Jonas Gauthier schmunzelt: «Nein, wir fahren nicht wirklich damit herum, er ist halt ein Blickfang.» Gauthier hat recht. So mancher Besucher der Sissacher Gewerbeausstellung Mega 19 bleibt neben dem militärgrünen, russischen Ural-Töff mit Seitenwagen stehen. Eingebaut sind zwei Grills, in denen gerade Focaccia und Brot gebacken werden. «Hobbyköche sind wir», sagt Gauthier über sich und seinen Grill-Partner, den Engländer Andrew Oliver, dessen Kochkünste er schätze – bis auf sein Lammrack an Pfefferminz-Sauce.

Mit «learning by burning» hätten sie sich die nötigen Fähigkeiten zum Grillieren angeeignet. Die beiden verbreiten guten Appetit und gute Laune (Oliver: «2066 werden Englands Fussballer wieder Weltmeister»), um das Business des grossen Sissacher Haushaltwarengeschäfts am Strichcode, der Begegnungszone, aufzupeppen. Ums Geschäft gehts eben auch.

Rund 150 Attraktionen

Unterstützung kommt zudem aus Zürich. Urs Murbach will die Maschinen verkauft sehen, die den Teig für die Grills knetet. «Für eine Gemeinde mit zwischen 6000 und 7000 Einwohnern herrscht an der Mega sehr viel Betrieb», meint er. Sicher habe das auch mit dem ausgebliebenen Regen zu tun.

Rund 150 Attraktionen gibt es an der Ausstellung zu sehen, essen und trinken. «Ein riesiges Dorffest», sagt Korporal Nadine Grütter von der Stützpunktfeuerwehr Sissach, «sehen und gesehen werden.» Jede dritte Person, die am mächtigen Hubrettungsfahrzeug vorbeispaziert, kenne sie. Das Fahrzeug sei eine «Attraktion für unterschiedlich grosse Kinder», weil auch Papa oft nicht widerstehen kann und sich in die Führerkabine setzt. Das Fahrzeug steht nicht in der Begegnungszone, sondern in der Postgasse, damit es im Falle eines Falles sofort wegfahren könne.

Guter Dinge ist Fussballlegende Karli Odermatt, der im Zelt des Versicherers seines Herzens, Markus Burgunder, mit Kollegen und Weisswein anstösst. «Jetzt müssen wir diesen Cup holen», sagt er am Samstagnachmittag. Sein Wunsch wird sich einen Tag später erfüllen. Zweifel daran hat er schon an der Mega keine gehabt. Die Mega nennt er «ein tolles Fest», ehe er wieder zum Fussball-Philosophen wird. Derweil schlendern Urs Leisi mit seinem Sohn und Schwiegertochter Sarah Bruderer gemütlich über den Sissacher Strichcode. Trotz des Andrangs findet Bruderer es «einen angenehmen, friedlichen Anlass». Leisi hat es mehr das Kulinarische angetan. Er lobt die Weine, die der ortsansässige Weinbauer und -händler in seinem Hinterhof präsentiert. Auch feinem Lachs, Spargel und Risotto will er begegnet sein.

Derweil übt sich Hansi Rudin von den unverwüstlichen Steppin Stompers in Geduld. Die Band sollte ins Eventzelt zum Soundcheck, bloss fehlt der Platz, das Bandmobil zu parkieren. Wer über 50 Jahre auf Tour ist, hält das aus. Auf derselben Bühne sind auch die Nootechaote, Backto, Max Mundwiler oder Dani Kalt mit Chor zu hören.

«Das kracht schon mächtig»

Krachen lässt es ein Karosserist. Wer sich traut, setzt sich in einen Autoscooter und lässt sich damit gegen die Wand fahren. Mit maximal 30 km/h. «Das kracht schon mächtig», stellt Experte Bujar Fazliu fest, «Kindern rate ich davon ab.»

Was Öslem Epple Kindern an ihrem Stand mit Sicherheit rät, ist der Genuss von Gemüse aus ihrer Genossenschaft, der Gemüserei Sissach. Regional, saisonal, bio: «Die Leute interessieren sich für unser Konzept.» Gemäss Richard Haberstich seien im ersten Genossenschaftsjahr 95 Abos weggegangen. Noch maximal 25 könne er vergeben.

Schon am Freitagabend hat Andreas Murer regen Betrieb ausgemacht. Womit wir wieder beim Blickfang wären. Welcher kleine Junge könnte an einem gasbetrieben Löschtrainer einfach so vorbeigehen? Noch dazu, wenn er die lodernden Flammen gleich selbst besiegen darf? Nicht nur für die angehenden Löschprofis war die Mega 19 bestimmt eine heisse Sache.