Es ist eine schwierige Situation, vor der man als Autofahrer am Stoppsignal an der Eichgasse in Biel-Benken steht. Von Westen kommen andere Verkehrsteilnehmer auf einer Strecke, die leicht abschüssig ist, meist in hohem Tempo. Die Sicht ist durch Hecken und die Biegung der Kurve eingeschränkt. In diese Richtung abzubiegen ist kein Problem, denn die Sicht auf die Therwilerstrasse ist ostwärts gut.

Will man jedoch links Richtung Therwil fahren, muss man Gas geben. Vielleicht etwas mehr als die dort erlaubten 50 Stundenkilometer. So jedenfalls sieht es ein Leser, der sich in einer Mail an die bz gewendet hat. An besagter Kreuzung hat er – um das Unfallrisiko zu verringern – Gas gegeben. Und wurde kurz nach der Kreuzung auf der Therwilerstrasse geblitzt.

Ritter der Landstrasse

Er sei ein «pflichtbewusster Schweizer», halte sich an Geschwindigkeitsvorgaben und erhalte trotz seiner hohen Fahrtätigkeit selten Bussen, schreibt der Leser. «Ich bin auch durchaus der Meinung, dass Kontrollen Sinn machen, sofern sie denn zur Verkehrssicherheit beitragen», findet er. Doch es gebe gewisse Radarfallen, die nur einem Zweck dienten, «nämlich den Autofahrer abzuzocken.» Eine solche sei auch diejenige auf der Therwilerstrasse in Biel-Benken.

Es sei logisch, dass der Tacho bei den Verhältnissen kurzfristig auf 60 km/h steige, sich danach aber einpendle. Dass es sich bei der Radaranlage um ein Lasermessgerät handelt, ärgert ihn zusätzlich. So senkt sich die Sicherheitsmarge um zwei km/h, und der Leser musste wegen einem km/h zu viel eine Busse von 40 Franken bezahlen. «Das tut man normalerweise mit einem Achselzucken ab und verbucht es unter ‹dumm gelaufen›», meint er.

Als dann seine Frau geblitzt wurde und das Total der beiden auf 160 Franken stieg, hatte er genug. «Unser Budget wurde insgesamt mit 160 Franken belastet, weil wir eine mögliche Kollision auf der Therwilerstrasse vermeiden wollten», ärgert sich der Leser. Dafür müssten er und seine Frau eigentlich zu «Rittern der Landstrasse» gekürt werden, findet er.

«Hätte ich einen Wunsch...»

Auch FDP-Landrat und ACS-Präsident Andreas Dürr aus Biel-Benken ärgert sich über die Radarfalle. Hätte er einen Wunsch beim Polizeikommandanten frei, wäre es die Entfernung des Blitzers. Wäre er selber Polizeikommandant, wäre seine erste Amtshandlung, den Blitzer zu entsorgen. «Er macht mich wirklich wütend», sagt Dürr.

Und nennt gleich mehrere Gründe: Einerseits sei die Therwilerstrasse eine stark befahrene Strecke – besonders ab Juni 2018 war sie stark ausgelastet gewesen, als die Hauptstrasse aufgrund von Sanierungsarbeiten mit einer wechselseitigen Teilsperrung geführt wurde. «Viele Leute wussten nicht, wo sie wann durchfahren dürfen, und wurden auf die Therwilerstrasse umgeleitet – direkt in die Radarfalle», sagt Dürr. Während dieser Phase habe es auch ihn fast geblitzt.

Doch auch mit der wieder beidseitig befahrbaren Hauptstrasse sei der Radar mühsam. «Eigentlich handelt es sich um einen mobilen Radar. Er steht aber seit vergangenem Sommer da», ärgert sich der Landrat. Denn, so Dürr, der Blitzer sei praktisch zeitgleich mit der neuen Verkehrsführung in Betrieb genommen worden. Diese sei für Fahrer unpraktisch: «Will man vom Stopp in der Eichgasse nach links abbiegen, muss man relativ zügig fahren», führt Dürr aus. «Seltsamerweise ist auch der Spiegel an dieser Kreuzung verschwunden», fügt er an.

Auch wenn man nicht von der Eichgasse komme, sondern sich schon auf der Therwilerstrasse befinde, könne man schnell geblitzt werden: «Man kommt von einer zurückversetzten 80er-Strecke, die Strasse ist leicht abschüssig», erklärt Dürr. Es könne also leicht passieren, dass man etwas zu schnell unterwegs sei. Auch, weil man den Radar nicht gut sehe: «Er ist gut getarnt», so Dürr. «Er steht praktisch in einem Vorgarten.»