Die Mitteilung der Baselbieter SP von Ende letzter Woche hat neugierig gemacht: Landrat Urs Kaufmann soll ab dem 1. April Präsident der Bau- und Planungskommission (BPK) werden. Er folgt in dieser Funktion auf seinen Parteikollegen Hannes Schweizer, der Ende Juni zum Landratspräsidenten und damit «höchsten Baselbieter» gewählt wird.

Aufhorchen lässt, dass die SP kein bisheriges BPK-Mitglied für das Kommissionspräsidium vorgeschlagen hat, sondern eben Kaufmann, der bereits in der landrätlichen Finanzkommission stark engagiert ist. Der neue Posten lässt sich durchaus als Vorbereitung für eine Regierungskandidatur des 56-jährigen Frenkendörfers lesen.

Kaufmann ist ein Spätzünder. Er politisiert erst seit 2015 im Kantonsparlament, hat sich in der 21-köpfigen SP-Fraktion aber innert Kürze zu einer der wichtigsten Stimmen hochgearbeitet. In finanzpolitischen Fragen führt kein Weg an ihm vorbei. In der Ausmarchung um das neue Finanzhaushaltsgesetz trat er letztes Jahr gegen Finanzdirektor Anton Lauber (CVP) und die bürgerliche Landratsmehrheit an; zwar ging die Volksabstimmung letztlich verloren, doch konnte Kaufmann sein Profil entscheidend schärfen. In der Debatte um die Begrenzung des Pendlerabzugs hat er im Herbst 2016 im letzten Moment einem Kompromiss zum Durchbruch verholfen und so der Staatskasse jährlich eine Million zusätzliche Einnahmen beschert.

«Vorbild»: SP-Chef Koller lobt Kaufmann

Kaufmann, der als Ingenieur bei einem Liestaler Energie- und Gebäudetechnikunternehmen tätig ist, geniesst den Ruf eines dossierfesten Schaffers: im Ton ruhig, sachlich und angenehm, inhaltlich pointiert und konsequent. Über sich sagt Kaufmann: «Ich bin bisher sicher nicht als Hardliner in Erscheinung getreten.» SP-Kantonalpräsident Adil Koller lobt Kaufmann in fast schon überschwänglichen Worten: «Er vertritt deutlich seine Meinung, kann aber auch zuhören und ist ausgeprägt dialogfähig. Er ist in jeglicher Hinsicht ein Vorbild.»

Zu allfälligen Ambitionen für den Baselbieter Regierungsrat äussert sich Kaufmann vorsichtig: «Diese Aufgabe ist interessant», sagt er, schiebt aber sofort nach: «Ich suche das Regierungsamt nicht, so wie ich bisher noch nie ein politisches Amt aktiv gesucht habe.» Und dann verweist er darauf, dass im Baselbiet noch nie eine SP-Frau Regierungsrätin war und es 2019 wirklich an der Zeit wäre. Als Absage sind diese Aussagen gleichwohl nicht zu interpretieren. Erstens ist Kaufmann klug genug, allfällige Ambitionen 13 Monate vor den Wahlen nicht an die grosse Glocke zu hängen. Zweitens gilt er als zurückhaltend und bescheiden, als einer, der sein Licht unter den Scheffel stellt.

«Urs Kaufmann wäre ein sehr valabler Regierungskandidat», sagt Parteichef Koller und verweist auf dessen Exekutiverfahrung. Seit 2008 politisiert er im Gemeinderat von Frenkendorf und ist – passend zum BPK-Präsidium – für den Hochbau zuständig. Er ging in seiner Wohngemeinde den klassischen Weg, profilierte sich in der Bau- und der Gemeindekommission, seit 2016 ist er zudem Vizepräsident der 6500-Einwohner-Gemeinde. «Der Frenkendörfer Gemeinderat ist bürgerlich dominiert. Wenn man als SP-Vertreter da etwas bewegen will, muss man mehrheitsfähige und fundierte Projekte aufgleisen», sagt Kaufmann.

In CVP-Stammlanden aufgewachsen

Kaufmann lebt seit 1988 im Baselbiet. Aufgewachsen ist er im Luzerner Hinterland, in traditionellen Stammlanden der CVP also. Sein jüngerer Bruder wurde in Wolhusen vor Kurzem für die Christdemokraten in den Gemeinderat gewählt. Seit der Jugend ist sich Kaufmann gewohnt, sich in einem Umfeld zu behaupten, das anders tickt als er. Kaufmann würde daher wohl auch in einer bürgerlich dominierten Kantonsregierung gut funktionieren. Das BPK-Präsidium wirkt da fast schon wie die logische Vorbereitung. «Als Kommissionspräsident wird es meine Aufgabe sein, sachbezogen Lösungen herbeizuführen und – wenn vorhanden – Gräben zuzuschütten.»

Doch wie realistisch ist eine Regierungskandidatur Kaufmanns? Mit 58 Jahren wäre er beim Amtsantritt im Sommer 2019 eher ein alter Neuling. Zu alt? «Nein, das ist aus meiner Sicht ein sekundärer Aspekt», findet Koller. Die Konkurrenz in der Partei ist hingegen gross. Der SP-Chef sagt, dass die Parteileitung mit einer «Handvoll» Papabili ernsthafte Gespräche führe, darunter mit Kaufmann. Weitere Namen nennt er nicht. In SP-Kreisen und im Umfeld der Kantonspolitik heisst es, dass auch die Muttenzer Land- und Gemeinderätin Kathrin Schweizer (48) eine ernsthafte Anwärterin für eine Kandidatur wäre. Eine weitere heiss gehandelte SP-Personalie ist jene des Liestaler Land- und Einwohnerrats Diego Stoll (30).

«Zu stark in der SP-Ideologie verhaftet»

Doch wie wird Kaufmann von Vertretern anderer Parteien beurteilt? Der Frenkendörfer Gemeindepräsident Roger Gradl (FDP) findet Lob für die «Exaktheit und Akribie» seines Ratskollegen. Auch imponiere ihm, dass Kaufmann gut zwischen seiner Rolle als SP-Kantonspolitiker und jener als Gemeinderat unterscheiden könne. Allerdings tritt für Gradls Geschmack das linke Gedankengut zu stark zutage. Ähnlich äussert sich FDP-Landrat Christof Hiltmann, der im Parlament oft als Kontrahent Kaufmanns auftritt. Auch er sagt anerkennend, dass dieser stets gut informiert sei und sich jeweils in die Details der Geschäfte einarbeite.

«Auf persönlicher Ebene erlebe ich ihn als interessanten und engagierten Gesprächspartner. In den öffentlichen Debatten ist er mir allerdings zu stark in der SP-Ideologie verhaftet.» Hiltmann würde daher wenn, dann einen SP-Kandidierenden bevorzugen, der weniger links politisiere, «etwa den Liestaler Diego Stoll». Zumindest für die SP-interne Ausmarchung muss das Profil Kaufmanns kein Nachteil sein. Adil Koller hält ihn jedenfalls für «bestens eingebettet» in Fraktion und Partei.