«Ist der Gutachter allwissend?», fragte der 33-jährige Angeklagte etwas skeptisch. «Nein, aber das ist kaum jemand», antwortete ihm Gerichtspräsident Aimo Zähndler geduldig. Die Begeisterung beim Beschuldigten hielt sich in Grenzen, zumal es gestern im Strafgericht in Muttenz für ihn auch um die Frage einer Zwangsbehandlung in einer geschlossenen Anstalt ging. «Lebenslänglich? Ich soll lebenslänglich bekommen? Es gibt Leute, die weniger Strafe bekommen als ich!», stellte der Mann klar.

Von lebenslänglich ist zwar formal nirgends die Rede, doch sonderlich ermutigend klang das Gutachten nicht: Der Mann leidet seit Jahren an einer paranoiden Schizophrenie, dazu kommt eine dissoziale Persönlichkeitsstörung sowie diverse Drogenabhängigkeiten. Die Rückfallgefahr für Gewaltdelikte wird als hoch eingestuft, insbesondere führte der Mann immer wieder Messer mit sich herum, weil er sich bedroht fühlte.

Der in Sarajevo aufgewachsene Mann kam als Jugendlicher in die Schweiz, soll aber bereits vorher im damaligen Jugoslawien mit einem Karabiner ein serbisches Dorf beschossen haben. Im Jahr 2001 in der Schweiz war es dann ein Luftgewehr in einem Park, mit dem er auf Eichhörnchen gezielt haben soll. «Nein, ich habe auf Lampen geschossen. Ist das unmoralisch?», meinte er dazu am Donnerstag grummelig.

Sturmgewehr und Schussweste

Es folgten Auseinandersetzungen mit Messern, meist im Drogenmilieu. Im Jahr 2008 kaufte er in Basel einem Montenegriner ein Sturmgewehr ab und übte damit ein wenig im Wald. «Hey, das ist zehn Jahre her!», meinte er dazu. Man fand damals auch eine kugelsichere Weste bei ihm.

Eher unterhaltsam waren die Episoden, als er auffiel, weil er im tiefsten Winter in Sissach barfuss herumspazierte. «Es ist gar nicht so kalt gewesen», meinte er dazu am Donnerstag schulterzuckend. Doch wurde die Polizei, gerufen weil er förmlich durchdrehte. Und trotz diverser fürsorgerischer Unterbringungen in der Psychiatrie während der letzten Jahre blieb er unberechenbar.

Vor einem Jahr bedrohte er an seinem Wohnort in Tecknau im Treppenhaus einen elf Jahre alten Jungen mit einem Messer, woraufhin dessen Mutter die Polizei rief. «Das war einfach ein blöder Zufall», betonte der 33-Jährige vor Gericht. Als dann die Polizei kam, folgten allerdings massive Todesdrohungen gegen deren Familien, auch der herbeigerufene Notfallpsychiater musste sich anhören, er werde seine Familie aufschlitzen. «Zuerst wollte ich die Polizisten schlagen, aber das darf man nicht, also habe ich das Maul aufgemacht. Es tut mir leid. Die Familie bedrohen, das macht man nicht», meinte er dazu kleinlaut.

Seit einem Jahr in Haft

Derzeit erhält er nebst Valium auch das berüchtigte Neuroleptikum Leponex, das wegen seiner gefährlichen Nebenwirkungen nur bei therapieresistenten Psychosen verschrieben wird. Wenige Wochen nach dem Vorfall nutzte er einen kurzen Ausgang von der Klinik, um bei der Familie des 11-Jährigen in Tecknau zu klingeln und löste dort Panik aus. Er beteuerte am Donnerstag, er habe sich entschuldigen wollen und sich nicht viel dabei gedacht.

Am Freitag entscheiden die Richter, was mit dem 33-jährigen nun geschehen soll, seit März 2017 sitzt er in Untersuchungshaft. Eine stationäre Therapie würde er vielleicht akzeptieren. «Ein paar Jahre, ja, aber das reicht. Mir ist dann einfach langweilig», meinte er.