Beim Sonnenpark in Pratteln ist die Stimmung getrübt. Das Pflegeheim geriet im Frühling in die Schlagzeilen, Mitarbeitende berichteten von Missständen in der Pflege und bei der Personalführung. Und noch immer kommt der Sonnenpark nicht zur Ruhe.

Seit Mitte Woche steht die Einrichtung ohne Chefin da. Die Geschäftsführerin Heike Jorkiewitz wird das Unternehmen verlassen. Senevita bestätigt die Beendigung des Arbeitsverhältnisses, gibt jedoch keine Informationen darüber preis, ob die Leiterin den Sonnenpark von sich aus verlassen hat oder ob sie entlassen worden ist.

Jorkiewitz sei nicht freiwillig gegangen – das sagt eine Sonnenpark-Mitarbeiterin zur «Schweiz am Wochenende». Sie will anonym bleiben, da sie Konsequenzen befürchtet. Jorkiewitz sei am Mittwoch per sofort freigestellt worden. Darauf weist zumindest hin, dass ihr Name bereits von der Sonnenpark-Webseite verschwunden ist. Dort wird nun Sandra Truffer als Geschäftsführerin ad interim aufgeführt.

Offenbar hat Jorkiewitz nicht einmal Zeit gefunden, die Angaben auf ihrem «Linkedin»-Profil zu ändern: Im sozialen Netzwerk war sie am Freitag weiterhin als Geschäftsführerin der Senevita Sonnenpark AG aufgeführt. 

Leiterin wollte nicht ins TV

Auch die Vorgänge im Zusammenhang mit einem kritischen Fernsehbericht über den Sonnenpark werfen Fragen auf. Die Sendung «Rundschau» des Schweizer Fernsehens strahlte am 10. Januar einen Beitrag zu Senevita Pratteln aus, einem von insgesamt 27 Standorten der Senevita-Gruppe in der Schweiz. Ein TV-Team durfte sich einen ganzen Tag lang im Pflegeheim und in den Alterswohnungen frei bewegen.

Die Geschäftsführerin jedoch bekamen die Zuschauer nicht zu Gesicht. Sie wurde zwar dabei gefilmt, wie sie das TV-Team in Empfang nimmt. Später wünschte sie jedoch, aus dem Beitrag herausgeschnitten zu werden. Der Beitrag musste also ohne die Chefin auskommen, was wohl nicht nur das Personal irritierte.

Insgesamt fiel der Beitrag verhalten positiv aus. Das Personal sei zwar eher unterdotiert und stehe unter Stress, es könne die Situation aber meistern. Die Bewohner würden herzlich und professionell behandelt. 

Dieses Bild entspreche aber nicht der Realität, sagen Angestellte, die sich nach den Dreharbeiten anonym bei der «Rundschau»-Redaktion meldeten. Sie erhoben schwerwiegende Vorwürfe. So hätten Bewohner Schlafmittel erhalten, damit sie für die Kamera ruhig gestellt sind. Eine Mitarbeiterin, die als kritisch gelte, sei von der Heimleitung aufgefordert worden, am Drehtag nicht zur Arbeit zu erscheinen, damit sie den Journalisten nicht begegne. 

Schon früher in der Kritik

Die Zustände im Sonnenpark seien «unwürdig und desaströs», wurde der Rundschau kolportiert. So würden Bewohner lange in verkoteten Betten liegen gelassen. Ursache der Missstände: Personalknappheit. Senevita nehme das bewusst in Kauf. Im Vordergrund stehe der Profit.

Die Aussagen decken sich zu grossen Teilen mit früheren Berichten. Die bz schrieb im Frühling mehrfach über mutmassliche Missstände in der Einrichtung mit insgesamt 45 Alterswohnungen und 48 Betten auf der Pflegestation. Interne Quellen sprachen von unhaltbaren Zuständen. Auch die Chefin stand in der Kritik. Heike Jorkiewitz würde einzelne Mitarbeitende bevorzugen und andere mobben. Eine ehemalige Angestellte sagte damals zur bz: «Psychisch sind alle am Anschlag».

Senevita dementiert abermals

Senevita distanzierte sich von den Vorwürfen. Die Anschuldigungen seien «völlig haltlos und komplett unbegründet». Das Unternehmen drohte auch mit rechtlichen Schritten wegen Verleumdung. Hannes Wittwer, CEO von Senevita Schweiz, sagte im April 2017 zur bz, er vertraue der Prattler Geschäftsleiterin «zu 120 Prozent».

Auch nach dem «Rundschau»-Beitrag reagierte Senevita prompt und publizierte auf ihrer Webseite ein Communiqué mit sieben Punkten. In diesen geht das Unternehmen mit Sitz in Muri bei Bern jedoch nicht auf die konkreten Vorwürfe ein, sondern verbleibt auf der allgemeinen Ebene und wirbt in eigener Sache. So betrage die Weiterempfehlungsquote aus der Bewohnerumfrage vom Oktober 2017 «erfreuliche 96 Prozent». Im vergangenen Jahr habe auch die Leiterin Pflege in der Geschäftsleitung Einsitz erhalten, womit die Pflege mehr Gewicht erhalte.

Im «Rundschau»-Bericht werden auch Mitarbeitende zitiert, die sagen, es sei nach der Ausstrahlung zu weiteren Kündigungen gekommen. Senevita schreibt, das sei nicht der Fall: Die Personalfluktuation am Standort Pratteln bewege sich im «üblichen Bereich».