Im Zeichen der kantonalen Wahlen vom 8. Februar stand der traditionelle Neujahrsempfang der Baselbieter Wirtschaftskammer gestern Abend im Muttenzer Pantheon. Dass die Verbandsoberen vor den 500 Gästen aus der kantonalen Politik und Wirtschaft Werbebotschaften für das bürgerliche Regierungs-Viererticket mit Anton Lauber (CVP), Thomas Weber (SVP) Sabine Pegoraro (FDP, alle bisher) und Monica Gschwind (neu) platzieren würden, war allgemein erwartet worden.

Um den Reden doch noch überraschende Elemente zu verleihen, probierte es der eine mit Humor: Wirtschaftskammer-Präsident Andreas Schneider gab den bürgerlichen Politikern Tipps, was sie im angelaufenen Wahlkampf tunlichst vermeiden sollten: «Greift nicht die eigenen Leute an. Das können wir der SP überlassen. Die machen das gut im Moment.»

Ein Seitenhieb an die anwesende SP-Regierungskandidatin Regula Nebiker, die sich Anfang Woche in einem Interview mit der «Basler Zeitung» wortreich von der Bildungspolitik ihres Parteikollegen Urs Wüthrich distanzierte. Schneider fuhr im selben Ton weiter: «Ganz wichtig: Stellt im Vorfeld der Wahlen keine linken Basler Grossrätinnen an. Das kann unter Umständen ins Auge gehen.» Ein zweiter Seitenhieb an den ebenfalls anwesenden grünen Sicherheitsdirektor Isaac Reber zum – bereits wie Schnee von gestern wirkenden – Fall Arslan, was die Angelegenheit nicht mehr ganz so ernst erscheinen liess.

Energischer Christoph Buser

Der andere, Wirtschaftskammer-Direktor und FDP-Landrat Christoph Buser, probierte es mit teilweise energischen und angriffigen Voten: Er sprach von einem Erklärungsnotstand, in dem sich jene Kandidierenden befänden, die sich noch vor drei Monaten für die Abschaffung des Kantons Baselland ausgesprochen hatten.

Im Zusammenhang mit der Umfahrung Allschwil, über die das Baselbieter Volk am 8. März abstimmt, ärgerte sich Buser, dass die grossräumige westliche Umfahrung der Stadt, die sogenannte Südumfahrung im Leimental, immer wieder in Zusammenhang mit der nun diskutierten Umfahrung Allschwil gebracht werde. Dies werde getan, um gute Lösungen zu verhindern. «Dabei hat das eine mit dem anderen nichts zu tun», sagt Buser. Er finde es stossend, dass einige für ihre politische Karriere sogar bereit seien, die Entwicklung einer ganzen Region aufs Spiel zu setzen. Ein Seitenhieb an die Adresse von CVP-Nationalrätin und Südumfahrungs-Gegnerin Elisabeth Schneider-Schneiter.

Ganz andere Töne schlug Beat Oberlin an. Der Chef der Basellandschaftlichen Kantonalbank (BLKB) hielt ein Plädoyer für einen offenen Kanton Baselland. «Wir leben in einer Region, die Spitzenkönner und Spitzenunternehmen hervorbringt – wirtschaftlich, politisch, kulturell. Dies auch deshalb, weil die Region attraktiv sei für Spitzenkräfte aus aller Welt. Die Zukunft liege nicht im Réduit und im Protektionismus. «Die offene Welt ist die Basis für unseren Wohlstand, und die Vielseitigkeit der Region unser grosser Trumpf.» Oberlins Rede wirkte – gewollt oder nicht – wie eine vorweggenommene Antithese zu den Ausführungen Busers, der sich später für einen selbstständigen Kanton Baselland starkmachte, der seine Probleme in erster Linie selber zu lösen habe.