Noch muss er sich an ihn gewöhnen. Noch kommt ihm der neue Name nicht leicht von der Zunge.

Seit Montag nimmt André Moeri das Telefon mit «Switzerland Innovation Park Basel Area» ab. So auch, als die bz anruft, um mit ihm, dem Geschäftsführer, ein Treffen zu vereinbaren. Zuvor trug das Gebilde einen zwar auch nicht gerade kurzen, aber doch einfacher auszusprechenden Namen: «Schweizer Innovationspark Region Nordwestschweiz». Aber es gibt kein Zurück: Die Namensänderung ist eine Weisung aus Bern. Und bald schon wird der alte Namen vergessen sein – nicht aber der Park: dieser wächst und wächst und wächst.

Am Montag weihten die beiden Basel und der Kanton Jura ebendiesen «Switzerland Innovation Park» offiziell ein. Und machten damit klar, dass sie Vorreiter sind. Denn ebenfalls am Montag wurde in Bern «Switzerland Innovation» gegründet – das ist die nationale Stiftung, die neu den insgesamt fünf Schweizer Innovation Parks vorsteht. Diese befinden sich, neben demjenigen in Allschwil, in den Kantonen Aargau, Bern, Zürich und in fünf Kantonen der Romandie.

Während in Bern die Stiftung ihre Arbeit also erst aufnimmt, hat man in Allschwil schon vor über zwei Jahren losgelegt. «Wir sind sicher der Standort», sagt André Moeri, «der aus dem Stand heraus am schnellsten operativ loslegen konnte.» Bereits ist fast die ganze Laborfläche vermietet, immerhin rund 5000 Quadratmeter. Seit Montag habe er schon wieder zwei Anfragen von Firmen erhalten, die in den Allschwiler Park ziehen wollten. «Aber ich musste sie leider vertrösten.»

Fläche wird verfünffacht

Moeri denkt laut über provisorische Erweiterungen nach, bis in drei Jahren der Neubau im benachbarten «BaseLink»-Areal parat sein wird. Die Fläche wird verfünffacht, bis zu 550 Forscher soll der Park dann beherbergen – aktuell sind es deren 150. «Aber warum», sagt Moeri, «nicht auch tausend oder sogar zweitausend?». Derzeit ist der Park in einem schlichten Labor- und Bürogebäude im Bachgraben-Gebiet eingemietet, in welchem auch Actelion entstanden ist. Im Empfangsraum riecht es nach Sperrholz und neuen Möbeln, noch verkündet erst ein an die Eingangstür geklebtes A-4-Blatt, wer hier ansässig ist, und die riesige Magnetwand mit der gelben «To do»-Liste wartet darauf, an die Wand geschraubt zu werden.

Wer hier einkehrt, erkennt sofort: Hier wird gearbeitet, hier ist alles in Bewegung, in Entwicklung – und genau das ist es auch, was Moeri den interessierten Forschern und Firmen vermitteln will: Der SIP als Ökosystem, als Durchlauf-Erhitzer für neue Ideen, als Scharnier zwischen Forschung und Marktreife.

«Wir wollen ein Nährboden sein», sagt Moeri. «Wir bieten nicht nur die Infrastruktur, also eine Gebäudehülle und die Infrastruktur, sondern auch ein grosses Netzwerk, die Möglichkeit, sich auszutauschen. Das ergibt eine Sogwirkung.»

Dass André Moeri quer denken kann, hat er bereits bewiesen. Der 48-jährige Fricktaler baute zusammen mit zwei Freunden Medgate auf. Das 1999 gegründete Unternehmen mit Sitz in Basel etablierte die Telemedizin in der Schweiz. Heute ist es laut eigenen Angaben «das grösste ärztlich betriebene telemedizinische Zentrum Europas». Medgate machte es zum Beispiel möglich, ein Rezept zu erhalten, ohne eine Praxis aufzusuchen. «Das gab es vorher in der Schweiz nicht», sagt Moeri. «Und wie bei allen Innovationen, war auch uns gegenüber die Skepsis anfangs gross.»

Sein Ziel: Life Sciences Plus

Als Geschäftsführer des Innovation Parks hat er die Branche, streng genommen, nicht verlassen. Zielgruppe sind Forscher und Firmen aus dem Bereich Life Sciences Plus, also aus dem Wirtschaftszweig, der die Nordwestschweiz prägt. «Das Plus», sagt Moeri, «steht für IT. Das könnte ein Unternehmen sein, dass Patientendaten sammelt, Datenbanken aufbaut und bildlich darstellt.»

Seine Tätigkeit mache ihm Spass, sagt Moeri: An einem Tag habe er eine Bausitzung mit Architekten und kraxle in einem Schacht herum. Am andern Tag sei er in Nürnberg, treffe sich mit der Konzernleitung von Siemens, um ein Projekt zu besprechen. «Die Tage mit Krawatte sind seltener als die krawattenfreien. Und das ist gut so.»

Der Park ist ein Verein, der von beiden Basel, dem Kanton Jura und der Handelskammer beider Basel getragen wird. Die nationale Stiftung bietet einen gemeinsamen Auftritt – und bald auch Geld. Trotzdem agiere man autonom, sagt Moeri, und das sei eine Bedingung für Erfolg. «Wir müssen die Möglichkeit haben, Dinge auszuprobieren.» Aktuell teste man eine neuartige Form von Laborraum, mit Aufenthaltsräumen und Büroflächen. «Wenn sich die Form bewährt, bauen wir diese Art von Labors in den Neubau ein.»

Eine Wohltätigkeits-Institution sei der Park keinesfalls. «Wir verlangen marktkonforme Mieten und subventionieren niemanden.» Auf eine Anschub-Finanzierung sei man trotzdem angewiesen. «Wie bei den Mietern muss das Ziel aber sein», sagt Moeri, «dass der Park irgendwann selbsttragend ist.» Dafür rechnet er mit fünf bis sieben Jahren.

Vorerst will Moeri den Verein in eine neue juristische Form überführen. Bis Ende Jahr sollte das erledigt sein. Dann wird ihm auch der neue Name des Parks sicher leicht von der Zunge gehen.