Merken Sie sich diese Zahl»: So eröffnete Isaac Reber die gestrige Präsentation der Baselbieter Kriminal-Statistik 2015. Und dann kam sie auch gleich, die Zahl, die den Sicherheitsdirektor erfreut: minus 29 Prozent. Um diesen Wert gingen die Einbruch-Diebstähle zurück, die im vergangenen Jahr im Landkanton registriert wurden. In den Vorjahren war der Wert immer nur gestiegen, drei Jahre in Folge.

Das zweite grosse Minus, das gestern in Liestal verkündet wurde, betrifft die Gesamtzahl aller erfassten Delikte. Sie gingen um 16 Prozent zurück – das sind 2636 Delikte weniger. Beim Total ist der Rückgang zwar weniger ausgeprägt als bei den Einbrüchen, aber trotzdem bemerkenswert.

Besser als der Schweizer Schnitt

Baselland ist also sicherer geworden. Und steht im landesweiten Vergleich gut da: Im Schnitt gingen in den Kantonen die Delikte «nur» um 7 Prozent zurück. Neu liegt das Baselbiet bei der Kriminalitäts-Belastung mit 59 Straftaten pro 1000 Einwohner deutlich unter dem Schweizer Schnitt von 56 (Basel-Stadt: 110 Delikte pro 1000 Einwohner, Solothurn 61, Aargau 42).

Martin Grob, Leiter der Hauptabteilung Kriminalitätsbekämpfung, gab aber zu bedenken, man dürfe die guten Werte nicht überbewerten: «Wir haben es mit Wellenbewegungen zu tun – die Schwankungen können wir nicht restlos erklären.»

Damit legte Grob nahe, dass das Pendel im kommenden Jahr wieder auf die andere Seite ausschlagen könnte. Auch Reber hatte in seiner Begrüssung gewarnt: «Schon das Halten der Zahlen wird schwierig.»

Und trotzdem: Der Rückgang bei den Einbruchsdiebstählen ist kein Zufallsergebnis, sondern auf die grossen Bemühungen der vergangenen Jahre punkto Einbruchs-Bekämpfung zurückzuführen. Mark Burkhard, Kommandant der Baselbieter Polizei, erwähnte unter anderem die im September 2014 eingeführte Analyse-Software «Precobs», die Einbrüche räumlich bis zu einem gewissen Grad vorhersagen kann, und die kurz darauf gestartete Aktion «Ladro» mit alleine im vergangenen Jahr rund 6000 Fahrzeug-Kontrollen. Und mit «Mobile Computing» ist bereits die nächste Massnahme geplant: Künftig soll es möglich sein, auf Patrouille Personendaten abzufragen – hierfür müssten die Fahrzeuge aber entsprechend teuer aufgerüstet werden.

Mit der Konzentration auf Einbrüche sei jedoch auch die Präsenzzeit auf bestimmten Polizeiposten zurückgegangen, gab Burkhard zu bedenken. Und trotz massivem Personaleinsatz sei die Wirkung der Aktionen nicht nachhaltig: «Die Aktionen müssen also unvermindert weitergeführt werden.»

Bei der Herkunft der Einbrecher gibt es keine Überraschungen. Weiterhin stellen Tatverdächtige aus Südost-Euopa die Mehrheit. An erster Stelle steht Rumänien (18 Personen), danach folgen Serbien/Montenegro (13), die Schweiz (11) und Albanien (10).

Verlagerung der Einbrüche

Der Verdacht steht im Raum, dass die Einbrecher verstärkt abgeschreckt und in andere Gebiete «abgewandert» sind. Wie im Baselbiet ist jedoch auch im Kanton Solothurn die Zahl der Einbrüche zurückgegangen, ebenso in Baden-Württemberg (siehe Kasten rechts). In Basel-Stadt hingegen sind die erfassten Einbrüche und Einbruchs-Versuche im letzten Jahr nicht gesunken, sondern sogar leicht gestiegen. Ob es sich hierbei um einen Verlagerungs-Effekt handle, konnte Polizei-Kommandant Mark Burkard nicht bestätigen. Es stimme aber, dass sich Kriminal-Touristen über die Lage in den Zielgebieten erkunden und bei Bedarf ausweichen würden.

Einen Export an Kriminalität gab es aber trotzdem zu vermelden – nicht bei den Einbrechern, aber bei der Jugend-Kriminalität. Es sei schon so, sagte Sicherheitsdirektor Reber, dass die «grossen Sausen» in Basel stattfänden («Ich sage nur Steinen oder Heuwaage»). So würden gerade Gewaltdelikte zumindest teilweise exportiert. Im Baselbiet ging die Zahl der erfassten Straftaten von Jugendlichen im vergangenen Jahr um 39 Prozent zurück. «Es zahlte sich offenbar aus», sagte Isaac Reber, «dass wir vor einigen Jahren beim Jugenddienst der Polizei eine Präventionsstelle aufstockten.»

Erfreulich ist, dass die Zahl der schweren Gewalt-Delikte gesunken ist. Zwei Tötungsdelikte wurden registriert (2014: 1), wobei es sich beim einen um eine Täuschung handeln könnte, wie Burkard zu bedenken gab. Im anderen Fall handelt es sich um die 64-jährige Frau, die am 12. November 2015 in Frenkendorf erstochen wurde. Unter dringendem Tatverdacht steht ein verurteilter Doppelmörder.

Einen geringen Anteil an allen Straftaten haben die Asylbewerber: Sie machen bloss 3 Prozent der Tatverdächtigen aus. Schweizer stellen mit 48 Prozent die Mehrheit, dahinter folgen mit 27 Prozent in der Schweiz wohnende Ausländer.