Für die EBL (Genossenschaft Elektra Baselland) war auf die reinen Geschäftszahlen bezogen das Jahr 2011 durchzogen: Der Umsatz stieg zwar um 10 Prozent auf 172 Millionen Franken. Der Gewinn lag jedoch mit 13Millionen Franken 2Prozent tiefer als im Vorjahr.

Beim Strom nahm der Verbrauch im Baselbieter Kerngebiet um gut 2 Prozent ab. Geschäftsleiter Urs Steiner führt dies auf die milde Witterung sowie die stagnierende Konjunktur zurück. Zugleich konnte die EBL in Deutschland Kunden gewinnen, sodass im Stromvertrieb 12 Prozent Zunahme zu verzeichnen war. Auch beim Wärmegeschäft konnte die EBL das warme Wetter durch Inbetriebnahme neuer Wärmeverbünde mehr als kompensieren und legte um 40Prozent zu. Ebenso ist es gelungen, den Telekom-Umsatz um 14Prozent zu steigern.

Mehr Stellen wegen Fukushima

Prägender als die Geschäftszahlen waren die langfristigen Entscheide, welche die EBL im vergangenen Jahr getroffen hat. So hat sie sich nach der Kernschmelze in Fukushima rasch für den geordneten Ausstieg aus der Atomtechnologie entschieden und auf Jahresbeginn 2012 ihr Tarifmodell so umgestellt, dass die Kunden – sofern sie nicht aktiv eine andere Stromsorte bestellen – einen atomfreien Strommix in Rechnung gestellt bekommen (bz berichtete).

Zum langfristigen Ersatz des Atomstroms gehören die Energie-Einsparungsprogramme «1000 jetzt» in den Bereichen Photovoltaik, Solardächer, energetische Gebäudesanierung und Elektroheizungsersatz. Zudem hat die EBL ihre Investitionen – vorwiegend in die Stromproduktion aus neuen erneuerbaren Energien – um 5 Prozent auf 141,5 Millionen Franken gesteigert. In diesem Zusammenhang wurde auch der Personalbestand um 8 Prozent auf 256 Vollstellen aufgestockt.

Alpiq hustet – EBL erkältet sich

Die EBL hält 1,94 Millionen Alpiq-Aktien. Deren Wert sank im vergangenen Jahr um mehr als die Hälfte von 360 auf 170 Franken je Aktie. Damit nahm der Wert der Alpiq-Aktien in EBL-Besitz um 367,8 Millionen Franken ab. Da sie jedoch in der Buchhaltung mit jenem Wert stehen, zu dem sie ursprünglich eingekauft wurden – rund 70 Millionen Franken –, hat dieser Verlust keinen Einfluss auf den Jahresabschluss der EBL.

«Doch wenn die Alpiq hustet, bekommt die EBL eine Erkältung», brachte Tschopp die Abhängigkeit auf den Punkt: Selbst wenn sich die Fehler der Alpiq negativ auf das Geschäftsergebnis der EBL ausgewirkt hätten, ist die kleine Baselbieter Genossenschaft an den Energiekonzern durch Lieferverträge gebunden. Durch diese Verträge kann die EBL günstiger Strom beziehen, als wenn sie diesen auf dem freien Markt einkaufen würde. Diese Verträge laufen jedoch 2029 aus.

Die Bemühungen der EBL, eine eigene Stromproduktion aufzubauen, haben also nicht nur mit dem Atomausstieg zu tun, sondern auch mit der noch offenen Frage, woher sie nach 2029 den Strom zu welchen Preisen beziehen kann.

Noch keine Energiestrategie des Bundes

Auch in der näheren Zukunft ist vieles offen. So behindert der Schwebezustand, ob ab 2014 die Strommarktliberalisierung auch für private Haushalte gilt, die konkrete Vorbereitung für die Marktöffnung. «Wir üben den offenen Markt für Kleinkunden zwar bereits in Deutschland, müssen aber auch hier die Systeme dafür vorbereiten und dafür Entscheide treffen», erklärte Steiner.

Für das Gewerbe gilt die Marktliberalisierung bereits: Bisher hat die EBL drei Kunden im Baselbiet verloren, die 520 Megawattstunden bezogen. Zugleich hat sie in der Westschweiz einen Kunden für 40000 Megawattstunden gewonnen.

Auch die langfristige Energiestrategie des Bundes lässt auf sich warten. Trotzdem zeigt der Grundsatzentscheid Folgen: «Am Runden Tisch zur Baselbieter Energiezukunft hätte es früher in Grundsatzfragen verhärtete Fronten gegeben», erklärt Steiner. «Jetzt können wir viel zielgerichteter diskutieren.»