Keiner kennt das Kloster Mariastein besser als Pater Bonifaz Born. Seit nunmehr sechzig Jahren lebt er als Benediktinermönch im solothurnischen Wallfahrtsort. Der gebürtige Grellinger begleitete die Restaurierungsarbeiten in seiner Abtei von Anfang an. Er war Leiter der klosterinternen Baukommission, welche das Riesenprojekt vorantrieb.

Zuerst sei der Ruf nach einer Heizung laut geworden, erklärt Born zu Beginn des Rundgangs durch die weitläufige Klosteranlage. «Ausserdem waren die sanitären Anlagen marode, weil hundert Jahre nichts renoviert worden war.» Nach dem Verlust ihrer Unabhängigkeit während des Kulturkampfs war die Benediktinerabtei jahrzehntelang im Besitz des Staates gewesen. Durch einen Volksbeschluss erlangte der Mariasteiner Konvent die Autonomie wieder. Im Juni 1971 gab der Gesamtregierungsrat des Kantons Solothurn die enteigneten Gebäude den Mönchen zurück.

Mit der zurückgewonnenen Selbstständigkeit begann eine rund drei Jahrzehnte dauernde Restaurierungsphase. «Der Staat hatte die Gebäulichkeiten während seiner Eigentümerschaft stiefmütterlich behandelt», bemerkt Bonifaz Born im Kreuzgang, dem begrünten Innenhof des Klosters. Man habe zahlreiche Bretter repariert, sagt er und zeigt dabei auf die Decke aus dem frühen 18. Jahrhundert.

Wie im Gang wurden überall in der Abtei verschiedene Ausbesserungen und Fassadenrestaurierungen durchgeführt. Abgesehen von der Küche im grosszügigen Wirtschaftstrakt entstanden jedoch keine zusätzlichen Gebäude. Im Speisesaal des Klosters treffen sich die 23 Benediktinermönche dreimal täglich, um gemeinsam zu essen. Nebenan befindet sich ein Saal, in dem Klostergäste zu Mittag essen können.

Kirche wurde zuletzt restauriert

In der Benediktskapelle riecht es bereits morgens intensiv nach Weihrauch. Dieser nicht öffentliche Raum dient den Mönchen dazu, sich auf den Gottesdienst vorzubereiten. In einem Schrank hängen die charakteristischen schwarzen Gewänder der Benediktiner. «Hier drin wurde vor allem aufgeräumt», erinnert sich Born an die Arbeiten in den späten Siebzigern. Gleichzeitig renovierte man den Konventstock, in welchem die Mönche leben.

Zur Restaurierung der dortigen Wandmalereien schreibt Restaurator Bruno Häusel in einem kürzlich erschienenen Band (siehe Text unten) zur Restaurierungsgeschichte des Klosters Mariastein: «Nachdem die Gipsschichten auf eine Stärke von etwa einem Millimeter abgearbeitet waren, versuchten wir mit Acrylharz, in Lösemittel und als Dispersion, die losen Malschichten an die Wand zurück zu fixieren. Vorgängig und parallel dazu wurde der durch Fehlstellen freiliegende Putz mit Kalksinterwasser und Kasein gefestigt.» Das komplizierte Verfahren war nötig, um die verschnörkelten Wappenbilder aufzufrischen.

Um die Jahrtausendwende ging die Renovationstätigkeit mit der Restaurierung der grossen Klosterkirche in ihre letzte Phase. Die Holzstationen an den Wänden, die den Kreuzweg Christi zeigen, seien saniert worden, sagt Born im beeindruckenden Sakralbau. «In der ersten Hälfte des 18. Jahrhundert besass die Abtei eine eigene Schnitzerei, aus der unsere Kanzel stammt.» Auch diese wurde gewartet, wobei wie überall Wert darauf gelegt wurde, den ursprünglichen Charakter der Klosteranlage zu bewahren.

Verkauf von Liegenschaften

«Die Kosten für die Restaurierung wurden grösstenteils von den Benediktinermönchen selbst übernommen», betont Born. Dafür verkaufte die Gemeinschaft klösterliche Liegenschaften im österreichischen Bregenz und in Altdorf im Kanton Uri. «Aber auch der Kanton Solothurn und der Bund steuerten Beiträge bei», sagt er am Schluss der Besichtigung in seinem sogenannten Lapidarium.

In diesem Steinmuseum werden Steine ausgestellt, die während den Restaurierungen von der Fassade abgetrennt wurden oder sich in den vergangenen Jahrhunderten lösten. Es ist das kleine Reich von Bonifaz Born, in dem er über jedes einzelne Objekt ausführlich Auskunft geben kann. Hier weiss er sogar noch ein bisschen mehr zu erzählen als in den anderen Teilen des Klosters Mariastein.

Der vierte Band der Beiträge zu Archäologie und Denkmalpflege im Kanton Solothurn befasst sich mit der Restaurierungsgeschichte des Klosters Mariastein. In einem Vorwort äussert sich der derzeitige Abt Peter von Sury zur Entstehung des 104 Seiten dicken Werks. So war es die Benediktinerabtei selbst, die sich an die Denkmalpflege wandte. Grund dafür war das im vergangenen Jahr gefeierte Jubiläum 500 Jahre solothurnisches Leimental. Die Beiträge stammen aus der Feder des aktuellen kantonalen Denkmalpflegers Stefan Blank sowie seiner beiden Vorgänger Georg Carlen und Samuel Rutishauser. Neben einer ausführlichen Schilderung der Restaurierungsarbeiten seit dem Jahr 1971 wird auch ein Blick in die Baugeschichte des Klosters geworfen. In Mariastein leben seit der Ansiedlung der Benediktinergemeinschaft von Beinwil Mitte 17. Jahrhundert mit Unterbrüchen Mönche. Damals begann eine stetige bauliche Entwicklung bis hin zur heutigen Klosteranlage, die jährlich von unzähligen Pilgern besucht wird. ISBN 978-3-9524182-2-2, 30 Franken.

Kloster steht im Fokus

Der vierte Band der Beiträge zu Archäologie und Denkmalpflege im Kanton Solothurn befasst sich mit der Restaurierungsgeschichte des Klosters Mariastein. In einem Vorwort äussert sich der derzeitige Abt Peter von Sury zur Entstehung des 104 Seiten dicken Werks. So war es die Benediktinerabtei selbst, die sich an die Denkmalpflege wandte. Grund dafür war das im vergangenen Jahr gefeierte Jubiläum 500 Jahre solothurnisches Leimental. Die Beiträge stammen aus der Feder des aktuellen kantonalen Denkmalpflegers Stefan Blank sowie seiner beiden Vorgänger Georg Carlen und Samuel Rutishauser. Neben einer ausführlichen Schilderung der Restaurierungsarbeiten seit dem Jahr 1971 wird auch ein Blick in die Baugeschichte des Klosters geworfen. In Mariastein leben seit der Ansiedlung der Benediktinergemeinschaft von Beinwil Mitte 17. Jahrhundert mit Unterbrüchen Mönche. Damals begann eine stetige bauliche Entwicklung bis hin zur heutigen Klosteranlage, die jährlich von unzähligen Pilgern besucht wird. ISBN 978-3-9524182-2-2, 30 Franken.