• Die Aussage von Kurt Pelda, des Basler Kriegsreporters und Schweizer Journalisten des Jahres 2014, hat in Liestal viele aufgeschreckt: Der Baselbieter Hauptort sei ein Hotspot für Islamisten. Stadtpräsident Lukas Ott hat leer schlucken müssen, als er diese Zeilen in der bz vom vergangenen Freitag las. «Da wird etwas hochgekocht, das so der Realität nicht entspricht», kommentiert Ott auf Anfrage der bz.

Gewaltverherrlichende Videos

Auch bei der Baselbieter Sicherheitsdirektion (SID) stossen die Äusserungen Peldas auf Kritik: Der Begriff Hotspot insinuiere deutlich mehr, als das tatsächlich der Fall sei, sagt SID-Sprecher Adrian Baumgartner. «Diese Behauptung ist weder belegt, noch entspricht sie unserer Wahrnehmung.» Die Szene, sofern man denn von einer sprechen könne, stehe aber unter Beobachtung von Spezialisten der Baselbieter Polizei, heisst es weiter. Man wolle weder dramatisieren noch beschönigen, führt Stadtpräsident Ott weiter aus. Man nehme aber in einem eng begrenzten Umfeld sehr wohl Gruppierungen wahr, die im Verdacht stehen, extremistisch tätig zu sein oder sich zu radikalisieren. Aus ermittlungstaktischen Gründen gebe man keine Details preis, sagt Ott.

Im Kontext des Terrors durch die dschihadistisch-salafistische Organisation Islamischer Staat (IS) hat sich die Baselbieter Staatsanwaltschaft bisher mit einem einzigen Fall beschäftigt: Ein junger Sympathisant mit Wohnsitz Baselland postete gewaltverherrlichende Anwerbungsvideos für den IS im Internet. Der Fall sei an die Bundesanwaltschaft weitergeleitet worden, sagt SID-Sprecher Baumgartner. In der Schweiz ist der IS verboten. Damit sind auch sämtliche Propaganda-, Anwerbungs- und Unterstützungsaktivitäten illegal.

Hassprediger in Liestaler Moschee

Bereits im Januar sprach Regierungspräsident und SID-Vorsteher Isaac Reber von einer «tiefen einstelligen Zahl Dschihadisten» im Baselbiet, also Personen, die bereit sind, den «Heiligen Krieg» in Organisationen wie dem IS oder al-Kaida aktiv zu unterstützen. Lukas Ott verweist auf einen Liestaler IS-Sympathisanten, der Richtung Irak und Syrien ausgereist ist. Es handelt sich dabei um einen türkischstämmigen Secondo. Schweizweit ist von 60 bis 70 Dschihadisten die Rede.

Neben den bloss vereinzelt auftretenden Dschihadisten sind im Umfeld von Moscheen salafistische Strömungen wahrnehmbar. Als Anhänger einer fundamentalistischen Auslegung des Islam lehnen die Salafisten die demokratische Grundordnung der Schweiz ab, zumindest öffentlich treten sie in der Regel nicht gewaltbereit auf. In einer viel beachteten Studie der ETH-Forschungsstelle für Sicherheit wird der Liestaler Kandil-Verein explizit erwähnt. Dessen Gebetsraum an der Oristalstrasse 85 sei ein einschlägig bekannter Versammlungsort für Schweizer Salafisten, heisst es in der Studie. Die Moschee befindet sich in einem Gewerbegebiet am Ortsausgang Liestals Richtung Büren, ist aber von aussen nicht als solche erkennbar. Vielen Liestalern dürfte bisher nicht bekannt gewesen sein, dass es neben der traditionsreichen und moderat geltenden Islamischen Glaubensgemeinschaft im Palazzo noch eine zweite gibt. Im Gebetsraum des Vereins Kandil, wo vor allem Muslime vom Balkan beten, haben laut Studie und Zeitungsberichten wiederholt radikale Prediger Vorträge gehalten. So etwa der Berliner Salafist Ahmud Abul Baraa oder der aus dem Kosovo stammende Imam Mazllam Mazllami.

Unklare Rolle von Radio Dawa

Auf Youtube dokumentiert ist ferner der Liestaler Auftritt des bekannten islamistischen Konvertiten und Ex-Boxers Pierre Vogel. Ob dieser im Raum des Kandil-Vereins stattgefunden hat, bleibt offen. Ebenso, ob Verbindungen von Mitgliedern des Vereins zu Radio Dawa bestehen, einer offensichtlich aus der Region Basel betriebenen Website. «Radio Dawa sympathisiert zumindest mit dem IS und al-Kaida. Das lässt sich aus den Posts auf der Website schliessen», sagt Kurt Pelda.

«Wir haben Kenntnis davon, dass beim Verein Kandil ein radikaler Prediger aufgetreten ist», sagt dazu Lukas Ott. Er warne aber davor, deswegen die Gläubigen, die an der Oristalstrasse beten würden, unter Generalverdacht zu stellen. Kurt Pelda sieht das genauso: «Selbst in jenen Moscheen, in denen Extremisten beten, sind diese klar in der Minderheit.» In der erwähnten ETH-Studie heisst es allgemein, dass die Radikalisierung mehrheitlich in privaten Gebetsräumen und den wenigen konservativen Moscheen stattfinde. Die meisten Schweizer Moscheen lehnten Extremismus ab.

Zusammenfassend findet Lukas Ott, dass sich die Situation in Liestal wohl nicht von jener anderer Schweizer Kleinstädte unterscheide. In diesem Punkt ist Kurt Pelda anderer Meinung: Gewiss sei Liestal nicht der einzige Schweizer Islamisten-Hotspot, präzisiert er seine Aussagen von vergangener Woche. Er sieht ähnliche Tendenzen in einem halben Dutzend anderer Schweizer Städte wie Biel, Winterthur oder Dietikon. «Klar ist für mich aufgrund meiner Recherchen aber, dass es in Liestal und Umgebung ein Islamisten-Nest gibt.»