Das wird die Kassenwarte der Gemeinden nicht freuen. Denn sie müssen sich auf Verhandlungen mit den Verantwortlichen ihrer Primarschulen gefasst machen. Diese werden voraussichtlich für Schulausflüge, Exkursionen und Lager mehr Geld fordern – Geld, das sie nicht mehr von den Eltern verlangen dürfen, nachdem das Bundesgericht deren Beitrag auf 16 Franken pro Ausflugstag beschränkt hat.

«Wir sind darauf angewiesen, dass die Gemeinden die Kosten für die Schule – und somit auch die schulischen Anlässe wie Lager, Exkursionen, Reisen und Projekte – finanzieren», sagt Daniela Gloor, Co-Präsidentin des Verbands der Schulleiterinnen und Schulleiter Kanton Baselland.

Wenn die finanziellen Ausfälle aufgrund des Bundesgerichtsentscheids nicht durch die Gemeinde übernommen werden könnten, werde man das Angebot an ausserschulischen Anlässen kürzen müssen, sagt Gloor. Und darin sieht sie einen Widerspruch: «Es ist zu bedenken, dass genau diese Anlässe auch zum Bildungsauftrag gehören und wichtige Kompetenzen fördern.»

Kanton weiss noch nicht weiter

In den Weiterbildungsangeboten würden den Lehrern ausserschulische Aktivitäten schmackhaft gemacht, schreibt eine Biologielehrerin der bz. Aber dafür stehe dann kein Geldtopf zur Verfügung, lautet ihre Kritik.

Seitdem die Primarschule sechs Jahre dauert, finden auch auf dieser Stufe Schullager statt. Zudem ist dort der manuelle Unterricht wichtig. Dort müssen Eltern oft das Material mitfinanzieren, etwa Textilien. In diesem Spannungsfeld dürfte es in den Gemeinden zu zähen Auseinandersetzungen um die Finanzierung ausserschulischer Angebote kommen.

Gloor wünscht sich vom Kanton Richtlinien, wie die Verhandlungen verlaufen sollen. Dagegen sträubt sich die Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion (BKSD) nicht, im Gegenteil. «Wir geben den Gemeinden gerne Empfehlungen ab – sobald klar ist, wie der Kanton in seinen eigenen Schulen mit der neuen Situation umgeht», sagt BKSD-Sprecherin Monique Juillerat. Insbesondere ist noch unklar, wie viel es den Steuerzahler kosten wird, falls der Kanton die wegfallenden Elternbeiträge vollständig übernimmt.

Initiative im Köcher

Das ist eine der Fragen, die der Landrat Roman Brunner (SP) der Regierung stellt. In einer Interpellation, die er übermorgen Donnerstag einreicht, will er wissen, ob der Kanton das fehlende Geld einschiessen oder auf ausserschulische Aktivitäten verzichten will. Falls Zweiteres droht, will er Forderungen stellen. Unterstützung erhofft sich Brunner von der CVP, «die in sozialen Sachen nicht stur bürgerlich ist», wie er betont.

Michael Weis, Geschäftsführer des Lehrerinnen- und Lehrervereins Baselland, erhofft sich, dass der politische Druck steigt, Schullager und ähnliches gesetzlich zu verankern. Notfalls würden die Lehrer eine entsprechende Initiative lancieren.