Was ist der Superlativ von Recycling? Diese Frage hätte am Ausgangspunkt des ausgeschilderten Markt-Rundgangs am geachteten Oltiger Määrt auf einer grossen Tafel prangen können, geschnitzt in ein handgesägtes Brett aus heimischer Kernbuche, wie es typisch wäre für Oltingen. Gefolgt vom Auftrag: Finden Sie fünf Beispiele.

Um es vorwegzunehmen: Es gab weder besagte Frage noch etwas zu gewinnen, eine Antwort aber allemal. Diese gaben zahllose Marktstände am Oltiger Määrt. Der verwandelt das beschauliche Oltingen für jeweils ein Frühlingswochenende zum Hotspot der Region für Selbstgemachtes, Eingekochtes, natürlich Produziertes. Die vergangenen zwei Tage war es wieder soweit. Oltingen wurde von einer Blechlawine überrollt, der eine Lawine aus Regenschirmen entstieg. Denn es war ein kühles, ein verregnetes Wochenende, nicht nur im Oberbaselbiet.

Schmuck aus Veloschläuchen

Oltiger Määrt, das heisst: Familien öffnen ihre Stuben, Scheunen und Garagen, das ganze Dorf ist auf irgendeine Art am Gelingen beteiligt, etwa beim traditionellen Büchsenwerfen bei der Familie Lüthy. Die Aussteller kommen ausnahmslos aus Oltingen oder der näheren Umgebung, und handwerkliche Vorstellungen gehören genauso dazu wie Mehl aus Maisprach, Wurstiges vom Dietisberg und geprägte Drucke aus Tecknau.

Verliehe man jedem Markt eine Farbe, jener in Oltingen wäre – trotz der grellgelben Plakate und Flyer – wohl grüner als alle. Nicht zuletzt darum ist er für Basler und Solothurner, Aargauer und sogar Berner alljährlich im Terminkalender vorgemerkt. Der Oltiger Määrt ist ein spezieller Markt, mit spezieller Atmosphäre, speziellem Groove.

Zurück zur eingangs gestellten Frage. Der Superlativ von Recycling heisst Upcycling, also nicht die Wiederverwertung benutzter Dinge wie PET-Flaschen und Zeitungspapier, sondern deren Aufwertung. Genau das macht zum Beispiel Pia Maier aus Böckten. Weil hoch zu Velo gelegentlich ein Schlauch das Zeitliche segnet und sie gerne bastelt, macht Pia Maier heute aus Fahrradschläuchen Schmuck.

Upcycling betreiben auch andere. Hier werden aus schnöden Mausefallen bunte Einkaufszettelhalter, dort aus ausgemusterten PET-Flaschen Mini-Gewächshäuser. Aus zersägten Paletten entstehen Möbel, aus Herrenhosen Damenkleider. Und auch wenn die Marktkundschaft nicht für all diese Innovationen reif ist, so ist das Upcyling ein grassierender Trend, der zum Oltiger Määrt passt wie der Deckel auf den Topf.

Nicht nur für die Heerscharen von Besuchern ist dieser Oltiger Määrt mit seiner familiären Stimmung, seiner Natürlichkeit und seiner rigoros beschaulichen Ausrichtung ein Highlight. Auch die Aussteller geniessen das Wochenende. Pia Maier, die Fahrradschlauchkünstlerin, ist gern hier: «Der Markt ist einfach herzig, es herrscht eine ganz spezielle Stimmung – und die Leute kommen trotz Regen.»

Feuer und Stahl in der Schmitte

Und zwar in grosser Zahl. Und sie kaufen, lassen sich Pizza, Gulasch und Paella munden und decken sich ein. Mit Bauernbrot und Dekorativem für den Garten, mit Wein und Kinderkleidchen und zahllosen Eindrücken. Von der alten Schmitte, wo Feuer und Stahl aufeinandertreffen; von der Mühle, wo aus Wolle Gewebtes entsteht, während ein paar Meter weiter ein Ross beschlagen wird. Von Begegnungen und dieser ganz speziellen Atmosphäre an diesem ganz speziellen Markt.