Dass trotz schönen Absichtserklärungen von SBB und Kanton Baselland noch nichts in Stein gemeisselt ist, solange der Landrat nicht dem gemeinsamen Bürohochhaus am Liestaler Bahnhof zugestimmt hat, wusste man. Dass der Deal aber wegen der zögerlichen Haltung der Regierung zusehends wackliger wird, wie die bz vorgestern publik gemacht hat, ist neu. Sollte er tatsächlich scheitern, so hätte das zweifache Konsequenzen: Der Kanton zieht nicht als Ankermieter mit 540 Mitarbeitern in das geplante Hochhaus ein und kann somit auch nicht die in Aussicht gestellten 20 von rund 50 Verwaltungsstandorten in Liestal freigeben.

Angefragte Politiker reagieren unterschiedlich auf diese wahrscheinlicher gewordene Perspektive. Thomas Eugster (FDP), Liestaler Landrat und Einwohnerrat, bleibt gelassen, obwohl er sich schon wiederholt als Befürworter des Deals geäussert hat: «Die Frage ist, was wirklich Sache ist. Ich habe aus der Verwaltung keinerlei Hinweise, dass der Kanton abspringt. Solange die SBB keine Deadline festgesetzt haben, was mir nicht bekannt wäre, können ein paar Monate mehr oder weniger nicht matchentscheidend sein.»

Eugster hält die Mietvariante im SBB-Bürogebäude nach wie vor für eine gute Lösung, solange sie für den Kanton finanziell stimmt. Dabei müsse dieser auch anstehende Investitionen in die jetzigen Gebäude in die Waagschale werfen. Für Liestal sei ein Kantonsumzug eine grosse Chance, die freiwerdenden Flächen zu bespielen. Eine bessere Wertschöpfung komme dann auch dem Kanton wieder zugute. Eugster: «Ich gehe nach wie vor davon aus, dass es eine Landratsvorlage zur Einmietung des Kantons geben wird.»

Herrmann setzt auf Lauber

Etwas anders ist der Blickwinkel von Michael Herrmann, ebenfalls FDP-Landrat und Mitglied der Finanzkommission. Er hat dort den angestrebten Deal zwischen SBB und Kanton wiederholt kritisch hinterfragt, weil er der Meinung ist, der Kanton müsse sich nicht an Liestals teuerstem Pflaster einmieten. Herrmann sagt nun: «Ich kenne den detaillierten Stand nicht. Ich bin aber froh, dass der Kanton keinen Schnellschuss macht, sondern das Ganze seriös anschaut. Denn die Folgekosten könnten enorm sein.» Herrmann sieht hier den positiven Einfluss von Finanzdirektor Anton Lauber, der sich nicht mit ein paar schnellen Antworten abspeisen lasse.

Gar keine Freude an der Entwicklung hat Hanspeter Meyer, im Liestaler Einwohnerrat SVP-Fraktionspräsident. Er hat sich dort schon mit mehreren Vorstössen dafür stark gemacht, die brachliegenden Kantonsareale besser zu nutzen. Meyer sagt nun: «Ich bin enttäuscht. Der Kanton wird je länger je mehr zu einem unzuverlässigen Partner und setzt sich überhaupt nicht für den Kantonshauptort Liestal ein.»

Für Stadtpräsident Lukas Ott (Grüne) steht ausser Frage, dass der neue Bahnhof und das SBB-Hochhaus auch bei einem Abseitsstehen des Kantons realisiert werden. Er stellt eine entsprechende Einwohnerratsvorlage auf Anfang 2017 in Aussicht.