Die Szenerie wirkt apokalyptisch. Nebel durchflutet die Bürogänge. Die Storen sind halb heruntergelassen, an den Arbeitsplätzen stehen verwaiste Computer. Es ist dunkel, die Konturen der Räume sind nur durch fluoreszierende Streifen erkennbar, bestrahlt von UV-Licht. Mit Adrenalin vollgepumpte Krieger in leuchtenden Westen tauchen auf, die Waffen im Anschlag. Die Lichtstrahlen der auf den Waffen montierten Taschenlampen durchschneiden die Dunkelheit, gefolgt von roten Laserstrahlen und Schiessgeräuschen.

Wenn der Laser ein «Opfer» trifft, wird man fünf Sekunden lang deaktiviert, die Waffe schaltet sich aus, und die Weste erlischt. Danach geht der Kampf weiter. In der Laser-Arena in Reinach fliesst kein Blut, und man stirbt nicht. Es gewinnt, wer am meisten Gegner trifft. Im ehemaligen Gebäude der Firma Obrist eröffnete letzten August die erste Lasertag-Arena der Nordwestschweiz. Lasertag ist eine moderne Version des Kinderspiels «Räuber und Bulle». «Tag» bedeutet markieren: Die Spieler werden mit Infrarotstrahlen markiert, nicht erschossen. Die Wortwahl «Tag» soll entschärfend wirken, denn viele Menschen haben noch immer Bedenken. Mirco Langone, der Geschäftsführer der Laser-Arena Reinach, sagt: «Viele Leute fragen uns, ob die Laser nicht schädlich seien. Da müssen wir sie dann beruhigen, es sind nur Infrarotstrahlen.»

Infrastruktur wurde übernommen

Er grinst, als er sagt, bei Paintball sei die Gefahr von blauen Flecken grösser. Paintball, bei dem Luftgewehre Gelatinekapseln abfeuern, wird in der Lagerhalle nebenan angeboten.

Letzten Herbst bezog der grösste Schweizer Anbieter für Paintball und Lasertag, Action Arena AG, die Räumlichkeiten von Obrist in Reinach. Seither hat die Firma viel Geld in die Infrastruktur gesteckt. Ein Teil des Mobiliars konnte zudem weiterbenutzt werden: Telefone, Computer und Bürotische dienen als Kampfkulisse. Langone erklärt: «Es ist eine Zwischennutzung, bis wir etwas Festes gefunden haben.»

Dass in den Industriebauten eine Science-Fiction-Welt entstanden ist, ist vielen Menschen bisher unbemerkt geblieben. «Momentan machen wir aber eine grosse Werbeoffensive», sagt Langone. An vielen Standorten sind Plakate zu sehen, und Werbeflyer werden verteilt. Auf denen abgebildet sind aber nicht bewaffnete Männer in Kampfanzügen, sondern Frauen in modischer Kleidung, welche die Waffe im Anschlag haben. Der Geschäftsführer meint im Scherz: «Es macht einen besseren Eindruck, wenn Frauen zu sehen sind.»

Als Kampfspiel verschrien

Vielen jungen Leuten ist Lasertag aus der Sitcom «How I Met Your Mother» bekannt. Das Spiel entstand in den 1990er-Jahren und ist seither umstritten – wie Paintball. 2004 urteilte der Europäische Gerichtshof in Luxemburg gar, dass nationale Verbote von Lasertag europäisches Gemeinschaftsrecht nicht verletzen würden. Es gehe um den Schutz der Menschenwürde.

Langone, der selber zehn Jahre professionell Paintball gespielt hat, versteht das Problem nicht: «Es spritzt kein Blut, es ist nicht gefährlich.» Es sei doch besser, als wenn die Jugendlichen vor dem Computer sässen. In der Schweiz und somit in Reinach ist ein Verbot auch kein Thema. Im Reinacher Bauinspektorat drückte man sogar ein Auge zu, als die Laserarena ihren Betrieb ohne Umnutzungsbewilligung aufnahm. Dies wurde mittlerweile nachgeholt.

www.laser-arena.ch/basel