Viel bezahlen, wenig mitbestimmen. So kann man die undankbare Situation des Kantons Baselland im Hochschulwesen zusammenfassen. 230 Millionen Franken bezahlt dieser jährlich an die Universität Basel und an die Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW). Nur sieben Kantone bezahlen mehr. Trotzdem ist Baselland als einziger Trägerkanton einer Universität im Hochschulrat nicht stimmberechtigt. Es ist seit Jahren ein Politikum: Hiesige Politiker beklagen sich über die fehlende Wertschätzung.

Mehrere Anläufe, Baselland einen Sitz im Hochschulrat zu sichern, sind gescheitert. Doch das soll sich am 25./26. Oktober ändern. Dann wählt die schweizerische Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK) an der Jahresversammlung die neuen Hochschulratsmitglieder. Neben den zehn fixen Sitzen, wovon unter anderem Basel-Stadt einen innehat, werden vier weitere Sitze für eine Vierjahresperiode besetzt.

Die Baselbieter Bildungsdirektorin Monica Gschwind (FDP) sagt nun auf Anfrage, dass Baselland sich um einen Sitz im Hochschulrat beworben habe. Hier würden «alle gesamtschweizerisch relevanten hochschulpolitischen Themen diskutiert und entschieden», begründet sie. Man wolle «nicht nur finanzielle Verbindlichkeit, sondern auch inhaltlich Verantwortung mittragen». Gschwind argumentiert aber nicht nur mit den Finanzen. Sie betont auch, dass 45 Prozent aller Baselbieter Schülerinnen und Schüler, die eine Matura hätten, an die Uni oder die Hochschule gingen. Das sei schweizweit der zweithöchste Wert.

Streit unter den Nachbarkantonen?

Ein Selbstläufer wird die Wahl allerdings nicht. Traditionellerweise vergibt die EDK einen Sitz in jede Region. Aus der Nordwestschweiz sind zwei Kandidaturen eingetroffen: neben derjenigen aus dem Baselbiet auch eine aus dem Aargau. Dieser sass bereits die vergangenen vier Jahre im einflussreichen Gremium, will das Feld nun aber nicht kampflos räumen. Von einem potenziellen Streit unter Nachbarn wollen aber weder die Baselbieter noch die Aargauer etwas wissen.

Eher werden die Kriterien hinterfragt, nach denen der Hochschulrat zusammengesetzt wird. Sascha Giger, Sprecherin der Aargauer Bildungsdirektion, sagt: «Der Kanton Aargau erachtet es als wichtig, dass diejenigen Kantone im Hochschulrat vertreten sein sollen, die die grössten Beiträge innerhalb des Hochschulsystems Schweiz leisten. Insofern wird sich der Kanton Aargau weiterhin dafür einsetzen, dass Aargau und Baselland beide Einsitz haben im Hochschulrat. Die Kandidatur des Kantons Aargau bleibt somit unverändert bestehen.»

Auch Monique Juillerat, Sprecherin der Baselbieter Bildungsdirektion, will nichts von einem Konkurrenzkampf zwischen den beiden Nordwestschweizer Kantonen wissen. Sie kritisiert ebenfalls die Formel, nach welcher der Hochschulrat zusammengesetzt ist. Es sei schlicht «nicht einsehbar», warum Baselland keinen Einsitz habe, sagt sie. Was das Bestreben des Landkantons angeht, sind sich auch die beiden Basel für einmal einig. Der Basler Erziehungsdirektor Conradin Cramer (LDP) sagt: «Der Kanton Basel-Stadt hat sich in Vergangenheit immer wieder dafür eingesetzt, und so sage ich auch heute klar und deutlich: Baselland gehört in den Hochschulrat.»

Cramers Vorgänger in der Basler Regierung hatte sich hingegen vor nicht allzu langer Zeit mit den Baselbietern verkracht. Christoph Eymann (LDP) hatte nach seiner Wahl in den Nationalrat einen Vorstoss eingereicht, in dem er einen Sitz des Baselbiets im Hochschulrat forderte. Die Baselbieter Regierung rüffelte ihn für den Alleingang; kein anderer Parlamentarier habe den Vorstoss mitunterzeichnet, monierte sie. Dass Gschwind nun selber die Initiative ergreift, bezeichnet Eymann aber als erfreulich – und nicht selbstverständlich. Gschwind habe nicht den Eindruck vermittelt, als wären ihr Universität und FHNW wichtig. Dass sie ihn abgekanzelt habe und nun dasselbe wolle, erachtet er zwar als «seltsam», aber nicht als Grund, ihn von der Meinung abzubringen: Baselland gehöre ins Gremium.

Langfristig ein fixer Sitz

Selbst wenn aber die Wahl in den Hochschulrat Ende Oktober gelingen würde: Es wäre nur ein Zwischenschritt auf dem langen Weg, Baselland einen fixen Sitz zu verschaffen. Seit 2007 kämpft dieser für sein Mitspracherecht, bisher erfolglos. Auch das 2015 revidierte Hochschulförderungs- und -koordinationsgesetz sah für Baselland keinen ständigen Sitz vor. Der Landkanton konnte einzig die Zulassung als Gast ohne Stimmrecht erwirken. Nur diejenigen sollten Mitsprache haben, die 1999 dem Interkantonalen Konkordat über universitäre Koordination beigetreten waren. Auf lange Zeit, so waren sich Experten einig, war das Schicksal des Baselbiets besiegelt.

Nun gibt sich Gschwind wieder kämpferisch: «Das Konkordat ist veraltet. Längerfristig sollte eine Lösung gefunden werden, bei der Kantone, die sich finanziell und ideell stark für den schweizerischen Hochschulraum engagieren, einen permanenten stimmberechtigten Sitz im Hochschulrat innehaben.» Auch sie weiss allerdings um die Schwierigkeit. «Die Änderung dieses Konkordats ist eine schwerfällige Angelegenheit.»