«Die Initiative steht quer in der Landschaft», sagte Hanspeter Weibel (SVP), Präsident der landrätlichen Geschäftsprüfungskommission, am Montag an einem Podium zur Bruderholz-Initiative. «Wir dürfen den Fortschritt nicht politisch bremsen.»

Gebremst wird der Fortschritt in seinen Augen von der Bruderholz-Initiative, über die am 21. Mai abgestimmt wird. Sie fordert: Das Kantonsspital Baselland (KSBL) sichert die Grundversorgung in Laufen und die erweiterte Grundversorgung an den Standorten Bruderholz und Liestal im stationären und ambulanten Bereich.

Dazu wurde am Montagabend in der Aula des Bottminger Burggarten-Schulhauses eifrig diskutiert, dies unter der Leitung von Bojan Stula, dem stellvertretenden Chefredaktor der Basellandschaftlichen Zeitung. Eingeladen hatten die FDP-Sektionen von Binningen und Bottmingen.

Hans Kummer vom Komitee «Ja zum Bruderholzspital», ein ehemaliger Chefarzt am «Hölzli», wie das Spital von den Mitarbeitern genannt wird, kann die geplante Redimensionierung nicht nachvollziehen. «20 000 Notfälle versorgt das Bruderholzspital jährlich», rechnete er vor, «die kann das Unispital mit seinen heute schon 60 000 Notfällen nicht auch noch aufnehmen.» Die geplante Permanence auf dem Bruderholz leiste eben nicht, was eine herkömmliche Notfallstation zu leisten vermag.

Sie bleibe eine Hausarzt-Notfallstation mit Gemeinschaftspraxis für nicht vordringliche Fälle. Ein Einzugsgebiet von 180 000 Einwohnern habe aber das Anrecht auf ein eigenes Spital mit erweiterter Grundversorgung.

Hanspeter Weibel hielt dem entgegen, dass bereits heute drei Viertel der Bevölkerung im Einzugsgebiet ein anderes Spital wähle. Er nannte das «abstimmen mit den Füssen». Sven Inäbnit (FDP), Vizepräsident der landrätlichen Volkswirtschafts- und Gesundheitskommission, ergänzte, es handle sich letztlich um elf Fälle pro Tag, die noch stationär aufgenommen werden müssten.

Rahel Bänziger (Grüne), Präsidentin der landrätlichen Volkswirtschafts- und Gesundheitskommission, warnte, «ein Ja würde das Ende des Standorts Bruderholz bedeuten». Sie sieht das Dreifache an Kosten entstehen und einen Landrat, der die nötigen Gelder nicht spricht.

Ferdinand Martius, ehemals Arzt in leitender Stellung am «Hölzli», fürchtete, die Abbaupläne hätten «mit reeller Medizin nichts mehr zu tun». Hans Kummer sprach von einer Planung, «die weitgehend losgelöst von der Realität» sei. Stefan Isenschmid, Regionalsekretär der Gewerkschaft Syna, warf ein, eine Permanence garantiere nicht für Qualität. «Es müssen die nötigen Fachleute präsent sein.»

Direktbetroffene im Publikum

Die Finanzierbarkeit spielte eine übergeordnete Rolle. Zumindest aufseiten der Initiative-Gegner aus dem Landrat. Und es werde nochmals teurer, wenn am Standort Bruderholz gemäss den Initianten festgehalten werde, sagte Rahel Bänziger. «Wir können nur günstiger werden, wenn wir die Angebote konzentrieren. Dem Gesundheitswesen bläst ein eisiger Wind entgegen.» Man müsse die Chance packen, dass nun die Gesundheitsdirektoren von Baselland und Basel-Stadt an einem Strick ziehen.

Die Veranstaltung stiess auf reges Interesse. Im Publikum sassen mehrere Gemeinderäte sowie Ärzte und Personal des Bruderholzspitals. Eine von Bojan Stula spontan durchgeführte, natürlich nicht repräsentative Abstimmung im Saal ergab eine leichte Mehrheit für die Gegner der Bruderholz-Initiative.