Das 420-Seelen-Bergdorf Titterten will einfach nicht zur Ruhe kommen. Anfang Dezember 2018 ist Gemeinderat Thomas Moor Hals über Kopf zurückgetreten; der Sitz ist nach zwei Urnengängen noch immer vakant. Im Januar hat die vierköpfige Rechnungs- und Geschäftsprüfungskommission angekündigt, dass sie in globo demissionieren werde; Grund ist ein Zerwürfnis zwischen der Kommission und dem Gemeinderat.

Und nun ist die Exekutive auch noch mit einer Beschwerde konfrontiert. Diese richtet sich gegen den Beschluss der Gemeindeversammlung vom 11. Dezember, mit dem der Ausbau der Wasserversorgung für 500'000 Franken mit 46 gegen 22 Stimmen bewilligt worden ist. Zuvor scheiterte ein Antrag eines Einwohners, das Geschäft zurückzuweisen, mit 42 gegen 28 Stimmen.

Der Einspruch: Für einige überraschend

Dieser Stimmbürger präsentierte an der Versammlung eine kostengünstigere Variante und wollte mit seinem Rückweisungsantrag auch erreichen, dass sein Vorschlag ausgearbeitet wird. Mitte Januar erhielt der Titterter Gemeinderat vom Kanton Kenntnis von einer Beschwerde gegen dieses Geschäft. Gemeindepräsident Heinrich Schweizer will den Namen der Person nicht preisgeben. Gemäss Recherche ist es nicht der Einwohner, der mit seinem eigenen Vorschlag vor die Gemeindeversammlung getreten ist.

Schweizer zeigt sich überrascht vom Einspruch. «Die beschwerdeführende Person moniert, dass technische und wirtschaftliche Aspekte in der Abstimmungsvorlage nicht genügend abgeklärt worden seien.» Weiter kritisiere sie, die Diskussion sei zu wenig gut geführt worden und ein Teil der Meinungen sei nicht zum Tragen gekommen, berichtet der Gemeindepräsident. Dieser räumt ein, dass es an der Versammlung «ein bisschen turbulent» zu- und hergegangen ist. «Weil Diskussionsbedarf bestand, mussten sich Leute teils mehrmals melden, damit man ihnen das Wort erteilen konnte.»

Trockenheit gefährdet Wasserversorgung

Die Gemeindeversammlung Mitte Dezember dauerte zwar fast bis Mitternacht, doch das Traktandum für den Kredit zum Ausbau der Wasserversorgung kam nicht so spät dran. «Die Leute waren noch ziemlich wach, hatte man das Gefühl», erinnert sich Heinrich Schweizer.
Der Gemeinderat hat seine Stellungnahme zur Beschwerde eingereicht. Er lieferte den Protokollauszug, die Abstimmungsresultate und stellte seine Sicht der Dinge dar. Zum Inhalt der Beanstandung sagt Schweizer weiter: Sie sei vage formuliert, es gehe nicht wirklich daraus hervor, was die Person genau wolle. Die Regierung wird frühestens Ende dieses Monats entscheiden.

Durch dieses Intermezzo könnten sich die Arbeiten für die 555 Meter lange Wasserleitung vom Reservoir Sixfeld auf Liedertswiler Boden zum eigenen Reservoir Egg ob Titterten verzögern. Das Projekt hätte diesen Sommer realisiert werden und im Spätsommer in Betrieb gehen sollen. «Jetzt wird es halt ein paar Monate später.» Laut Heinrich Schweizer könnte es mit der Wasserversorgung Probleme geben, wenn die Trockenheit früh begänne oder eine Havarie geschähe. Das Risiko, dass so was passiere, sei aber nicht so gross.

Wegen eines Felssturzes im Herbst 2017 auf die Zufuhrleitung aus dem Quellgebiet Goldbrunnen im Wasserfallengebiet musste Titterten Wasser aus Tanklastwagen beziehen. Vergangenen Sommer konnte die einzige Quelle den Bedarf nicht abdecken.