Bei dieser Spesenabrechnung staunte die Schulleitung der Allschwiler Sekundarschule am Lettenweg nicht schlecht. Der Hauswirtschaftslehrer G. M. wollte das Geld vom Migroseinkauf zurück, den er angeblich für seine Schulklasse getätigt hatte. Darunter waren Produkte, die nicht in die Schulküche gewandert waren, sondern in den privaten Kühlschrank des Lehrers: Balisto, Actimel, Cola Zero, Rhabarberwähe oder ein Pack Evian-Wasser. Und sogar die Abokosten des Magazins «Saisonküche», das er sich nach Hause liefern liess, wollte G. M. zurückerstattet haben.

Nun schaute die Schulleitung genauer hin. Sie bot den fehlbaren Lehrer zu einem Gespräch auf und verlangte vom halben Jahr zuvor die genaue Einsicht in die Ausgaben, die er über die Spesen abgerechnet hatte. Siehe da: Von den Fr. 3833.90, die G. M. angeblich für den Hauswirtschaftsunterricht ausgegeben hatte, waren 147 Franken ebenfalls für private Zwecke aufgewendet worden. Da nützte auch nichts, dass der Beschuldigte den Fehler einräumte und das Geld umgehend zurückzahlte. Auf Antrag der Schulleitung sprach der Schulrat am 31. Oktober 2016 die fristlose Kündigung aus. Dies mit dem Grund, dass das Vertrauensverhältnis nachhaltig zerrüttet sei.

Bereits früher gab es Verstösse

Die Allschwiler Sekundarschüler und Lehrer rieben sich nach dem Eklat die Augen. Der Tenor: Der Schulrat habe mit der fristlosen Kündigung zu hart durchgegriffen angesichts der eher geringen Beträge. Das sah auch der Betroffene so. Er schilderte seinen Lehrerkollegen sowie den Eltern seiner Schüler in einer Mail seine Sicht der Dinge. Und er beliess es nicht dabei. G. M. reichte im Januar 2017 eine Beschwerde gegen die fristlose Kündigung ein, in der er unter anderem eine Verletzung des Akteneinsichtsrechts sowie eine Verletzung des rechtlichen Gehörs geltend machte. Er habe sich nicht zum Hergang äussern können, moniert G. M.

Zudem reiche der Tatbestand nicht für eine fristlose Kündigung. Diese sei bei einem Kantonsangestellten lediglich bei «besonders schweren Verfehlungen» angezeigt. Der Hauswirtschaftslehrer spielte den Ball zurück. Der Schulrat habe unter anderem in seiner Eingabe festgestellt, dass die Kündigung aufgrund eines strafbaren Verhaltens von G. M. ausgesprochen worden sei. Dabei liege kein strafrechtlich relevantes Verhalten vor und eine Verdachtskündigung sei rechtswidrig.

Die Beschwerde des Lehrers wurde vom Baselbieter Regierungsrat abgewiesen. Dies in erster Linie mit dem Argument, er könne nachvollziehen, dass das Vertrauensverhältnis zwischen der Schule und dem Lehrer nachhaltig gestört sei. Gemäss der abgewiesenen Beschwerde, die der «Schweiz am Wochenende» vorliegt, konnte der Schulrat auch frühere Vergehen des Hauswirtschaftslehrers geltend machen.

Offensichtlich begann der Konflikt bereits im Schuljahr 2009/2010, als es Meinungsverschiedenheiten um Beschaffungen für die Schulküche gegangen war. Bereits damals sei der Lehrer ermahnt worden, besser auf die Ausgaben zu achten. Dokumentiert ist auch ein weiterer Fall, wonach es im Schuljahr 2015/16 bei den Orientierungsarbeitsprüfungen «gröbere Verstösse» gegeben habe.

Zwölf Monatslöhne gefordert

Die Verhandlung findet am 9. Mai vor dem Kantonsgericht statt. Weder die Allschwiler Sekundarschulleitung noch der Schulrat wollten sich auf Anfrage zum Fall äussern. Vertreter beider Gremien betonen, dass sie gerne ausgeführt hätten, was sich der Hauswirtschaftslehrer überdies zu Schulden hatte kommen lassen. Doch könnten sie zu einem laufenden Verfahren nichts sagen. Komme dazu, dass der Anwalt von G. M. mit rechtlichen Konsequenzen gedroht habe, wenn sich jemand an die Öffentlichkeit wende.

Auch dieser will vor dem Gerichtstermin nichts sagen. «Das Anwaltsgeheimnis erlaubt es mir unter diesen Umständen nicht, irgendein Statement abzugeben», sagt er auf Anfrage. Der Beschwerde ist zu entnehmen, dass er für seinen Mandanten eine saftige Abfindung verlangt. Die Rede ist von zwölf Monatslöhnen. Und dies, obwohl G. M. gemäss übereinstimmenden Aussagen einiger seiner früheren Lehrerkollegen längst wieder einen neuen Job angetreten hat.