Gut 500 Meter Fussweg trennen die Haltestelle der Waldenburgerbahn (WB) beim Bad Bubendorf vom Bubendörfer Dorfeingang, wo die ersten Wohnhäuser stehen. Das scheint dem Bubendörfer Gemeinderat nicht besonders sinnvoll. «Darum haben wir, als es vor ein paar Jahren um die Zukunft der Waldenburgerbahn ging, angeregt, die Haltestelle zu verschieben», erzählt Gemeindepräsident Erwin Müller. «Doch damit stiessen wir auf taube Ohren.»

Ungefähr beim Kreisel Drei Linden vor dem Dorfeingang, nahe des grossen Migros-Supermarkts, sollte die Haltestelle platziert werden, stellten sich die Gemeinderäte vor. Dazu hätte die Waldenburgerbahn zwischen Altmarkt und Talhaus einen kleinen Bogen weg von der Kantonsstrasse, entlang derer sie zurzeit verläuft, machen müssen. «So wurde die Linie früher bereits geführt», weiss Müller, auch wenn das lange vor seiner Zeit gewesen sei.

Hinter dem Vorschlag aus Bubendorf steckt aber keine Nostalgie, sondern praktische Überlegungen: «Viel mehr Bubendörfer würden bei dieser Linienführung das Waldenburgerli wählen», glaubt Müller. «Dieses wäre so besser ausgelastet, die sehr stark frequentierte Buslinie 70 dafür etwas entlastet.»

«Dieser Zug ist abgefahren»

Doch diese Überlegungen bleiben nach der abschlägigen Antwort vorerst Träumerei. «Dieser Zug ist abgefahren», sagt Müller. Denn 2018 beginnen bereits die ersten Arbeiten im Zusammenhang mit der Erneuerung der Waldenburgerbahn, die bis Ende 2022 dauern soll. Überall entlang der 13 Kilometer langen Strecke werden dabei neue Schienen verlegt, um die Bahn von einer 75-Zentimeter- auf eine 1-Meter-Spur umzurüsten. Der Bogen bei Bubendorf ist in diesen Plänen nicht enthalten.

«Eine Verlegung würde nun eine komplette Neuplanung mit Landerwerb und allem, was dazugehört, bedeuten», schreibt Dieter Leutwyler von der Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion auf Anfrage. «Dies ist bis 2022 völlig unrealistisch und die Mehr-Investitionen wären unverhältnismässig.» Mit welcher Begründung es der Bogen, der gemäss Leutwyler bereits in den 80er-Jahren einmal Thema gewesen sei, nicht in das Gesamterneuerungsprojekt geschafft hat, war aufgrund von Abwesenheiten während der Feiertage nicht in Erfahrung zu bringen.

Mehr Auslastung für Investition

Welche Überlegungen auch immer dahinterstecken, für BLT-Direktor Andreas Büttiker ist klar: «Das ist eine riesige verpasste Chance.» Die BLT hat das Waldenburgerli 2016 übernommen. Wäre die Fusion ein paar Jahre früher vollzogen worden und die Gemeinde Bubendorf auf ihn zugekommen, so sagt Büttiker, hätte er die Idee auf jeden Fall geprüft. «Mit dieser neuen Linienführung hätte man wahrscheinlich einen Drittel der Bevölkerung Bubendorfs anbinden können und auch die Einkaufsgelegenheiten beim Dorfeingang wären für Kunden aus dem Waldenburgertal besser erschlossen worden.»

Dies hätte auch die Auslastung der Waldenburgerbahn verbessert, betont Büttiker. «In Zeiten, in denen über Sparmassnahmen und Deckungsgrade beim öV diskutiert wird, ist das nicht zu unterschätzen. Und auch im Hinblick auf die fast 300 Millionen, die die Erneuerung der Waldenburgerbahn in den kommenden Jahren kosten wird, ist das entscheidend: Mit einer höheren Auslastung wäre der Return auf diese Investitionen viel grösser.»

Thema ist erledigt

Andreas Büttiker räumt ein: «Vielleicht hätte es Hindernisse gegeben, die gegen einen solchen Bogen sprechen. Aber um das herauszufinden, hätte man diesen Vorschlag ernsthaft prüfen müssen. Das ist nicht passiert.» Dass die neue Linienführung für die Waldenburgerbahn nun gestorben ist, akzeptiere er, betont der BLT-Direktor. «Würde man sie nachträglich noch in die Gesamterneuerung einbetten wollen, würde sich diese stark verzögern und der Einführungstermin im Dezember 2022 wäre gefährdet. Den Bogen nach der Gesamterneuerung noch zu bauen, wäre ebenfalls unrealistisch. Damit hat sich das Thema erledigt.»

Das hat es sich auch für Gemeindepräsident Erwin Müller, obwohl der Bubendörfer das noch immer sehr bedauert. «Natürlich war es eine ausgefallene Idee», sagt er. «Aber man kann nicht immer in den alten Spuren verharren.» Das macht das Waldenburgerli schliesslich auch nicht.