Albert Frei wartet im Steinbruch an der Hauensteinstrasse. Über zwei Jahrhunderte hinweg, spielte der Stein am Pass, der aus dem Baselbiet nach Olten führt, eine gewichtige Rolle. Nicht nur der Hauensteinpass, auch der über 150 Jahre alte Tunnel, begünstigte die steinverarbeitende Industrie in Läufelfingen.

Viele Jahrzehnte lebte ein Teil der Dorfbevölkerung vom Stein. Wo früher die Zementwarenfabrik der Gebrüder Kohler stand, erinnert der Kultur- und Museumsverein Läufelfingen an die Industriegeschichte des Oberbaselbiets. In einem Prozess über zwei Jahrzehnte hinweg entstand das Silo 12. Ein Museum, das im ehemaligen Gebäude mit seinen zwölf Silos modernen Ausstellungsraum bietet.

Was am Ausgang Läufelfingens entstand, ist zu einem grossen Stück Albert Freis Verdienst. Seine Augen leuchten, als er den Weg in das von ihm mitgestaltete Museum weist. Im Dorf wurde Frei als Wirt des Landgasthof Rosengartens bekannt. 2013 gab er den Gastbetrieb ab. Der aus dem Oberaargau stammende Wirt ist seit 1996 Präsident des Kultur- und Museumsvereins Läufelfingen.

Mit anderen Vereinsmitgliedern investierte er unzählige Stunden in den Umbau des Museums. Auch Läufelfingens ehemalige Gemeindepräsidentin Margrit Balscheit engagierte sich von Beginn weg für das dorfeigene Museum. Zunächst war ein Ortsmuseum geplant gewesen. «Fachleute rieten uns davon ab und sagten: Machen Sie etwas zur Industriegeschichte», erinnert sich Balscheit.

Industriegeschichte rührt Emotion

Die Gebrüder Kohler hatten den Steinbruchbetrieb nach über fünfzig Jahren aufgegeben. Der Kanton übernahm das Gebäude und nutzte die Silozellen, um Splitt für den Winterdienst zu lagern. Weil der Kanton den Schnee immer mehr mit Salz räumte, verlor das Silogebäude seine Bedeutung. Als der Läufelfinger Verein 2008 die Möglichkeit erhielt, das alte Silo am Hauensteinpass zu einem symbolischen Beitrag von 1201 Franken zu übernehmen, nahm er die Chance wahr. In den Folgejahren baute der Verein das verwaiste Silogebäude gemächlich zum Museum um.

«Es war wie ein Dominoeffekt», sagt Frei, auf zwei Jahrzehnte rückblickend. Über das Vereinsvermögen, Legate und Lotteriegelder investierte der 160 Mitglieder starke Verein bis heute über 400 000 Franken. Etliche Mitglieder beteiligten sich ehrenamtlich am Umbau. Eine der treibenden Kräfte war Architekt Hansjörg Rickenbacher. Unentgeltlich entwickelte er Baupläne und verlieh dem umgebauten Gebäude seinen musealen Charakter.

Über die Sommermonate hinweg widmet sich das Museum einem anderen Unternehmen, das sich durch den Stein aus der Region alimentierte: Die «Gipsi». Über siebzig Jahre lang gewann die Gipsunion AG den weissen Stein in Zeglingen. Sie führte den Gips mit der längsten Industrieseilbahn der Schweiz über die Flanken des Wisenbergs bis nach Läufelfingen. Die aktuelle Ausstellung fokussiert sich auf den Zeglinger Steinbruch. «Wir müssen für kommende Ausstellungen noch etwas im Köcher haben», sagt Balscheit.

Das Gipsabbaugebiet im Oberbaselbieter Dorf sei für die 50 oder älter sind und aus dem Umkreis von Zeglingen, Wisen und Läufelfingen stammen, eine bleibende Erinnerung, sagt Balscheit. «Viele haben leuchtende Augen, wenn sie von der Seilbahn sprechen hören.» Üblicherweise verbindet Zeglingen wenig mit dem gegenüberliegenden Läufelfingen. Die Ausstellung lockte aber viele über den Wisenberg, wie Balscheit berichtet: «Ein italienischstämmiger Arbeiter aus Zeglingen hat sich in einem Ausstellungsvideo erkannt und war sehr berührt.»