«Psychisch sind alle am Anschlag», hält eine ehemalige Mitarbeiterin der Senevita Sonnenpark in Pratteln fest. In nur einem Jahr – die Eröffnung war anfangs März 2016 – wurde die Stelle der Pflegedienstleitung in der Alterswohngruppe viermal neu besetzt, während auch in anderen Bereichen zahlreiche Entlassungen erfolgten. Beispiele fadenscheiniger Kündigungsgründe wurden gegenüber der bz erwähnt. So haben Diebstahlvorwürfe, die der betroffene Mitarbeiter abstreitet, in einer Strafanzeige gegen die Geschäftsleitung gemündet.

Misstrauen unter Mitarbeitenden

Die Informanten berichten, dass verschiedene Angestellte immer wieder völlig aufgelöst oder sogar weinend im Haus gesehen worden seien. «Die Geschäftsleiterin Heike Jorkiewitz schafft es, einen mit Beleidigungen und Vorwürfen komplett fertigzumachen.» Sie frage Mitarbeiter über einander aus und behandle Einzelne mit Vorzug. «Sie hat auch schon Gutscheine an Einzelne verteilt, um sich einzuschmeicheln», bestätigt eine weitere Informantin. Gemäss weiteren Aussagen fehlt es im «Sonnenpark» an klaren Konzepten. Die Pflegeplanungen und Abläufe mit externen Firmen und Lieferanten seien nicht klar festgelegt. Angestellte würden konzeptlos irgendwo im Haus eingeteilt. Mitarbeitende fühlen sich den ihnen zugeteilten Aufgaben nicht gewachsen, weil ihre Zuständigkeit und Kompetenzen überschritten werden. Fehlende Pflegeplanungen und dauernd wechselndes Personal sorgen für Unklarheiten.

Vermeidbare Unfälle

In den 45 Wohnungen des Sonnenparks leben zurzeit 33 Menschen. Auf der Pflegestation mit 48 Betten liegen 31. Mehrere Informanten bestätigen, dass einige Unfälle der Bewohner wie Stürze und Verletzungen durch bessere Organisation hätten vermieden werden können. Oft sei einfach zu wenig Personal vor Ort. Eine Bewohnerin sagt: «Die Angestellten wirken zum Teil inkompetent. Es ist nicht ihr Fehler, denn sie werden nicht gut eingearbeitet», sagt eine Bewohnerin. «Ausserdem sind ständig neue Pfleger da, die sich noch nicht auskennen.» Das Personal renne herum, suche dauernd Sachen und könne auf Fragen nicht Auskunft geben. «Das Haus wäre eigentlich so schön und die Angestellten wären schon gut, wenn nur die Organisation besser wäre. Aber ich traue mich schon gar nichts mehr zu sagen», fügt sie hinzu. «Ich will eigentlich nur noch nach Hause.» So gehe es einigen Bewohnern im Sonnenpark. Für viele kommt ein Umzug jedoch aus gesundheitlichen oder finanziellen Gründen nicht infrage. «Man nützt die Abhängigkeit älterer Menschen gnadenlos aus», echauffiert sich eine Informantin.

Dauernde Überlastung

Für die Senevita zähle nur der Umsatz, nicht das Wohl der Bewohner, klagen die Informanten an. Vorgeschriebene Arbeitszeiten und Ruhepausen der Mitarbeiter würden im Sonnenpark nicht eingehalten. In der Küche sei es schon vorgekommen, dass Leute 15 Tage hintereinander Dienst hatten und eine Stationsleiterin habe mehrmals nach der Tagesschicht nachts noch den Pikettdienst übernommen. Eine Mitarbeiterin mit Brustkrebs sei während ihrer Bestrahlungszeit jeden Tag bis spätabends im Einsatz gewesen, berichtet eine Kollegin. Einzelne Angestellte arbeiten regelmässig abends zuhause weiter, um den Anschluss nicht zu verlieren.

Auch Praktikanten werden gemäss Aussagen über das Zumutbare hinaus eingesetzt. So wurde von einer Minderjährigen verlangt, dass sie abends und am Wochenende allein im Servicebereich arbeite. Und ein Pflege-Praktikant ohne Vorerfahrung berichtet: «Ich war teilweise alleine für die Pflege von vier bis neun Bewohnern zuständig und wurde für Fehler verantwortlich gemacht.»

In einem persönlichen Interview hat die Geschäftsleitung gestern zu den einzelnen Vorwürfen Stellung genommen. Kurz vor Redaktionsschluss kam unerwartet ein Telefonanruf der Senevita-Kommunikationsbeauftragten Daniela Flückiger. Sie zog sämtliche Aussagen der Geschäftsleitung, die plötzlich nicht mehr namentlich genannt werden will, zurück. « Die Senevita ist jederzeit bereit, berechtigte Kritik offen zu diskutieren, aber die hier vorgebrachten Anschuldigungen sind völlig haltlos und komplett unbegründet. Wir werden uns rechtliche Schritte gegen die Verleumdungen vorbehalten.», kommentiert Flückiger. Der Verlauf der Strafanzeige und die Abklärungen beim Kanton werden zeigen, ob im Pflegeheim widerrechtliche Zustände herrschen.