Wie stark soll Therwil noch wachsen? Um einen, zwei, drei Meter? Raumplaner Roger Michelon muss sich für öffentliche Diskussionen zur weiteren Entwicklung eines Dorfes ansprechende Methoden überlegen, um die abstrakten Daten in konkrete Bilder zu übersetzen. Ein Meter, das entspricht in diesem Fall 1000 Einwohnern auf dem «Entwicklungsmeter», einer langen Papierwand, auf der die Mitwirkenden mit farbigen Punkten markieren, wieviel neue Mitbewohner sie sich in den kommenden 15 Jahren wünschen.

«Meine Aufgabe ist es, komplexe Zusammenhänge einfach darzustellen», sagt Michelon. Seit über 20 Jahren ist der Geschäftsführer der Planteam S AG in Baselbieter Gemeinden als externer Raumplaner unterwegs. Sein Betrieb mit Sitz in Luzern hat seit 2002 eine Filiale in Gelterkinden. Den «Entwicklungsmeter» entwarf er tatsächlich speziell für den Gemeinderat Therwil, der jüngst die Einwohner unter dem Motto «Unser Raum – Entwicklung im Dialog» zur Diskussion über den zukünftigen kommunalen Richtplan einlud. «Mit der räumlichen Komponente können sich die Leute die Zunahme der Einwohner bildlich vorstellen», erklärt Michelon. Dabei sei es keineswegs so, dass die Mitwirkenden solcher Veranstaltungen völlig ahnungslos seien, was die Fachsprache aus Planung und Verwaltung angeht: «Wer zu solchen Veranstaltungen geht, interessiert sich normalerweise schon länger für diese Themen.»

Einwohner glauben nicht mehr alles

«Diese Themen» betreffen die zukünftige Grösse des Siedlungsgebiets, die Entwicklung nach innen, die Funktion des Dorfzentrums, die Verteilung von Arbeiten und Gewerbe, Grün- und Freiräume sowie die Mobilität. Auf diese sechs Aspekte konzentrierte Michelon die Diskussion. Für jeden Aspekt gab es zwei bis drei Stossrichtungen, wie sich Therwil bis 2030 entwickeln könnte. Diese Alternativen wurden in einer «Entwicklungs-Box» ebenfalls an einer Pinnwand ausgestellt. Michelon wollte damit den Blick auf die Komplexität der Planung richten: «Die Frage ist nicht einfach nur: Wollen wir Hochhäuser oder nicht? Man muss in diese Überlegungen natürlich auch die Konsequenzen wie zum Beispiel die Verkehrszunahme einbeziehen.»

In Therwil diskutierten die 120 Teilnehmer in Gruppen zu frei gewählten Aspekten. Konsens sei dabei nicht das Ziel gewesen, erklärt Michelon. Vielmehr gehe es darum, die Vor- und Nachteile der Entwicklungsmöglichkeiten auszuarbeiten. Um die Ergebnisse dieser Diskussionen wieder plastisch sichtbar zu machen, klebten die Teilnehmer auch in der «Entwicklungsbox« farbige Punkte jeweils auf ihre bevorzugte Stossrichtung eines jeden Aspekts.

Der Zonenplan sei die Pflicht, der Richtplan die Kür, erklärt Michelon. Während ersterer eine starre, juristische verbindliche Form habe, sei letzterer zwar für die Behörden politisch und moralisch verbindlich, schränke die privaten Grundstückseigentümer aber noch nicht ein. «Ein gutes Mittel für eine politische Beteiligung», findet Michelon. Nicht nur für die Einwohner einer Gemeinde, sondern eben auch für die Behörden. Mancher Gemeinderat habe bei dieser Art der «Volksbefragung» erkennen müssen, dass er völlig an den Wünschen der Gemeinde vorbeiplane. In der Innerschweiz sei das oft der Wunsch nach Wachstum, den die Einwohner nicht mehr teilen.

In Aesch habe der Gemeinderat auf diese Art erfahren, dass sein gewünschtes Einkaufszentrum im Kägen auf grossen Widerstand stossen würde. «Die Zeiten, als die Gemeinde dem Gemeinderat einfach alles glaubte, sind vorbei», stellt Michelon fest. Und er merkt an: In Therwil sei der Gemeinderat mit seinen Vorstellungen sehr nahe an der Mehrheitsmeinung in der Bevölkerung.