Die Belegschaft der Ronda AG in Lausen ist beunruhigt. Per Ende August hat der Hersteller von Quarzuhrwerken Personal entlassen. Laut Informationen der bz mussten sieben Mitarbeiter gehen – dabei wollte das Unternehmen genau solche Schritte vermeiden: Erst im Oktober war Kurzarbeit eingeführt worden.

«Leider sahen wir uns dazu gezwungen, eine kleinere Zahl an Mitarbeitern zu entlassen», schreibt Dominik Schneider, Geschäftsleitungsmitglied der Ronda AG, auf Anfrage der bz. «Die Auftragslage ist nicht optimal. Deshalb mussten wir Überkapazitäten abbauen.»

Die Kurzarbeit wurde laut Schneider im Juli wieder ausgesetzt. Weitere Massnahmen seien keine geplant. Insgesamt beschäftigt Ronda in Lausen nun noch rund 250 Angestellte.

Unia: Fehler im Management?

Die Gewerkschaft Unia schreibt, es sei nicht das erste Mal, dass die Ronda AG Kurzarbeit eingeführt habe. Man unterstütze die Massnahme, wenn damit vorübergehende Beschäftigungseinbrüche ausgeglichen und dadurch Arbeitsplätze erhalten werden können. Sollten bei der Ronda jedoch trotz Kurzarbeit Mitarbeitende aus wirtschaftlichen Gründen entlassen worden sein, sei der Zweck von Kurzarbeit – nämlich der Erhalt der Arbeitsplätze – arg infrage gestellt. «Es darf nicht sein», schreibt die Unia, «dass Fehler im Management beziehungsweise bei der Personalplanung auf die Mitarbeitenden und den Staat abgewälzt werden.» Laut Schweizerischem Arbeitsrecht darf ein Betrieb Kurzarbeit während maximal zwölf Monaten innerhalb von zwei Jahren einführen.

Die Entlassungen lassen aufhorchen. An der «Baselworld» 2016 sorgte Ronda mit der Präsentation eines neuen eigenen Automatikwerks für Szenenapplaus. Der sogenannte «Kaliber R 150» galt als Zukunftshoffnung für das Familienunternehmen. Weltweit existieren nur wenige Hersteller, die quarzgesteuerte und mechanische Uhrwerke anbieten. Innert vier Jahren wurde die notwendige Infrastruktur in den Werken Lausen und Stabio TI aufgebaut. Insgesamt beliefen sich die Investitionen laut Firmenangaben auf 25 Millionen Franken.
Die Ronda AG publiziert keine Unternehmenskennzahlen. Zum Geschäftsgang befragt, schreibt Dominik Schneider, vor allem aus dem Luxussegment kämen positive Signale. Insgesamt hätten sich die Exportzahlen aber «nicht wie gewünscht» entwickelt. «Der Markt hat sich auf dem aktuellen Niveau stabilisiert, und wir haben mit den erwähnten Massnahmen unsere Überkapazitäten in der Produktion angepasst.»

Über die Absatzzahlen des Hoffnungsträgers «R 150» schreibt Schneider, vor Kurzem sei mit der Auslieferung der ersten Serien des mechanischen Uhrwerks gestartet worden. «Wir sehen in den kommenden Jahren ein gutes Potenzial.» Es seien mit der Lancierung des neuen Produkts auch Stellen geschaffen worden, etwa für Uhrmacher und Ingenieure.
Die Zulieferer für die Uhrenhersteller dienen durchaus als Seismograph für den Zustand der Branche. Pro Jahr produziert Ronda rund 20 Millionen Uhrwerke. Die Unia schreibt, die Uhrenindustrie in der Nordwestschweiz sei relativ klein im Vergleich zur Romandie, die Trends seien aber dieselben: «Ein wichtiger Faktor ist sicher die Frankenstärke, welche die Exporte in der Uhrenindustrie erschwert.»

Gemäss den aktuellsten Zahlen des Schweizerischen Branchenverbands zogen im Juli die Ausfuhren an, es war der dritte Monat in Folge mit einem Plus. Das Geschäftsjahr 2016 jedoch fiel rabenschwarz aus. Die Exporte gingen im Vergleich zum Vorjahr um fast 10 Prozent zurück. Vor allem die günstigen Uhren (Preis unter 200 Franken) sind weniger beliebt: Von allen Preisklassen sank bei ihnen die Nachfrage am stärksten.

Oris spürt positive Signale

Ronda gehört zu den bedeutenden Unternehmen der Uhrenindustrie in der Nordwestschweiz. Daneben existieren noch Oris (Hölstein), Zeno Watch (Basel) und Grovana (Tenniken). Wie Ronda publiziert auch Oris keine Kennzahlen. Rolf Studer, Co-Geschäftsführer von Oris, sagt auf Anfrage, das laufende Jahr habe sich bisher schwierig gestaltet. «Wir spüren jetzt aber eine positive Stimmung und sind zuversichtlich.»

In Hölstein beschäftigt Oris 65 Personen. Der Personalbestand ist laut Studer in den vergangenen Jahren leicht gestiegen.