Knall bei den Baselbieter Freisinnigen. Die Partei teilte am Mittwoch Nachmittag per Communiqué mit, dass Präsident Paul Hofer der Parteileitung seinen Rücktritt bekannt gegeben hat – dies mit sofortiger Wirkung. Bloss Landrat bleibe er noch. Die offizielle Begründung: «Die starke berufliche Belastung als CEO eines global tätigen Start-up-Unternehmens, das sich in einer entscheidenden Aufbauphase befindet.»

Der 70-jährige Oberwiler Hofer hatte das FDP-Präsidium erst im August 2017 übernommen. Noch Mitte Oktober antwortete er in einem bz-Interview auf die Frage, ob sein Rücktritt in Griffnähe liege: «Überhaupt nicht.» Er fühle sich getragen von der Partei. Dabei gilt es als offenes Geheimnis, dass Hofer intern stark umstritten war und zuletzt als Parteipräsident keine gute Figur abgab. Nicht von ungefähr bewertete ihn die bz Anfang Oktober als den momentan schwächsten der Präsidenten der fünf grössten Baselbieter Parteien.

Schenker als Nachfolgerin?

Ob tatsächlich bloss die Arbeitslast der Grund für den überfallartigen Rücktritt ist, hätte die bz gerne Hofer selbst gefragt. Doch bereits kurz nach Bekanntgabe sass er im Flieger Richtung Melbourne, um an einer Sitzung seiner Firma Hutman Diagnostics teilzunehmen, weswegen er bis Redaktionsschluss nicht zu erreichen war.

Interimistisch übernimmt FDP-Landrätin Saskia Schenker das Amt. Die 39-jährige Itingerin sitzt bereits in der Parteileitung und ist Präsidentin der FDP Sissach und Umgebung. Auch ist sie im Wahlkampfteam des bürgerlichen Regierungs-Vierertickets aktiv. Sie sagt: «Die Parteileitung hat sich diese Situation nicht gewünscht. Selbstverständlich ist das für eine Partei nicht einfach, vor allem so kurz vor den Wahlen 2019.» Das Wichtigste sei deshalb, Kontinuität zu gewährleisten, weswegen sie sich auch zur Verfügung gestellt habe. «Ich stehe jetzt hin und werde mich für die FDP einsetzen.» Schenker sagt aber auch: «Ich könnte mir vorstellen, das Präsidium definitiv zu übernehmen.» Ihre definitive Wahl sei aber Sache des Parteitags.

Zumindest für die Übergangsphase erhält sie Unterstützung vom Fraktionschef im Landrat, Rolf Richterich: «Weil Saskia Schenker eine erfahrene Wahlkämpferin ist, schadet der Rücktritt von Paul Hofer der Partei nicht.» Richterich verteidigt sogar den Zeitpunkt: «Zuerst dachte ich auch, nur etwas mehr als drei Monate vor den kantonalen Wahlen sei unglücklich. Doch jetzt muss ich sagen, der Zeitpunkt ist gar nicht so schlecht.» Unmittelbar nach den Wahlen im April wäre Hofers Rücktritt dümmer gewesen, weil dann die Vorbereitungen der National- und Ständeratswahl im Herbst starten. Die kantonalen Wahlen von Ende März seien hingegen zu einem grossen Teil aufgegleist. So seien die Geldmittel zusammen und die diversen Teams am Arbeiten, so Richterich weiter.

Intern war Hofer umstritten

Für den Rücktritt als solchen zeigt Richterich volles Verständnis: «Ich bin auch Unternehmer und kann das nachvollziehen. Paul Hofer ist der Typ, der Vollgas gibt und nicht zurückschalten kann.» Persönliche innerparteiliche Querelen will Richterich nicht erlebt haben. Aber: «Jeder hat seine Art zu politisieren, damit muss man auskommen. Bei uns geht es nicht so zu und her wie beim FC Bayern.» Am schlimmsten wären programmatische Zwiste und das sei in der Parteileitung nicht der Fall. Schenker bestätigt: «Wir haben keine internen Querelen.»

Hinter vorgehaltener Hand üben einige Freisinnige allerdings Kritik an Hofer. Er sei innerhalb der FDP ein Fremdkörper geblieben und habe viel Geschirr zerschlagen – insbesondere bei der bürgerlichen Zusammenarbeit mit SVP und CVP. SVP-Präsident Oskar Kämpfer möchte sich auf Anfrage nicht zur «FDP-internen Geschichte» äussern. Wenn er sagt, dass sich für ihn an der bürgerlichen Zusammenarbeit nichts ändere, sagt dies allerdings auch etwas über den geringen Einfluss Hofers aus.

Die Einzige, die den Rücktritt Hofers explizit bedauert, ist CVP-Präsidentin Brigitte Müller-Kaderli: «Ich finde es traurig, denn ich habe gern mit ihm zusammengearbeitet.» Sie habe vor Hofers Abflug noch kurz mit ihm sprechen können, wolle das Gesagte aber lieber nicht öffentlich machen. Nur so viel sagt Müller: «Der Rücktritt kommt nicht allzu überraschend, wenn man die Entwicklung der FDP mitverfolgt hat. Ich habe Paul jedenfalls nie überlastet erlebt.»