Gäbe es in den beiden Basel eine Kreativliste mit jenen Persönlichkeiten, die die Region in den letzten Jahren positiv geprägt haben, stünde die Baslerin Barbara Buser ganz oben. Denn ihr Name steht für die erfolgreiche Umnutzung ausgedienter Industriebrachen wie Gundeldinger Feld in Basel, Walzwerk in Münchenstein oder Hanro in Liestal in lebendige Gewerbeareale. Und gleichzeitig steht bei der ehemaligen Brauerei Ziegelhof in Liestal und neuerdings auch dem Coop-Verteilzentrum in Pratteln sowie der einstigen Uhrenfabrik Revue Thommen in Waldenburg ihr Name für die Hoffnung, dass gleiches ebenfalls gelinge.

Die Hoffnungen sind berechtigt, denn noch nie ist Buser mit einem solchen Projekt gescheitert. Wobei die Voraussetzungen natürlich ganz verschieden sind: In einem peripheren Ort wie Waldenburg ein altes, grosses Fabrikgebäude mit gewerblichen Mietern zu füllen, ist ungleich schwerer als in Basel oder Liestal. Trotzdem lässt sich Buser nicht abschrecken: Gestern Abend startete sie in Waldenburg mit einem ersten runden Tisch mit zwei Dutzend potenziellen Interessenten.

Zeitlich am intensivsten beschäftigt Buser derzeit aber das Ziegelhofareal. Und dieses Projekt ist ein grosses Stück weit typisch für ihr Vorgehen: Ein Investor, in diesem Fall die Pensionskasse CoOpera, die bereits bei der Hanro mit Buser zusammengearbeitet hatte, kaufte das seit Jahren leerstehende Firmengelände und beauftragte Buser respektive ihre Firma Denkstatt mit der Arealentwicklung. «Denkstatt» berief eine Zukunft- und eine Ergebniskonferenz mit annähernd 100 Beteiligten ein; derzeit geht es um die Zwischennutzung und die Umsetzung der Resultate. Um den Ziegelhof in ein lebendiges Geflecht aus Gewerbe, Wohnen und Kultur zu verwandeln, braucht es allerdings auch bauliche Veränderungen mitsamt einem neuen Quartierplan.

Keine Billigware aus Deutschland

Dafür wiederum ist Busers zweite Firma, das Baubüro Insitu, zuständig. Insitu ist lateinisch und heisst vor Ort. Und genau das entspricht Busers Philosophie: Ihre Leute sollen nicht vom Firmensitz auf dem Gundeldinger Feld in Basel aus arbeiten, sondern am Ort des jeweiligen Projekts. Deshalb sind jetzt drei «Insitu»-Mitarbeiter in Liestal in den ehemaligen Ziegelhofbüros tätig, wo sie unter anderem die energetische Sanierung des Ziegelhofs vorantreiben, Behördengespräche führen und mit Zwischennutzern und Dauermietern bauliche Fragen klären. Dazu gehört die Renovation der Wohnhäuser an der Lindenstrasse; das sind jene Vorstadt-Häuser, die dem Vorgängerprojekt mit grossem Coop-Einkaufszenter hätten weichen müssen, jetzt aber stehen bleiben. Womit wir bei einem weiteren Grundsatz von Busers Wirken sind. Die Architektin mit ETH-Abschluss sagt: «Wir lassen bei unsern Projekten immer möglichst viele Gebäude stehen, sanieren sie oder bauen sie um. Sie abzureissen wäre dagegen in den meisten Fällen eine Verschwendung von Ressourcen.»

Aber auch bei der Vermietung geht Buser eigene Wege: An der Lindenstrasse sind junge Leute in ein Wohnhaus eingezogen, die dieses nun renovieren und dafür weniger Miete zahlen. Buser hält jedoch fest: «Wir machen Vorgaben. So müssen die Ersatzteile bei der Bauteilbörse und nicht billig in Deutschland eingekauft werden.» Die Bauteilbörse auf dem Basler Dreispitzareal, die es seit 1995 gibt, war Busers erstes Projekt in der Region.

