Die Baselbieter Sekundarschulhäuser sind in einem schlechten Zustand. Vom Sanierungsbedarf weiss der Kanton spätestens, seit er die Gebäude 2008 von den Gemeinden übernahm. Baselland erhielt teilweise verlotterte Schulhäuser. Viele Gemeinden hatten keinen Rappen mehr in die Infrastruktur investiert, seit 14 Jahre zuvor entschieden worden war, dass sie in Kantonshand übergehen würden.

In der Zwischenzeit hat das Baselbiet viel Geld für Schulbauten aufgewendet. In Sissach und in Laufen liess der Kanton Neubauten errichten, mehrere andere Schulen wie diejenigen in Binningen, Birsfelden oder Muttenz wurden saniert. Dass noch viel zu tun ist, zeigt jetzt aber ein Auszug der «Anlageliste Bildungsbauten» der Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion, die der «Schweiz am Wochenende» vorliegt. Das Papier zeigt, dass es um die Erdbebensicherheit an den kantonseigenen Schulen nicht gut steht. Es fällt auf, dass das Hauptaugenmerk der Sanierungstätigkeit in den vergangenen Jahren auf den Gymnasien lag.

Die Standorte Oberwil, Münchenstein und Liestal wurden erdbebenertüchtigt. Unklar ist derweil die Situation in Laufen. Hier werden im kommenden Jahr die «allfälligen Erdbebenmassnahmen» erhoben, wie der Liste zu entnehmen ist. Weit fraglicher ist der Zustand der Sekundarschulhäuser. Bei 16 der 22 kantonalen Sekundarschulbauten, die auf der Liste figurieren, werden «allfällige» Mängel bei der Erdbebensicherheit ausgemacht. Das heisst: Bei diesen Gebäuden ist nicht ausgeschlossen, dass sie bei einem schweren Erdbeben einstürzen würden. Darunter fallen die Schulhäuser Breite sowie Lettenweg in Allschwil und die Standorte Gelterkinden, Liestal (Frenke und Burg), Münchenstein und Pratteln.

Acht Sekundarschulstandorte sollen im kommenden Jahr untersucht werden. Der Schweizerische Ingenieur- und Architektenverein (SIA) hat die Norm für die Erdbebensicherheit zuletzt aufs Jahr 2004 hin verschärft. Gebäude, welche diese Norm erfüllen, halten einem Erdbeben der maximalen Stärke stand, das in der Region Basel zu erwarten ist. Ein Beben mit der Stärke 6 bis 7 tritt in der Region Schätzungen zufolge alle 700 Jahre auf. Weil das letzte dieser Kategorie auf das Jahr 1356 datiert, naht statistisch gesehen die nächste vergleichbare Naturkatastrophe. Nicht auszudenken, welche Folgen der Einsturz eines Schulgebäudes hätte.

Basel-Stadt ist auf Kurs

Viele Lehrer und Eltern wollen, dass der Kanton Baselland bei der Erdbebensicherung der Schulen vorwärtsmacht und mit Basel-Stadt gleichzieht. Dieser hat die Schulreform Harmos und die neuen Raumbedürfnisse zum Anlass für grosse Investitionstätigkeiten genutzt. Bis 2022 werden im Stadtkanton insgesamt 790 Millionen Franken für Sanierungen und Neubauten aufgewendet – darin enthalten ist unter anderem die Erdbebenertüchtigung.

Bereits jetzt sind 49 der 63 Schulbauten erdbebengesichert. Und die Bautätigkeit geht weiter. Marc Keller, Sprecher des zuständigen Baudepartements, sagt: «Wenn alles nach Plan läuft, sind 2024 alle Basler Schulhäuser erdbebenertüchtigt.» In Baselland fehlen die Mittel für einen derart ehrgeizigen Fahrplan. Im zehnjährigen Investitionsprogramm sind ab 2021 zwar zusätzlich zehn Millionen Franken jährlich budgetiert. Doch für vier Sekundarschulhäuser wurde gar kein Geld eingestellt: Aesch, Arlesheim, Reigoldswil und Zwingen. Nur «teilweise» wurde gemäss dem internen Papier der Baselbieter Verwaltung das Geld für die Erdbebenmassnahmen an der Schulanlage Burg in Liestal eingestellt.

Es dürften also noch viele Millionen unbudgetierter Kantonsgelder dazu kommen. Unlängst sagte der Baselbieter Kantonsarchitekt Marco Frigerio in der bz, dass der Handlungsbedarf wohl gross sein werde. Schliesslich besitze der Kanton ein grosses Portfolio von Liegenschaften, die vor 1989 gebaut worden sind. Und seither wurden die SIA-Normen gleich zweimal verschärft. Alleine für die Bestandesaufnahme des gesamten Immobilienportfolios seien 800 000 Franken zu erwarten. Keine Prognosen will der Kanton aber darüber abgeben, wie viel die Erdbebenertüchtigung aller kantonseigenen Schulen kosten wird.