Sie hatten die Nase eine Zeit lang gleichauf auf dem hürdenreichen Wettlauf, wer als Erster in die Marktlücke nach dem Aus der Ziegelhof-Brauerei in Liestal vorstösst, doch seit letztem Freitag ist das Rennen endgültig entschieden: Während die Brauerei Farnsburg den dritten Standort evaluiert, hat die Baselbieter Brauerei in ihren neuen, grosszügigen Lokalitäten in Ziefen öffentlich das erste Fass angestochen.

Und wie: Kein Geringerer als Regierungsrat Anton Lauber griff zum Hammer und liess zur Freude der anwesenden 200 Aktionäre das erste «Baselbieter Bier», das wirklich aus dem Baselbiet und nicht wie bisher aus dem Aargau kommt, sprudeln. 

Lauber, bekennender Bierliebhaber, liess auch gleich verlauten, dass er Aktionär werden will. Dies dürfte dem Verwaltungsrat der Baselbieter Brauerei AG sehr gelegen kommen, denn auf Herbst ist eine Kapitalerhöhung vorgesehen, um weitere Investitionen wie zusätzliche Tanks finanzieren zu können.

Bisher zeichneten 1000 Aktionäre ein Kapital von 200'000 Franken. Sie haben damit das Fundament zu dem gelegt, was Verwaltungsratspräsident Ulrich Guggisberg zur Eröffnung der ersten Generalversammlung so verkündete: «Mit grosser Freude und Stolz kann ich Euch sagen: Unsere neue Brauerei ist fertig, funktioniert und wir produzieren bereits ein sehr gutes Bier.» Und mit einem Seitenblick zu Horst Wandinger fügte er bei: «Ohne unsern kompetenten Braumeister hätten wir heute keine Brauerei.» 

«Tolle Blume, tolle Farbe»

Es folgte ein grosser Applaus für den Bayer im Ruhestand mit 50-jähriger Brau-Erfahrung. Wandinger genoss es, sagte aber, ganz Perfektionist, gegenüber der bz, dass das «Baselbieter Helle» nach dem fünften Sud ganz gut sei. Perfekt sei es jedoch erst etwa nach dem zehnten Sud, falls die Rohstoffe gleich blieben. Verbesserungspotenzial sieht er noch beim Schaum und bei der Spritzigkeit.

Wandinger charakterisiert das Baselbieter Bier so: «Es ist ein süffiges Helles, zum Weitertrinken einladend, vollmundig, mit einer leicht malzigen Note und einer feinen Hopfenblume.» Oder in den Worten des «Laien» Anton Lauber, wie es in der Brauhalle wohl fast alle hätten unterschreiben können: «Tolle Blume, tolle Farbe.»

Dass die Erstellung der Baselbieter Brauerei alles andere als ein Kinderspiel war, ging aus dem Bericht von Verwaltungsrat Daniel Hollenstein hervor. Denn der schon an der Gründungsversammlung vor zwei Jahren bekannt gegebene Standort in Niederdorf erwies sich als Rohrkrepierer; dies allerdings erst, nachdem die rund 80'000 Franken teure Brauanlage schon beschafft war.

Weil aber das «Baselbieter Bier» schon nach eigenem Rezept in einer Brauerei in Wettingen produziert wurde, konnten trotzdem erste Kunden an Land gezogen werden. Schliesslich folgte im letzten Herbst der Befreiungsschlag in Ziefen, wo allerdings Umbauten den Start verzögerten. Trotzdem sagte Hollenstein: «Wir stiessen praktisch überall auf grosse Zustimmung und Wohlwollen. Auch in Ziefen wurden wir von Beginn an positiv aufgenommen.» 

Die grösste Herausforderung sei nun, so Hollenstein, weitere Gastronomiebetriebe als Partner zu gewinnen und weitere Verkaufsstellen aufzubauen. Im Moment ist das Baselbieter Bier in 15 Gaststätten  und an vier Verkaufsstellen zu haben. Bis im Herbst soll die ganze Produktion von Grössenordnung 6000 Liter pro Monat in Ziefen gebraut werden. Und ebenfalls in nächster Zeit soll ein heimischer Brauer angestellt werden; Wandinger bleibt weiterhin beratend tätig. Dazu Guggisberg: «Er ist unser Garant für Qualität.»