Der Liestaler alt Stadtrat Heiner Karrer, der bei der Hanro-Umnutzung eng mit Buser zusammenarbeitete und jetzt auch beim Ziegelhof lose involviert ist, sagt: «Barbara ist eine Frau mit einer starken Mission, ohne missionarisch zu sein. Sie stellt sich die bauliche Entwicklung von Orten sehr genau vor, predigt aber nicht, sondern verpackt ihre Vorstellungen in Projekte.» Dabei übernehme sie Verantwortung für bestehende Bausubstanz und Sozialstrukturen. Sie trage aber auch Verantwortung für ihre 100 Mitarbeiter und er bewundere die Souveränität, mit der sie dies tue. Karrer beschreibt Buser im Weitern als eine Künstlerin beim Knüpfen von Kontakten und als lebensfreudigen, humorvollen Menschen.

Auch der Basler alt Regierungsrat Christoph Stutz, der mit Buser bei diversen Projekten, unter anderem beim Ziegelhof, zu tun hatte, äussert sich nur positiv: «Sie ist eine sehr kompetente, kreative und zielorientierte Dame.» Und sie ist ausgesprochen offen für Neues, ist zu ergänzen. So auch jetzt, da die 63-Jährige kurz vor der Pensionierung steht. Die Nachfolge sei aufgegleist, sagt sie, wobei ihr langjähriger Kompagnon und Mitgründer von «Denkstatt» und «Insitu», Eric Honegger, im Vordergrund steht. Die eigene Zukunft sieht Buser vor allem in Portugal.

Doppeldeckerbus als Werkstatt

Busers Durst nach Neuem ist alt. Als junge Frau studierte sie nicht zuletzt deshalb an der ETH Architektur, um aus dem heimatlichen Basel rauszukommen. Später wollte sie nach Afrika auswandern, was sie zumindest für ein Jahrzehnt auch tat. Zuerst baute sie für das Heks drei Jahre lang Brunnen im Sudan, dann liess sie sich in Tansanias Hauptstadt Dar es Salaam auf ein ebenso unkonventionelles Projekt ein wie ihre jetzigen Arealentwicklungen: Im Auftrag des Bundes leitete sie die Sanierung des Universitätscampus, dessen Gelände so riesig war, dass ein Handwerker Stunden brauchte, um von einem entlegenen Gebäude zu Fuss den vergessenen Schraubenschlüssel in der Werkstatt zu holen.

Busers Pragmatismus sorgte schnell für Verbesserungen. Sie stattete die 400 Mitarbeiter mit Velos und die Vorgesetzten mit Töfflis aus und beantragte in Bern 4000 Franken für einen ausgedienten Londoner Doppeldeckerbus als fahrbare Werkstatt. Was angesichts des Schweizer Beitrags von zehn Millionen Franken an die Sanierung ein lächerlicher Betrag war, stiess in Bern auf Widerstand. So wurde auf Busers Antragspapier aus dem Bus ein – bewilligbarer – Container auf Rädern, auf dem Uni-Areal verkehrte aber dann mit Erfolg der Doppeldeckerbus. Die Arbeitsmoral des Personals besserte sie mit Leistungslöhnen und Boni auf, bis der Uni-Rektor reklamierte, dass er weniger als ein Maler verdiene. Der direkte, ungefilterte Kontakt zu den Leuten war Buser schon in Afrika wichtig. Das Resultat: Sie spricht mittlerweile nebst deutsch, französisch, englisch und portugiesisch auch Suaheli und Azande.

In Afrika stellte Buser auch ihre familiären Weichen neu: Sie lernte Max Honegger, den Vater ihres heutigen Geschäftspartners, kennen, mit dem sie inzwischen auch eine Tochter hat. Anfang der 1990er-Jahre wollten die Beiden nach Europa zurück, zur Diskussion standen Portugal und die Türkei. Die zunehmenden Kopftücher in der Türkei gaben für Buser den Ausschlag zugunsten von Portugal, wo das Paar danach drei Jahre lebte, ein Haus mit landwirtschaftlichem Umschwung und einen Rebberg besitzt.

Und jetzt also wieder Portugal, aber nicht im verdienten Liegestuhl. Nein, Buser will die biologisch-dynamische Landwirtschaft fördern. Das mit einem vor zwei Jahren gestarteten Saatgutprojekt, bei dem in Zusammenarbeit mit der staatlichen portugiesischen Saatgutbank alte Tomaten-, Gurken- und Kürbissorten erhalten und verbreitet werden. «Eine Rückbesinnung auf die eigenen Wurzeln ist wichtig und macht unabhängig von den grossen Saatgut-Multis», sagt Buser. Noch in diesem Jahr will sie für das Projekt eine Stiftung gründen, die zusätzliche Ländereien erwerben soll. Und wie bei allen ihren Projekten gilt auch hier: finanzieller Gewinn ausgeschlossen.