Das Traktandum kommt in den Unterlagen zur Arlesheimer Gemeindeversammlung ziemlich unscheinbar daher. Die Stimmberechtigten sollen die rechtlichen Grundlagen für die Verlängerung der Talstrasse nach Norden bis zur Gemeindegrenze zu Münchenstein schaffen. Die Strasse würde durch ein Gewerbegebiet führen.

Das Trassee dafür freizuhalten, ist nur eine kleine Änderung im Strassennetzplan. Doch diese könnte ein entscheidender Schritt für eine grossräumige Umstellung des Verkehrs im Raum Arlesheim-Münchenstein-Dornach bedeuten. Denn Münchenstein hat bereits auf der anderen Seite der Gemeindegrenze etwas Vergleichbares beschlossen: Die Verlängerung der
Aliothstrasse bis nach Arlesheim. Die beiden zusammengeschlossenen Verlängerungen sollen eine neue Verbindung parallel zur Bahnlinie schaffen.

Mehr als lokale Bedeutung

Vorerst geht es den beiden Gemeinden darum, ihre Gewerbegebiete besser an die Sundgauerbrücke und so an die Autobahn A 18 anzuschliessen. Die Anzahl Arbeitsplätze in den Arealen entlang der Birs wird nämlich voraussichtlich steigen. Unter anderem findet im Schoren demnächst der Spatenstich für das Gewerbezentrum Uptown Basel statt. «Die neue Strasse ist wichtig, um die neuen Gewerbebauten zu orientieren», sagt der Arlesheimer Gemeindepräsident Markus Eigenmann (FDP).

Vor allem aber soll die neue Verbindung die jetzige Kantonsstrasse entlasten, die auf Hänghöhe durch Münchenstein (Hauptstrasse) und hoch nach Arlesheim Dorf (Baselstrasse) führt, um wieder zurück nach Dornach zu gehen (Birseckstrasse). Die Talstrasse soll den Verkehr zwischen Münchenstein und Dornachbrugg aufnehmen. «Es gibt eine Absichtserklärung der beiden Gemeinden und des Kantons, eine Kantonsstrasse im Tal zu führen», sagt Eigenmann.

Nur für die Erschliessung der Gewerbegebiete würde eine Gemeindestrasse reichen. Doch die geplante Verbindung entlang der Bahn hätte mehr als lokale Bedeutung, weshalb der Kanton sie übernehmen würde. Das ist laut der Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD) die Absicht. Deshalb soll sie auch von Anfang an den Normen einer Kantonsstrasse entsprechen, etwa bezüglich Breite und Grundwasserschutz.

Noch nichts definitiv

Definitiv beschlossen ist die Übernahme durch den Kanton aber nicht. «Gegenwärtig wird unter Federführung des Kantons und unter Einbezug der beiden betroffenen Gemeinden Arlesheim und Münchenstein eine Planungsstudie zur Talstrasse als Kantonsstrasse erarbeitet», heisst es in der BUD. Vorgesehen ist, dass die Gemeinden zumindest den Abschnitt entlang des Bahntrasses in einem ersten Schritt selber finanzieren – wobei laut Eigenmann die Besitzer der Gewerbeflächen angetönt haben, sie könnten die Strasse selber vorfinanzieren, damit es schneller geht.

Ebenso noch nicht definitiv ist, ob danach der Kanton die Haupt- und Baselstrasse den beiden Gemeinden im Tausch übergibt. Derzeit spricht nichts dagegen, denn der Kanton möchte es tun. «Es gibt eine mündliche Abmachung, dass uns der Kanton die Hauptstrasse überlässt», sagt Andreas Berger, Leiter der Abteilung Raum und Umwelt in Münchenstein.

Davon würde vor allem der Münchensteiner Ortskern profitieren, der von einem Teil des Durchgangsverkehrs befreit würde. Denn dort fährt derzeit alles, was nicht auf der Autobahn A 18 ist, und die Strasse schlängelt sich durch den teilweise engen Münchensteiner Ortskern. «Es ist derzeit nicht wohnlich dort», sagt Berger. «Wir könnten den Ortskern für andere Ideen nutzen.» Auf ihrer eigenen Strasse könnte die Gemeinde Verkehrsberuhigungsmassnahmen ergreifen, zum Beispiel Tempo 30.

Umständlicher Umweg

Für den Verkehr mit Ziel Arlesheimer Ortskern ist die neue Strasse im Tal allerdings kaum geeignet. Aus Richtung Basel her kommend, wäre der Umweg über die Birseckstrasse zu umständlich. Die Arlesheimer müssten sich also weiterhin durch den Münchensteiner Ortskern zwängen. Trotzdem ist Gemeindepräsident Eigenmann nicht grundsätzlich gegen eine Verkehrsberuhigung der Hauptstrasse in der Nachbargemeinde. «Zumindest im Ortskern wäre das durchaus sinnvoll», sagt er. «Wenn Münchenstein die ganze Strasse beruhigen will, müsste man das prüfen.»

Umsetzung dauert

Bis die neue Talstrasse in Betrieb genommen wird und die Verkehrsentlastung in Münchenstein wirkt, dürfte es aber noch einige Jahre dauern. Die ersten verbindlichen Beschlüsse auf Ebene Landrat seien voraussichtlich im Jahr 2021 zu erwarten, heisst es aus der BUD. Bei idealem Projektverlauf sei die Erreichung der Rechtskraft des Projekts 2024 möglich. «Nach heutigem Kenntnisstand ist bei zügiger Weiterbearbeitung des Projekts eine Inbetriebnahme der Kantonsstrasse im Tal im Zeitfenster von 2025 bis 2030 zu erwarten.»