Häfen haben einen speziellen, archaischen Charme. Die mächtigen Krane und ihre eindrücklichen Haken – sie ragen still in den Abendhimmel. Riesige Kisten und Kasten stehen bereit für eine lange Reise Richtung Rotterdam. Und von dort weiter Richtung Übersee. Es ist ein Stelldichein der Industrie, von Produkten «made in Switzerland»: Bühler, Alstom, Siemens Schweiz, Kabelwerke Brugg, Ruag ... Erstaunlicherweise duften diese Kisten – nach frischem Holz. Denn viel wird erst hier, im Muttenzer Auhafen, reisefertig verpackt. Die Kisten sind oft Massarbeit.

Luft ohne Sauerstoff

«Im neunten Stock nicht aussteigen», sagt Dominic Labhardt, Leiter Verkehre und Lager Auhafen, anlässlich der Besichtigung der Hafenanlagen, an der am Dienstagabend rund 200 Teilnehmer teilnahmen, dies im Rahmen der von PwC und der bz organisierten «Gesichtspunkte». In diesem neunten Stock des Silos herrscht eine sauerstoffreduzierte Atmosphäre, die allfälligen Schädlingen im dort gelagerten Getreide ohne Gift den Garaus macht. Wir lassen also den «Neunten» und gehen gleich ins oberste Geschoss.

Begeisterung, die ansteckt

«Ja, dieses Schiff dort gehört einem Partikulier, einer Einzelperson oder einer Familie», sagt Sanja Marceta, welche Containergeschäfte organisiert. Die Schiffe werden manchmal kurzfristig eingemietet. Ganz offensichtlich hat Frau Marceta grosse Freude an ihrer Arbeit. Enthusiastisch erzählt sie, wie sie die Schiffe organisiert, zum Teil über das Internet, wo Schiffspositionen eingesehen werden können, zum Teil ganz gewöhnlich via Telefon. Das Geschäft scheint zu brummen ...

Der Containerverkehr wächst stark, liegt aber anteilmässig noch immer hinter den Grosstransporten und dem Schüttgut zurück.

Züge für Russland

«Einige Transporte waren wirklich spektakulär», sagt Labhardt. Zum Beispiel die Stadler-Züge, die jetzt zwischen Moskau und den Flughäfen verkehren. Die Drehgestelle (russische Breitspur!) wurden erst hier im Hafen montiert. Danach wurden sie verfrachtet, unverpackt, sechs Wagen in einem Schiff. «Die hatten exakt Platz», so Labhardt. Alle zwei Monate kommt aus Zürich (Ruag, vormals Contraves) die Hälfte einer Spitze der Rakete Ariane. Sie wird nach Französisch-Guyana verfrachtet.

Herausfordernd sind auch Riesenpneukrane, Transformatoren, Zahnradloks oder Grossteile der Maschinenindustrie, die mehrere hundert Tonnen auf die Waage bringen. Supergeheim war der Transport der Alinghi. Niemand durfte vom Transport der Rekordjacht wissen. Auch die alten Wagen der Forchbahn verliessen die Schweiz über Muttenz – nach Moçambique. Die Züge warten dem Vernehmen nach seit Jahren auf ihren Einsatz.

Keine Öltransporte

«Was transportieren sie denn eigentlich nicht?», fragte bz-Chefredaktor Matthias Zehnder den demnächst in Pension gehenden Ultra-Brag-Chef, Beat Heydrich. «Keine Flüssigkeiten. Ausser Rotwein», sagte er.

Massengüter wie Futtermittel, Dünger etc. werden mit Greiferkränen gelöscht, zum Teil wird es in die Silos gepumpt. Für Biogetreide gelten besondere Regeln. Es kann nicht als offenes Schüttgut transportiert werden; die Container werden abgefüllt und verschlossen. Diese Container sind inwendig mit einem Sack versehen. «Gut haben wir hier Platz für den Hafen und solche Silos», sagt Heydrich. «Und gut will da niemand Lofts einbauen.» Die Kapazitäten seien sehr gut ausgelastet.

Teures Niedrigwasser

Sorgen hat der Firma der niederschlagsarme Sommer bereitet. «Sind die Pegel tief, können wir nicht viel laden, nur 50 bis 60 Prozent der Kapazität», erklärt Heydrich. Es gibt einen Niederwasser-Zuschlag, was die Kunden natürlich nicht freue. Drei Wochen Regen brauche es, bis sich die Lage normalisiert habe. Die Reise Basel - Rotterdam erfordere 72 Stunden, rheinaufwärts geht es fünf Tage.

Was sei der Schlüssel zum Erfolg dieser Firma? «Moderne leistungsfähige Anlagen. Gute Mitarbeiter und eine gute Kundenfokussierung. Eine Orientierung an deren Wünschen. Auf jeden Fall braucht es einen engen Kontakt.» Klar wurde auch, dass das Personal weitergebildet werden müsse.

Wie entwickelt sich das Geschäft? Es werde keine grossen Technologiesprünge geben, aber sicherlich graduelle Verbesserungen und Effizienzsteigerungen.

Wenn Heydrich demnächst in Pension geht, wird er weiterhin mit Schiffen zu tun haben – privat, auf französischen Kanälen. So rasch lässt einen die Zuneigung zu Kähnen und Wasserwegen nicht los.

GesichtsPunkte

Unter dem Titel «GesichtsPunkte» veranstalten die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers und «Die Nordwestschweiz» seit drei Jahren eine Serie von Anlässen, an denen die Globalisierung der Märkte aus lokaler Perspektive beleuchtet wird. Im Fokus steht jeweils eine mittelgrosse regionale Firma, die zu einer Besichtigung einlädt und an der Chefredaktor Matthias Zehnder dem Firmenchef einige Fragen stellt.