Die «Heuschürli» sind in der modernen Landwirtschaft ein Auslaufmodell. Ihre Geschichte erinnert frappant an jene der Hochstammbäume: Einst waren sie Eckpfeiler einer kleinräumigen Landwirtschaft, prägten das Landschaftsbild und waren mit ihren Nischen Rückzugsrefugien für viele Kleinlebewesen. Heute werden sie kaum noch genutzt und zerfallen. Um effizienter zu retten, was noch zu retten ist, gründeten vor acht Jahren zwei Zimmerleute, ein Steinbildhauer und ein Umweltingenieur den Verein Feldscheunen.

Einer der beiden Zimmerleute ist Markus Zentner (40) aus Gelterkinden, der den Verein seither präsidiert. Er sagt: «Wir waren schon damals in die Thematik eingearbeitet und erhielten immer wieder Anfragen von Eigentümern zur Sanierung ihrer Feldscheunen. Dabei merkten wir, dass wir uns besser organisieren müssen.» Heute sei der Verein eine Scharnierstelle zwischen Geldgebern und Eigentümern.

Eine Baselbieter Spezialität

Offensichtlich überzeugt die Arbeit des Vereins. So kann er morgen den diesjährigen Preis des Baselbieter Heimatschutzes entgegen nehmen. Dies an seiner letzten Wirkungsstätte, dem sanierten Weidstall Niederbölchen ob Eptingen. Natürlich freut sich Zentner über diese Auszeichnung, weiss aber, dass noch viel Arbeit auf seinen Verein wartet: «Wir haben eine rote Liste mit den elf besonders wertvollen, sanierungsbedürftigen Feldscheunen erstellt. Das Schicksal etlicher hängt an einem seidenen Faden.» Als nächste würden Scheunen in Zeglingen und Läufelfingen in Stand gestellt.

Die Sanierung einer solchen Scheune kostet um die 50 000 Franken. Der Verein Feldscheunen berät dabei die Eigentümer, arbeitet Finanzierungsgesuche aus und leistet – «mit angepassten Tarifen» – Projektarbeit bei der Restaurierung. Zudem würden die Vereinsmitglieder an ehrenamtlichen Arbeitstagen notfallmässige Stützmassnahmen durchführen, ergänzt Zentner. Finanziell machbar ist das Ganze auch dank dem Einsatz von Zivildienstleistenden. Das sind in der Regel Handwerker oder angehende Architekten, die von den Fachleuten des Vereins angeleitet werden und somit beruflich profitieren. Geldgeber sind der Fonds Landschaft Schweiz, Pro Patria und Swisslos-Fonds; mindestens ein Drittel der Kosten müssen die Eigentümer tragen.

Zentner verweist auf die historische Bedeutung der Feldscheunen gerade im Baselbiet. Die meisten entstanden im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert, also vor der Kantonstrennung. Basel habe die damalige landwirtschaftliche Bewirtschaftung mit «Heuschürlis» und Weideställen weitab der Dörfer gefördert. In den umliegenden Kantonen gebe es hingegen kaum Feldscheunen.

Doch mit der Aussiedlung von Höfen und der Motorisierung der Landwirtschaft ab den 1950er-Jahren verloren die Scheunen zunehmend an Bedeutung. Sein Verein saniere in der Regel nur Scheunen, die danach auch genutzt würden, sagt Zentner. Zu den Ausnahmen gehören solche mit einer besonderen historischen Bedeutung; wie jener hölzerne Oldtimer in Arboldswil aus dem Jahr 1624. Das Baselbieter Feldscheunen-Inventar aus den 1990er-Jahren weist 270 Feldscheunen auf. Drei Dutzend seien seither verschwunden oder akut gefährdet, so Zentner.

Und welche ist sein persönlicher Favorit? «Das wechselt. Im Moment ist es der Weidstall Rosenmatt in Titterten, der perfekt in die Landschaft mit ihren Obstbäumen eingebettet ist.» Er ist einsturzgefährdet und steht auf der Roten Liste des Vereins. Wegen des Zustands und des Volumens würde eine Sanierung über 100 000 Franken kosten. Das liege im Moment nicht drin, bedauert Zentner.