Das Lied hätte passender nicht sein können. Zum Abschluss der Bewerbungsshow für das «Eidgenössische» in Pratteln sang das Doppel-Quartett Raurach aus Augst «So schön cha das si». Dann stimmten die Schwinger ab.

So schön kann das sein – nach all den Problemen mit dem ursprünglich vorgesehenen Festort. Pratteln erhielt gestern Sonntag in Hochdorf LU den Zuschlag für das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest (ESAF) im Jahr 2022.

Alle der rund 220 anwesenden Abgeordneten des Eidgenössischen Schwingerverbands (ESV) gaben der Bewerbung aus dem Baselbiet ihre Stimme. Zum ersten Mal überhaupt kommt das ESAF in den Kanton Baselland.

Schwierige Standortsuche

Eine rund fünfzigköpfige Delegation war aus dem Baselbiet an die Abgeordneten-Versammlung ins Luzernische gereist, samt erwähntem Doppelquartett. Doch der Aufwand hat sich gelohnt. Zwar gilt die Wahl des Festorts als Alibiübung. Pratteln 2022 war, wie das bei der Vergabe von «Eidgenössischen» üblich ist, die einzige Bewerbung, musste nur abgenickt werden. Trotzdem wollte Regierungsrat Thomas Weber nichts anbrennen lassen in der rund 25-minütigen Präsentation.

Der Vorsteher der Baselbieter Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion ist auch designierter Präsident des Organisationskomitees ESAF 2022. Das Fest hätte ursprünglich in der Ebene zwischen Aesch und Reinach steigen sollen, doch betroffene Landwirte und Umweltschützer hatten sich quer gestellt. So musste der Basellandschaftliche Schwingerverband Ende 2016 die Option Aesch begraben.

Im Februar vergangenen Jahres dann die Überraschung: Der Verband gab bekannt, dass das ESAF in Pratteln stattfinden soll. Zuvor war intensiv über den Festort St. Jakob-Park im Grünen spekuliert worden.

Doch auch im Fall Pratteln warten einige Knacknüsse auf die Organisatoren. Das Gebiet Leimen-Hülften, am südöstlichen Siedlungsrand Prattelns gelegen, wird von einer Hochspannungsleitung und einer Panzersperre durchquert.

«Sowohl mit der Armasuisse wie auch mit dem Stromnetzbetreiber Swissgrid haben wir die Abklärungen, soweit sie zu jenem Zeitpunkt möglich waren, getätigt und protokolliert», sagte Weber zu den Abgeordneten. «Wir kennen die Auflagen und wir werden sie ohne Wenn und Aber erfüllen. Sobald der Festort definitiv vergeben ist, reichen wir die entsprechenden Gesuche ein.»

Weber ging auch auf Details der Bewerbung ein. 300 000 Personen sollen sich Ende August 2022 auf dem Festgelände einfinden, hinzukommen über 5000 Helferinnen und Helfer. Das mobile Stadion wird 47 000 Sitzplätze bieten.

Es ist also so gross wie die mobile Arena beim ESAF 2010 in Frauenfeld. 2013 in Burgdorf und 2016 in Estavayer-le-Lac kamen grössere Stadien mit über 50 000 Sitzplätzen zum Einsatz. Doch für solche Arenen hat es in Pratteln zu wenig Platz.

Urs Lanz, der Präsident des Basellandschaftlichen Kantonalschwingerverbands, war vor Weber ebenso auf die Wahl des Austragungsorts eingegangen. «Die grösste Herausforderung bestand darin, einen geeigneten Festplatz zu finden.

Das Baselbiet ist zu hügelig, oder aber nicht gut erschlossen, wie etwa das Laufental. Und dort, wo es flach ist, ist das Land stark verbaut.»
Nun sei aber ein gut gelegenes Areal gefunden, sagte Lanz. «Wir werden alles dafür tun, ein tolles und würdiges Schwingfest in der Agglomeration von Basel durchzuführen.»

Gelegenheit kommt alle 45 Jahre

Im Kulturzentrum Braui in Hochdorf war auch die Fahne der Basler Schwinger zu sehen. Der Schwingerverband Basel-Stadt wird bei der Organisation des Prattler ESAF mithelfen.
Die beiden Basel haben turnusgemäss alle 45 Jahre Anrecht auf das «Eidgenössische».

Der Basler Verband gab früh zu verstehen, dass er für die Ausgabe 2022 den Kollegen aus dem Baselbiet den Vorrang lasse. Basel hatte schon dreimal die Ehre, die Schweizer Schwingerfamilie bei sich zu begrüssen, zuletzt war das 1977 der Fall. In vier Jahren kommt es jetzt zur Premiere eines «Eidgenössischen» im Kanton Baselland.