Die Hauptbotschaft der Elsässer an diesem Wahlsonntag lautete Desinteresse. Selbst die 67,5 Prozent Ja-Stimmen der Unterelsässer blieben aufgrund der geringen Wahlbeteiligung deutlich unter dem 25 Prozent-Quorum der eingeschriebenen Wähler, das in jedem der beiden Departements erreicht werden musste, damit das Referendum angenommen wird. Im Oberelsass war die Wahlbeteiligung ähnlich schwach; ein Ja wäre also auch hier am Quorum gescheitert.

Das dreifache Nein zur Fusion hat unterschiedliche Gründe. Im Südelsass überwog mit Sicherheit die Sorge, gegenüber der regionalen Hauptstadt Strassburg unter die Räder zu kommen. Daran konnte auch der Kompromiss nichts ändern, den Charles Buttner, Präsident des oberelsässischen Parlaments, des Generalrats, ausgehandelt hatte. Demnach hätte die Exekutive, die Regierung des neuen Einheits-Rats oder «Conseil Unique», ihren Sitz in Colmar und das Parlament seinen Sitz in Strassburg gehabt. Dies aber schien selbst die Colmarer nicht zu überzeugen, denn hier stimmten sogar 67 Prozent gegen die Fusion.

Die Diskussion, ob mit dem neuen Rat die oberelsässische Präfektur in Colmar als wichtigste staatliche Behörde vor Ort abgeschafft werden sollte, tat ein übriges, um das Nein im südlichen Elsass zu stärken. Zudem hatte Generalratspräsident Buttner sich erst nach langwierigen Verhandlungen mit seinem Kollegen aus dem Unterelsass und mit Philippe Richert, Präsident des Regionalrates Elsass, für den Einheits-Rat erwärmen können.

Im fusionierten Elsass sollten die beiden Generalräte, die für Soziales zuständig sind, und der Regionalrat, der Raumplanung und öffentlichen Verkehr zu seinen Hauptkompetenzen zählt, in einer neuen Struktur aufgehen. Diese hätten zudem vom französischen Staat neue Kompetenzen beim Sprachunterricht und der grenzübergreifenden Kooperation erhalten. Obwohl der neue Rat von der überwiegenden Mehrheit der elsässischen Politiker befürwortet wurde, blieb das Projekt seltsam blutleer. Es gelang ihnen nicht, die Vorteile einer durchaus sinnvollen institutionellen Reform den Wählern zu vermitteln und sie an die Wahlurnen zu locken und noch viel weniger, die Ängste der Oberelsässer zu entkräften.

Der Kompromiss, die Sitze von Regierung und Parlament auf zwei Orte zu verteilen, dürfte zudem als Verwässerung eines noch wenig transparenten Projektes erschienen sein. Durch die Fusion sollten jährlich 25 Millionen Franken gespart und die Anzahl der Gewählten um zirka 20 Prozent reduziert werden - eine Vision für einen gestärkten gemeinsamen Raum, für ein selbstbewusstes Elsass verankert in einer stärker dezentralisierten französischen Republik, hört sich anders an. Vielleicht ist das elsässische Fusionsprojekt auch an dieser mangelnden Klarheit gescheitert. Insofern könnte es auch eine Botschaft für die mögliche Fusion der beiden Basel sein.

In der Nähe von Basel gab es übrigens auch Zustimmung für die Fusion. In Saint-Louis stimmten 54,1 Prozent und in Hégenheim sogar 61,5 Prozent dafür. Ein gutes Zeichen?