Dieses startete langsam: Erst einmal musste sich der Kranwagen in Position bringen und abstützen, damit er beim Heben der Last nicht kippt. Dann ging alles ziemlich schnell: Der Stahlträger wurde angehoben, gedreht und eingepasst. Nach rund einer halben Stunde war der Träger richtig positioniert und konnte festgeschraubt werden – Feinstarbeit im Dunkeln mit Kran und Stahlträger. Da musste zwar einmal ein bisschen geruckelt und Teile des Trägers zueinander gezogen werden, aber am Schluss passte alles aufeinander, sodass am Freitagmorgen bereits die ersten Autos unter dem Kabelportal durchfahren konnten.